Die Sparkasse Unna-Kamen hat bei ihren Kunden auch im vergangenen Jahr viel Geld eingesammelt. Für deren Aufbewahrung muss sie selbst Gebühren entrichten. Und einen Teil davon will sie nun weiterreichen. © Udo Hennes
Finanzen

Sparkasse Unna-Kamen führt für einen Teil der Kunden Negativzinsen ein

Die Sparkasse Unna-Kamen führt im Frühling Negativzinsen ein. Für Geld auf schnell verfügbaren Konten verlangt sie ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent. Zunächst ist nur ein Teil der Kunden betroffen.

Geld, das mit kurzfristiger Verfügbarkeit bei der Bank eingezahlt ist, müssen die Kreditinstitute selbst zum Teil bei der Zentralbank parken. Dort zahlen sie Gebühren, und inzwischen gehen immer mehr Kreditinstitute dazu über, diese Negativzinsen auf ihre Kunden umzulegen. In Unna hatte zuletzt die Volksbank in Erwägung gezogen, sehr ernsthaft über die Einführung von Verwahrentgelten zu beraten. Jetzt meldet sich die Sparkasse Unna-Kamen zu Wort. Und sie ist schon einen Schritt weiter.

Verwahrentgelte für Kundeneinlagen sind dort prinzipiell beschlossene Sache. Ab Ende März oder April werde man an die Betroffenen herantreten und Beratungsgespräche vereinbaren, kündigte die Sparkasse nun im Rahmen ihrer Bilanz-Pressekonferenz an. Denn: Es werde zunächst nur ein Teil der Kunden für diese Gebühren in Betracht gezogen, und auch ihnen wolle man Wege aufzeigen, noch einmal um sie herumzukommen.

Die Sparkasse setzt einen relativ hohen Freibetrag an: Bis zu 125.000 Euro können Einzelpersonen ohne zusätzliche Gebühren auf dem Girokonto liegen lassen, Paare sogar bis zu 250.000 Euro. Darüber hinaus aber will die Sparkasse ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent pro Jahr erheben und damit genau den Betrag umlegen, den sie selbst an die Zentralbank entrichten muss.

Kunden sollen Geld anlegen, nicht hinlegen

„Wir machen damit keinen Gewinn“, betont Vorstandsmitglied Jürgen Schneider. „Und es ist auch nicht unser Ziel, dass wir diese Entgelte einnehmen. Vielmehr geht es darum, unsere Kunden so zu beraten, dass sie mit uns eine vernünftige Anlagestrategie entwickeln.“

Denn: Zinserträge bringt Kapital auf dem Girokonto nicht; aber die Inflation zehrt den Wert des Geldes allmählich auf. Wer es nicht wirklich nötig hat, derlei Beträge jederzeit Verfügbar zu haben, sollte darüber nachdenken, ob er mit dem Geld nicht auch etwas Rentierliches anfangen kann.

Betroffen sind nur ein bis zwei Prozent der Kunden

Von den neuen Entgelten betroffen sein dürften etwa ein bis zwei Prozent der Sparkassen-Kunden. Allerdings halten allein diese Kunden etwa ein Sechstel der gesamten Einlagen, nämlich rund 250 Millionen Euro.

Die Sparkasse Unna-Kamen gehöre zu den Kreditinstituten, die eher spät mit solchen Entgelten an die Kunden herantritt, erklärt der Vorstandsvorsitzende Klaus Moßmeier. Inzwischen sei sie aber vom Markt dazu gezwungen: „Wenn sie als einer der letzten darauf verzichten, diese Entgelte an ihre Kunden weiterzureichen, werden sie plötzlich mit Kapital überhäuft“, sagt er. Aber es sei eben ein Kapital, deren Aufbewahrung der Sparkasse selbst Kosten bereitet.

2020 war ein erfolgreiches Jahr

Tatsächlich war die Summe der Kundeneinlagen bei der Sparkasse im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, ohne dass die genauen Gründe dafür erfasst worden wären. Das Volumen der Einlagen stieg um rund zehn Prozent auf nun rund 2,2 Milliarden Euro. Zugleich hat die Sparkasse auch mehr Geld verliehen: Die Summe der Kundenkredite stieg um vier Prozent oder 90 Millionen Euro auf jetzt 2,3 Milliarden Euro.

Um trotz auslaufender Kreditverträge auf diesen Saldo zukommen, musste die Sparkasse 434 Millionen Euro an neuen Krediten ausgeben. Dahinter stehen Investitionsvorhaben von Geschäftsleuten, Eigenheimfinanzierungen, aber auch 143 „Corona-Darlehen“, die die Sparkasse vergeben hat. 65 Millionen Euro gab die Bank dafür an ihre Kunden aus, davon 38 Millionen Euro aus eigenen Mitteln, also abseits der staatlichen Hilfsprogramme. Für 300 private und gewerbliche Konten gewährte die Sparkasse Kreditpausen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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