Stadt kommt mit ihrer Realschulwende der Politik zuvor

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Die plötzliche „Rolle rückwärts“ der Unnaer Stadtverwaltung hat die Politik verblüfft. Ein genauerer Blick aber macht klar: Der Schulbau auf dem Freizeitbadgelände stand auf wackligen Füßen.

Unna

, 25.11.2019, 12:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

So mancher Politiker rieb sich verwundert die Augen, als Unnas Erster Beigeordneter Jens Toschläger im Schulausschuss verkündete, die Stadt wolle die neue Hellweg-Realschule nun doch nicht auf dem Freizeitbadgelände errichten. Wenige Tage später liegt eine weitere Erklärung dafür nahe, warum die Verwaltungsspitze ihre Pläne über den Haufen warf.

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Toschläger hatte erklärt, die Verwaltung wolle eine „Entspannung der Diskussion und die Möglichkeit zur Neuausrichtung der Überlegungen“ herbeiführen. Offensichtlich gründet sich der Gedankenumschwung im Rathaus aber auch auf eine andere Tatsache.

Der Regionalplan, der aktuell neu aufgelegt wird, ließe in seinem jetzt vorliegenden Entwurf gar keine Schule auf dem Freizeitbadgelände vor. Dort ist die Fläche als „Agrarbereich“ gekennzeichnet. Die Stadtverwaltung hat im Rahmen ihrer Anhörung deutlich gemacht, dass sie das für falsch hält.

Stadt verweist auf geltendes Recht

Zumindest an diesem Standpunkt wird sie wohl festhalten, immerhin kündigte Toschläger im Ausschuss an, man müsse sich andere Gedanken um eine Nutzung des Freizeitbadgeländes machen. An Felder wird er dabei nicht gedacht haben.

Die Fläche ist problematisch, liegt sie doch in der Einflugschneise des zuletzt in seiner Bedeutung aufgewerteten Dortmunder Flughafens. Weil der seine Landebahn in Richtung Unna verlängern will, könnte die Lärmbelastung in den nächsten Jahren noch steigen. Die Flugzeuge würden tiefer über die Köpfe der Massener fliegen.

Auf Anfrage verweist die Stadt Unna auf den noch gültigen Regionalplan. „Danach ist ein Schulneubau auf dem Freizeitbadgelände möglich“, erklärt Sprecher Christoph Ueberfeld. Laut gültigem Regionalplan seien das Freizeitbadgelände und der aktuelle Standort der Realschule an der Königsborner Straße gleichgestellt.

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Das gilt wahrlich nicht für die Planung. Während an der Königsborner Straße ein Schulneubau vergleichsweise schnell realisierbar scheint, müsste für das Freizeitbadgelände erst noch ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Das fraktionslose Ratsmitglied Christoph Tetzner kritisiert, mit Blick auf den Entwurf des Regionalplans sei ein Schulneubau auf dem Freizeitbadgelände nie realistisch gewesen. Und auch Linke-Fraktionschefin Petra Weber verweist auf diesen Umstand. Es habe nie eine Planungssicherheit gegeben. Den Vorwurf der Verschwendung hatte die Stadtverwaltung zuletzt allerdings zurückgewiesen.

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