Unnas SPD widerspricht dem eigenen Rathaus: Vorrang für den Fahrradverkehr ist möglich

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Wenn es darum geht, den Radverkehr zu stärken, wird Unnas Stadtverwaltung oft Blockadehaltung vorgeworfen. Jetzt geht auch die verwaltungsnahe SPD auf Konfrontation. Grund: Die Platanenallee.

Unna

, 24.09.2019, 12:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Forderungen, die Platanenallee am Kreishaus in eine Fahrradstraße umzuwandeln, gibt es alle Jahre wieder. Zuletzt begegnete die Stadtverwaltung solchen Gedankenspielen mit widersprüchlichen Aussagen: Mal hieß es, die Bevorzugung des Radverkehrs sei durchaus möglich. Dann jedoch kam – wieder einmal – der Hinweis, dass es dafür nicht genügend Radfahrer auf der Platanenallee gebe.

In den vergangenen Jahren war dies immer ein Totschlagargument, das die Debatte zumindest zeitweilig beendete. Diesmal aber geht selbst die verwaltungsnahe SPD-Fraktion auf Konfrontation zum Rathaus: Ihr Vorsitzender Bernd Dreisbusch wertet die Rechtslage und die von der Verwaltung angeführten Daten einer Verkehrszählung anders.

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Punkt 1: Die Verwaltung bezieht sich darauf, dass der Radverkehr bereits die vorherrschende Verkehrsart sein müsse, damit eine normale in eine Fahrradstraße verwandelt werden kann. Dreisbusch aber weist auf einen Zusatz im Text der StVO hin: Demnach sei eine solche Widmung auch möglich, wenn das Übergewicht der Radler „alsbald“ zu erwarten ist. Dies hält Dreisbusch angesichts der Planungen für einen Radschnellweg Ruhr (RS1) für schlüssig, wäre die Platanenallee doch ein wichtiger Zubringer zwischen der Innenstadt und dem RS1-Anschlus am Königsborner Bahnhof.

Überdies ist zu erwarten, dass der Radverkehrsanteil allein durch die Widmung als Fahrradstraße steigt. Fahrradaffine Fahrtziele gibt es auf der Strecke durchaus schon heute – etwa die drei Berufskollegs des Kreises, den Kurpark mit Jugendkunstschule oder die Sportstätten.

Punkt 2: Die Verwaltung gibt den Radverkehrsanteil mit derzeit zwölf Prozent an, nutzt dabei – methodisch korrekt – einen Durchschnittswert. Dreisbusch aber verweist darauf, dass in Spitzenzeiten durchaus mehr Radfahrer als Autos auf der Platanenallee unterwegs sind, etwa vor Unterrichtsbeginn in den Berufskollegs.

Dreisbusch fordert beim Rathaus die Verkehrswende ein

Der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten erteilt der Stadtverwaltung in einer aktuellen Mitteilung eine regelrechte Belehrung in Sachen Radverkehrsförderung. „Wir stehen alle vor einer notwendigen Verkehrswende. Da gilt es proaktiv die richtigen Weichen zu stellen“, erklärt Dreisbusch.

Und er sagt: „Nur durch Maßnahmen, die die Situation des Radverkehrs deutlich verbessern, können wir mittel- bis langfristig die Menschen dazu bringen, mehr Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das hat letztendlich auch positive Auswirkungen auf die gesamte Lebensqualität in unserer Stadt – zum Beispiel durch die Verringerung von Lärm- und Schadstoffbelastung.“

Gründe, die gegen eine Platanenallee als Fahrradstraße sprechen, sehe die SPD-Fraktion hingegen nicht. Anlieger könnten die Platanenallee auch weiterhin mit ihrem Auto befahren.

Autos müssen nicht ausgeschlossen werden

Fahrradstraßen sind laut Gesetz zunächst dem Radverkehr vorbehalten. Für den motorisierten Verkehr dürfen sie durch Zusatzschilder freigegeben werden. Autos müssen sich dann aber dem Radverkehr unterordnen. Während Radfahrer auch nebeneinander fahren dürfen, müsste ein Autofahrer dann entsprechend langsam hinterher rollen. Die Höchstgeschwindigkeit auf einer Fahrradstraße beträgt selbst bei „freier Bahn“ 30 Stundenkilometer.

In Unna sind derzeit zwei Fahrradstraßen ausgewiesen: Teile der Königsborner Straße und der Döbelner Straße.

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