Sozialhilfe: Grundsicherung im Alter durchbricht in Unna Schallmauer von 1000 Empfängern

dzSoziales

Für Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung wird in Unna seit 2011 Jahr für Jahr mehr Geld ausgegeben: Im vergangenen Jahr durchbrach die Kreisstadt die Marke von Tausend Empfängern.

Unna

, 05.08.2019, 15:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bezug von Sozialleistungen ist in Unna seit vielen Jahren im Sinkflug. Die schon lange anhaltende Konjunktur ist daran wohl nicht ganz unschuldig. Der Gegentrend: Immer Menschen sind auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen. Altersarmut wird zum Thema.

Sozialhilfe erhielten 2018 in Unna 5482 Personen

In Unna erhielten 2018 noch 5482 Personen in irgendeiner Form Sozialhilfe, das war ein erneuter Rückgang um 4,2 Prozent. Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zur Einwohnerzahl Unnas ergibt sich eine Quote von 9,3 Prozent an Hilfebedürftigen – der Landesdurchschnitt liegt bei elf Prozent.

Einen erfreulichen Trend gibt es auch bei der Zahl der Kinder unter 18 Jahren, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Zwischen 2011 und 2016 lag die Quote hier immer mehr oder weniger deutlich über 15 Prozent, 2013 und 2014 sogar bei genau 17 Prozent.

Jetzt lesen

Nach den Angaben des Statistischen Landesamtes waren 2018 zwar immer noch 13,5 Prozent aller Kinder in Unna auf Sozialhilfe angewiesen, damit aber immerhin knapp zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Im Kreisgebiet liegt Unna mit diesem Wert am unteren Ende, traurige Spitzenwerte verzeichnen hier Bergkamen und Lünen mit 26,3 bzw. 25,4 Prozent.

Sozialhilfe: Grundsicherung im Alter durchbricht in Unna Schallmauer von 1000 Empfängern

Viele Rentenempfänger sind heutzutage zusätzlich auf Sozialhilfe angewiesen, weil ihre Altersbezüge zum Leben nicht reichen. In Unna wächst die Zahl der Bezieher von Grundsicherung im Alter beständig. © picture alliance / dpa

Je nach Erwerbsfähigkeit, Alter oder Herkunft gibt es unterschiedliche Empfänger von Sozialleistungen. Weil gerade die Zahl der Asylbewerber stark schwankt, werden die Trends beim Bezug von staatlicher Unterstützung erst deutlich, wenn die einzelnen Gruppen getrennt voneinander betrachtet werden:

  • Die Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld stellen auch in Unna die mit Abstand größte Gruppe dar. Arbeitslosengeld II, oder auch Hartz IV genannt, erhält, wer erwerbsfähig ist und seinen Lebensunterhalt nicht vollständig selbst bestreiten kann. Sozialgeld bezieht, wer nicht erwerbsfähig ist und mit einer erwerbsfähigen Person in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, die ALG II beanspruchen kann. In Unna ist dieser Personenkreis 2018 im Vergleich zum Vorjahr leicht von 4474 auf 4288 gesunken.
  • Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung soll den Lebensunterhalt von Personen sicherstellen, die hilfebedürftig sind. Man muss dauerhaft voll erwerbsgemindert sein oder das gesetzliche Rentenalter erreicht haben. Die Zahl der Empfänger steigt in Unna seit 2011 beständig an. Bei rund 800 Personen lag die Zahl 2011 und 2012, den größten Sprung gab es 2015, als sich die Zahl um fast Hundert auf damals 957 vergrößerte. 2018 ist die Zahl der Bezieher um erneut rund 20 auf jetzt 1008 gestiegen.
  • Eine weitere Form der Sozialhilfe ist die Hilfe zum Lebensunterhalt. Sie greift für einen kleinen Personenkreis, beispielsweise für befristet erwerbsgeminderte Personen, Kinder unter 15 Jahren oder Menschen in einem Alten-, Pflege oder Behindertenwohnheim. In Unna sind 2018 mit 106 Personen nur drei mehr als 2017 erfasst worden; allerdings nur solche außerhalb einer der genannten Einrichtungen.
  • Ebenfalls eine Form der Sozialhilfe beziehen Asylbewerber nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Diese Zahl schwankt in den vergangenen Jahren besonders stark. In Unna hat sie 2018 einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht: Gerade noch 80 Asylbewerber erhielten im vergangenen Jahr Sozialleistungen. Die Zahl hat sich im Vergleich zu 2017 (159) damit praktisch halbiert. Im Jahr 2013 gab es noch 255 Asylbewerber in Unna, die staatliche Unterstützung bekamen.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Digitalisierung
(K)ein großer Wurf: Warum Schulen für die Digitalisierung einen langen Atem brauchen