„Betreten verboten“: Hunde scheuchen Wild vor fahrende Autos

dzUngenutzte Grünfläche

Ein Hundehalter aus Königsborn hatte sich darüber beschwert, dass er nicht mehr auf einer Grünfläche an der Vaersthausener Straße Gassi gehen darf. Nun sind die Gründe für das Verbot bekannt.

Unna

, 07.01.2020, 15:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war das Anliegen des Unnaers Rainer Tolkemit, den Pächter der Grünfläche an der Vaersthauserner Straße in Königsborn ausfindig zu machen. Als Anwohner hatten Tolkemit und weitere Hundehalter über Jahre die Wiese im Wohngebiet als Freilauffläche für ihre Hunde genutzt – bis im Sommer plötzlich ein „Betreten-Verboten“-Schild aufgestellt worden war, mit dem Hinweis, dass es sich bei der Fläche um ein Privatgrundstück handele.

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Wie Recherchen unserer Redaktion nun ergeben haben, war dies eine Maßnahme, die der Jagdpächter des Reviers Unna-Nord, Reinhard Döring, eingeleitet hatte. Und dafür gibt es auch einen guten Grund, wie er sagt: „Die Fläche dient dem Naturschutz. Wildlebende Tiere wurden dort bis hin zu dramatischen Ausmaßen von freilaufenden Hunden aufgescheucht.“

„Betreten verboten“: Hunde scheuchen Wild vor fahrende Autos

Dieses Schild an der Vaersthausener Straße in Königsborn soll am Samstag wieder aufgestellt werden. © Marcel Drawe

Mehrfach Kollisionen mit Rehwild

Mit „dramatischen Ausmaßen“ meint Döring Wildunfälle, die sich ereignen, weil erschrecktes Wild auf befahrene Straßen läuft. Das sei in letzter Zeit zu oft passiert.„Allein in der Hammerstraße wurden im vergangenen Jahr acht Rehe überfahren, die dann qualvoll verendeten“, sagt Döring. Auch auf der Straße „In der Külve“ sei es mehrfach zu Kollisionen mit Rehwild gekommen. Das Aufstellen des „Betreten-Verboten“-Schildes an der Vaersthausener Straße sei also eine notwendige Maßnahme gewesen, um das Rehwild zu schützen.

„Allein in der Hammerstraße wurden im vergangenen Jahr acht Rehe überfahren, die dann qualvoll verendeten.“
Reinhard Döring, Jagdpächter des Reviers Unna-Nord

Aber nicht nur Rehe, sondern auch Hasen, Fasane und Bodenbrüter hätten an Grünflächen wie an der Vaersthausener Straße ihren natürlichen Lebensraum, in dem sie ungestört ihren Nachwuchs großziehen müssten. Hundehalter, die dort permanent mit ihren Tieren Gassi gehen, seien dem Jagdpächter deshalb ein Dorn im Auge: „Wenn man die Halter auf ihr Fehlverhalten anspricht, wird kaum reagiert. Zwar nehmen sie ihre Tiere oft kurz an die Leine, aber nach einigen Metern laufen sie wieder frei herum.“

Keine Böse Absicht der Hundehalter

Der Jäger wisse, dass dies nicht unbedingt eine böse Absicht der Hundehalter ist, dennoch sei er verpflichtet, das Wild zu schützen. Deshalb habe er mit dem eigentlichen Eigentümer der Fläche an der Vaersthausener Straße, einem Landwirt aus Bönen, auch einvernehmlich die Maßnahme getroffen, die „Betreten-Verboten-Schilder“ aufzustellen.

Aktuell seien diese aber wieder entfernt worden. Wer dafür verantwortlich ist, weiß Döring nicht. Hundehalter Rainer Tolkemit freut sich derweil: Er hat die Freifläche seit dem Fehlen des Schildes wieder genutzt: „Wir haben das Gelände quasi zurückerobert und feiern das als Sieg“, sagt er. „Ob das tatsächlich berechtigt ist oder nicht, wird sich noch zeigen.“

Schild soll erneut aufgestellt werden

Und das könnte schneller passieren, als ihm lieb ist: Laut Jagdpächter Döring wird das Schild am Samstag wieder aufgestellt: „Privateigentum ist Privateigentum. Und diese Fläche wurde nicht angelegt, damit Hunde darauf toben können“, sagt er.

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