Mehrsprachigkeit als Potenzial: Programm hilft Familien mit Migrationshintergrund

dzSchule am Friedrichsborn

Die Schule am Friedrichsborn in Unna gilt mit einem Migrationsanteil von rund 65 Prozent als „Brennpunktschule“. Sprachförderung ist hier besonders wichtig – und wird vorbildlich umgesetzt.

Unna

, 05.03.2020, 15:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kinder aus Migrantenfamilien sind schlecht in der Schule, sprechen kein gutes Deutsch und sind nicht richtig integriert – Vorurteile wie diese sind nicht selten. Aber sie stimmen nicht immer: Das zeigen Auswertungen des Programms „Rucksack-Schule“, das es seit 2010 an der Grundschule am Friedrichsborn gibt.

Eltern mit Migrationshintergrund lernen hierbei, wie sie ihre Kinder nach dem Unterricht unterstützen können, auch wenn zuhause eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird. In diesem Schuljahr nehmen 20 Eltern-Kind-Paare aus fünf unterschiedlichen Herkunftsländern an dem Programm teil – und sind begeistert.

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So auch Elena Wohlan. Als sie nach Deutschland kommt, spricht sie nur Russisch. Ihre Tochter hört zuhause nur die Muttersprache, Deutsch muss sie erst erlernen. Während der Schulzeit hat Elena Wohlan Schwierigkeiten, ihre Tochter bei den Hausaufgaben zu unterstützen, die Mutter versteht viele Fachbegriffe und Unterrichtsinhalte nicht.

Eltern treffen sich einmal die Woche

„Genau da setzt ‚Rucksack Schule‘“ an, erklärt Anne Nikbin, Koordinatorin des Programms. Die Eltern der Kinder treffen sich einmal in der Woche mit einer sogenannten Kontaktlehrerin und erhalten Informationen über Unterrichtsinhalte in ihrer jeweiligen Sprache.

Bestimmte Themenbereiche und Arbeitsblätter werden dabei übersetzt, sodass Eltern verstehen, was im Unterricht erarbeitet wurde, welche Fachbegriffe dort verwendet werden und was die Kinder nacharbeiten sollen.

Die Eltern der Kinder an der Friedrichsbornschule nehmen gerne am Programm „Rucksack Schule“ teil.

Die Eltern der Kinder an der Friedrichsbornschule nehmen gerne am Programm „Rucksack Schule“ teil. © Vivien Nogaj

Mittlerweile sind Mütter aus Russland, Polen, Griechenland, und der Türkei an dem Programm beteiligt. Neben den Informationen über den Unterricht bietet das Programm für die Eltern aber auch weitere Vorteile: Die Sprachbarrieren werden so abgebaut, Eltern trauen sich jetzt häufiger, Elternabende zu besuchen und nehmen aktiv am Schulalltag ihres Kindes teil.

„Mehrsprachigkeit ist ein Potenzial“

Darüber freut sich auch Mutter Efi Tzolis: „Meine Tochter fragt mich immer neugierig, was wir beim Treffen besprochen haben und was am nächsten Tag in der Schule gelernt wird“, sagt sie.

Außerdem bestätigt das Programm, was Schulleiterin Ute Kirch-Forthaus schon lange wusste: „Mehrsprachigkeit ist ein Potenzial, und nichts, für das man sich schämen muss.“ Dieses Potenzial werde auch weiterhin an der Schule am Friedrichsborn gefördert – besonders mit dem Programm „Rucksack Schule“.

Programm „Rucksack Schule“

Inhalte und Ziele

  • Das Programm „Rucksack Schule“ fördert die sprachliche Kompetenz in der Herkunftssprache der Eltern und in der deutschen Sprache. Es stärkt das Selbstwertgefühl und die Erziehungskompetenz der Eltern. Außerdem fördert „Rucksack Schule“ die interkulturelle Öffnung und trägt zu einer gelingenden Integration bei.
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