Wer schon lange arbeitslos ist, für den wird der Weg auf den Ersten Arbeitsmarkt immer schwieriger. Mit dem „sozialen Arbeitsmarkt“ gibt es jetzt eine neue Perspektive für 5600 Menschen im Kreis Unna.

Unna, Holzwickede, Fröndenberg, Kamen

, 16.08.2019, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der wirtschaftliche Aufschwung ging an ihnen nahezu vorbei: 5.600 Menschen im Kreis Unna sind über ein Jahr ohne Arbeit, rund die Hälfte länger als zwei Jahre. 170 „Langzeitarbeitslose“ bekommen jetzt auf dem „sozialen Arbeitsmarkt“ im Kreis Unna eine langfristige Perspektive. Um das zu ermöglichen, haben sich Kommunen, Kreisverwaltung und Jobcenter unter der Trägerschaft der Werkstatt im Kreis Unna zusammengetan und ein gemeinsames Beschäftigungsprogramm aufgelegt. Rund 16,5 Millionen Euro lassen es sich die Partner kosten, langzeitarbeitslosen Menschen für fünf Jahre eine Stelle anzubieten – zum Beispiel im Umweltschutz oder in der Stadtbildpflege.

Für Herbert Dörmann, Geschäftsführer der Werkstatt im Kreis Unna, kann dies nur der Anfang sein. „Gerade für diese Menschen ist Arbeit eben nicht nur Mittel zum Broterwerb, sondern soziale Einbindung, Teilhabe am kulturellen und politischen Leben und vor allem persönliche Anerkennung.“ Das zeigen aktuelle Beispiele wie das von Cornelia Lushaj, die über das Vorgängerprogramm „Soziale Teilhabe“ nun einen festen Job im Seniorentreff „Fässchen“ in Unna gefunden hat.

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Wer über den Sozialen Arbeitsmarkt eine Beschäftigung findet, hat vielfältige Einsatzgebiete: Helfen auf Friedhöfen, Wege in Parkanlagen pflastern, Bachläufe renaturieren oder Hausmeister in Schulen unterstützen – das sind nur einige der Aufgaben, die über den Sozialen Arbeitsmarkt vermittelt werden. Was für die jeweiligen Kommunen, in denen diese Arbeit von den Langzeitarbeitlosen erledigt wird, eine große Hilfe ist, bedeutet für diejenigen, die sie erledigen, noch viel mehr.

Denn ganz oft ist es mittlerweile nicht „nur“ die lange Arbeitslosigkeit, die diese Menschen belastet. „In den vergangenen zehn Jahren haben die psychischen Beeinträchtigungen von Menschen, die lange arbeitslos sind, deutlich zugenommen“, hat Herbert Dörmann beobachtet. So hatten allein weit über die Hälfte der rund 2.000 Menschen, die die Werkstatt während der vergangenen Jahre in ihren Förderzentren betreute, seelische Leiden.

Ob Folge der Arbeitslosigkeit oder Grund dafür – meist ist es beides, sagt Dörmann: „Und gerade ohne Job und Perspektive wachsen auch die Probleme“. Sprachschwierigkeiten, Drogen, Überschuldung: Bei vielen Menschen, die länger vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind, türmen sich die Probleme. Für Arbeitsvermittler sind das sogenannte „Vermittlungshemmnisse“, also Fakten, die eine Vermittlung in Arbeit erschweren. „Treten vier dieser Vermittlungshemmnisse zugleich auf, haben sie auf dem Ersten Arbeitsmarkt gar keine Chance mehr“, erklärt Dörmann.

Genau für diese Menschen „Arbeit statt Arbeitslosigkeit“ zu finanzieren, ist der Grundsatz des neuen „sozialen Arbeitsmarktes“, für den sich im Kreis Unna Wohlfahrtsverbände, Politik und Gemeindespitzen bis hin zum Landrat erfolgreich in Berlin und Düsseldorf stark gemacht hatten. Bis 2024 ist das „sozial-ökologische Beschäftigungsprogramm“ finanziert. Der Löwenanteil von 12 Millionen Euro stammt aus dem Bundesprogramm „Teilhabechancengesetz“, das über das Jobcenter umgesetzt wird.

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Die Kommunen steuern weitere Mittel in einer Größenordnung von 4,5 Millionen Euro bei. Die Arbeiten werden von Kommunen und Kreis gerade im Bereich sozialer und ökologischer Dienstleistungen bereitgestellt. Umgesetzt werden die Arbeiten durch die regionalen Bildungs- und Beschäftigungsunternehmen wie der Werkstatt im Kreis Unna. Die organisiert im Kreis allein über 170 Stellen.

Dass aus diesem Projekt der Sprung auf den Ersten Arbeitsmarkt gelingt, bleibe jedoch die Ausnahme, meint Herbert Dörmann. Die Anforderungen, die auf dem Ersten Arbeitsmarkt gestellt würden, seien zu hoch. Daher sei es an der Zeit, auch über eine langfristige Finanzierung des Sozialen Arbeitsmarktes nachzudenken, meint Dörmann: „Dieses Gefühl, dass Arbeit gibt, nämlich, dass man gebraucht wird und dazu gehört, darf nicht nach ein paar Jahren wieder enden, nur weil die Maßnahme aufhört.“

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