Die Planung für den neuen Platz am Morgentor wird größer und teurer. Ein problematischer Hohlraum macht mehr Bauarbeiten nötig. Die Gelegenheit soll genutzt werden: für mehr Außengastronomie.

Unna

, 07.08.2019, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit geraumer Zeit gibt es Pläne im Rathaus, die Flächen rund um das Morgentor neu zu gestalten. Anders als für die Sanierung der Fußgängerzone bekommt die Stadt für dieses Projekt die erwarteten Fördermittel. Und so sollen die Bauarbeiten im Herbst dieses Jahres beginnen, wie Stadtsprecher Oliver Böer unserer Redaktion bestätigte.

Jetzt lesen

Der Startschuss soll südlich der Morgenstraße fallen, zwischen der alten Stadtmauer und dem Güldenen Trog. Dort war eigentlich keine große Umgestaltung geplant gewesen, doch Unerwartetes in der Tiefe gibt den Anstoß dafür. Unterhalb der Stadtmauer, neben dem Verkehrsring, war im Zuge der Kortelbach-Baustelle der Untergrund weggesackt. Eine Stromstation der Stadtwerke musste deswegen kurzfristig neu gebaut werden. Eine kleine Terrasse an der Mauer ist seitdem ebenso gesperrt wie der Gehweg auf der Innenseite des Ostrings. Die verschachtelten Bauzäune, innerhalb derer bereits hohe Pflanzen wuchern, entfalten seitdem ihre wenig einladende Wirkung auf das Altstadt-Ambiente und bilden eine Sackgasse für den Fußverkehr am Ring.

Teurer Hohlraum

Die Stadt hat den Hohlraum untersuchen lassen, der für das Absacken verantwortlich war. Inzwischen steht fest, dass das Loch in offener Bauweise verfüllt werden soll. Das heißt, die Flächen um die Mauer müssen an dieser Stelle aufgebaggert und dann angefüllt werden.

Allein wegen der Hohlraumverfüllung verteuert sich die ganze Angelegenheit im Vergleich zur Ursprungsplanung. 360.000 Euro muss die Stadt quasi in das unterirdische Loch schütten. Das ganze Projekt soll nun 1,26 Millionen Euro kosten. Darin enthalten sind rund 700.000 Euro Fördermittel.

Stadt baut ab Herbst den Platz am Morgentor mit mehr Terrassen für Gaststätten

So wird der Platz am Morgentor geplant: Eine autoarme Pflasterfläche soll ein Ambiente erzeugen, das zu mehr Flächen für die Außengastronomie entlang der Stadtmauer passt. Die historische Mauer soll weiter abschnittsweise nachgebaut werden. © BSL Landschaftsarchitekten

Mehr Platz auf Gastronomie-Terrassen

Durch die Hohlraumproblematik ergibt sich wiederum die Chance, neu zu gestalten. In einer Vorlage für den politischen Beschluss der Baumaßnahmen ist von einer deutlichen Erweiterung der gastronomischen Terrassen die Rede. Das Café Waffelstübchen soll künftig rund 40 Quadratmeter Außenfläche an der Mauer nutzen können, das Restaurant Tapas/Bodega ein Stück weiter oberhalb 70 Quadratmeter. Diese Flächen „verbessern die Existenzbedingungen dieser Nutzungen erheblich“, schreiben die Planer aus der Verwaltung.

Die Gastronomie im Eckgebäude Morgentor erhalte erstmals überhaupt die Möglichkeit für Außengastronomie in nennenswerter Größe. Die Stadt erhofft sich eine Stabilisierung der Gastronomie und damit auch eine wirtschaftliche Erhaltung der Baudenkmäler am Eingang zum Nicolaiviertel.

Für die Wirte drängt es

Mit diesem Teil der Platzgestaltung, südlich der Morgenstraße will die Stadt im Herbst beginnen. Für die dortige Gastronomie sei die Maßnahme „zeitlich dringend“, so das Verwaltungspapier. Die Betreiber des Waffelstübchens hatten tatsächlich schon im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass sie durch die Terrassensperrung erhebliche Einnahmeverluste hätten. Aller Voraussicht nach sind die neuen Terrassen im Frühjahr 2020 fertig. Die Wirte zahlen für die Nutzung der Außenflächen Pacht an die Stadt.

Stadt baut ab Herbst den Platz am Morgentor mit mehr Terrassen für Gaststätten

Seit vielen Monaten ist die Innenseite des Ostrings an der Morgenstraße eine der hässlichsten Stellen der Innenstadt. Daraus soll bis zum Frühjahr eine der schönsten werden - mit mehr Platz für Außengastronomie. © BSL Landschaftsarchitekten

Burgviertel 2020, Abschluss 2021

Im Jahr 2020 sollen die Burgstraße und Kleine Burgstraße neu asphaltiert werden, die die Stadt im Zusammenhang mit dem Platzprojekt plant. Im Jahr 2021 soll das Gesamtprojekt zum Abschluss kommen, mit der Pflasterung nördlich der Morgenstraße bis zum Alten Landratsamt und der Neugestaltung des Parkplatzes am Ring.

Jetzt lesen

Gemütlichkeit und wenige, langsame Autos

Es entspricht dem Grundgedanken der Planung für den Platz am Morgentor, dass die Besucher künftig mehr Platz haben, um sich gemütlich hinzusetzen. Das historische Ambiente mit den alten Gebäuden am Innenstadtrand soll aufgewertet werden. Bisher dominiert auf der Fläche der Autoverkehr über die Morgenstraße. Dieser soll an Bedeutung verlieren. Die Planer wollen ihn vom Ring kommend über den Parkplatz am Rand des Stadtgartens führen, von dort bei Bedarf ins Burgviertel.

Der Kern der Fläche wird gepflastert und konzipiert als „Shared Space“. Autofahrer, Fußgänger und Fahrradfahrer sollen sich langsam begegnen und gegenseitig Rücksicht nehmen, so die Idee. Mehrere Bänke und Fahrradständer sollen nicht-motorisierte Nutzer einladen. Die historische Stadtmauer soll abschnittsweise nachgebaut werden.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kamen-Karree

Alexa, mach den Ofen an! Flammenträume erweitert mit heißer Ware zwischen Woolworth und Ikea

Meistgelesen