SPD droht Abtrünnigen bei „Wir für Unna“ mit Rauswurf

dzPolitik

Dass sich „Wir für Unna“ zu einem Auffangbecken für Enttäuschte und Ehemalige anderer Parteien entwickeln könnte, war absehbar. Nun droht den SPD-Leuten im Bürgerverein der Parteiausschluss.

Unna

, 13.12.2019, 14:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem sich der Verein „Wir für Unna“ zur Kandidatur bei der Kommunalwahl 2020 entschlossen hat, scheint für manch einen Funktionsträger die rote Linie überschritten zu sein. Der Unterbezirk der SPD soll nun ein Parteiausschlussverfahren gegen die Sozialdemokratinnen Margarethe Strathoff und Ingrid Kroll prüfen – so legt es zumindest der interne Schriftverkehr der SPD-Kreistagsfraktion nahe.

Die beiden Unnaerinnen sitzen für die SPD im Kreistag. Strathoff ist aber auch Vorsitzende von „Wir für Unna“. Kroll ist in dem Bürgerverein zwar kein Mitglied, wohnte der jüngsten Versammlung allerdings als eingeladene Ortsvorsteherin der Unnaer Oberstadt bei. Diese Nähe zu einem politischen Mitbewerber halten manche Genossen für nicht akzeptabel.

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Etwaige Bestrebungen für ein Parteiausschlussverfahren werden jedoch noch unter der Decke gehalten. Margarethe Strathoff selbst bestätigt den Erhalt einer E-Mail an die Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion, die auf diesem Wege über das Ansinnen in Kenntnis gesetzt worden seien.

E-Mail: Kreistagsfraktion der SPD lässt Mitgliedschaft von Strathoff und Kroll prüfen

Demnach sei die Fraktionsspitze der SPD im Kreistag auch die treibende Kraft einer solchen Prüfung. Als Urheber der E-Mail nennt Strathoff den Fraktionsgeschäftsführer Wulf Erdmann.

Er wollte sich gegenüber unserer Redaktion nicht zu dem Sachverhalt äußern, da es sich um eine Parteiangelegenheit handele. Auch die Frage, ob die Kreistagsfraktion einen solchen Antrag gestellt habe, beantwortete er nicht. Beim zuständigen Unterbezirk der SPD gab man sich am Freitag etwas verwundert: Geschäftsführer Florian Westerwalbesloh bestätigte ebenfalls Kenntnis der E-Mail von der Fraktionsspitze an die -mitglieder; doch eine Bitte der Fraktion, eine solche Prüfung tatsächlich vorzunehmen, liege dem Unterbezirk noch gar nicht vor.

Auf lokaler Ebene stellte sich derweil Unnas SPD-Parteichef Sebastian Laaser dem Gespräch. Dass ein Parteiausschlussverfahren gegen Margarethe Strathoff und Ingrid Kroll formell gestartet sei, könne auch er noch nicht bestätigen. Allerdings halte er es für denkbar: „Wenn sie sich wirklich mit einem anderen Wählerbündnis zur Wahl stellen, wäre es meine Pflicht als Parteivorsitzender, auf unsere Statuten hinzuweisen. Und wer dort hineinschaut, wird feststellen, dass die Kandidatur für ein konkurrierendes Bündnis mit einer Mitgliedschaft in der SPD nicht zu vereinbaren ist.“

Strathoff und Kroll nicht die einzigen auf der Prüfliste?

Auch ohne Bestätigungen vom Unterbezirk ist damit klar ausgesprochen: Macht „Wir für Unna“ Ernst mit einer Kandidatenkür im Januar, droht den SPD-Mitgliedern auf einer solchen Liste der Verlust ihres bisherigen Parteibuches. Laaser weist darauf hin, dass dies keineswegs auf Margarethe Strathoff und Ingrid Kroll beschränkt bleiben müsse. Auch die inzwischen fraktionslose SPD-Ratsfrau Gudrun Friese-Kracht war Gast der Mitgliederversammlung bei „Wir für Unna“.

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