Minus zwei Grad: Ab Donnerstag sagen die Wetterdienste Frost für Unna voraus. Für die wohnungslose Frau, die am Westfriedhof unter einer Zeltplane lebt, bedeutet das Lebensgefahr.

Unna

, 11.12.2018 / Lesedauer: 3 min

„Es muss jetzt etwas passieren“ - Gabriele Meyer will nicht länger zusehen. Die Vorsitzende des Sozialausschusses macht sich große Sorgen um die Frau, die seit Monaten am Eingang des Westfriedhofes am Beethovenring lebt. Der angekündigte Temperatursturz in dieser Woche verschärft ihre Sorgen noch.

„Schon jetzt sind es nur noch wenige Grad über Null und solche Regengüsse wie am vergangenen Wochenende kann die Zeltplane, die die Frau hat, auch nicht unbeschadet überstehen“, sagt Meyer. Die CDU-Ratsfrau hat bereits mehrfach mit der obdachlosen Frau gesprochen und ist überzeugt: „Sie ist nicht psychisch krank, es gibt keinen Grund sie einzuweisen. Sie hat ganz einfach offenbar Angst vor Menschen.“

Landesgesetz regelt die mögliche Unterbringung in Therapie-Einrichtungen

Wieso die obdachlose Frau nicht „einfach untergebracht“ werden kann

  • Theoretisch könnte jemand, der psychisch erkrankt ist, sich in einer Notsituation befindet, dies aber nicht selbst erkennt, in einer Therapie-Einrichtung untergebracht werden.
  • Diese Maßnahme unterliegt jedoch hohen rechtlichen Auflagen und wurde immer wieder novelliert. Dabei steht die Selbstbestimmung des Betroffenen ebenso im Fokus wie die kleinstmögliche Einschränkung der Freiheit.
  • In Nordrhein-Westfalen regelt das „Gesetzt über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten“, kur „PsychKG“, dieses Vorgehen.

Hilfsangebote durch Passanten, das Ordnungsamt, die Friedhofsverwaltung oder Träger sozialer Angebote lehnte die Frau bisher immer ab. Ganz offensichtlich möchte sie keine der offiziellen Übernachtungsstellen für Wohnungslose aufsuchen. Gabriele Meyer hat nach den Gesprächen mit der Frau den Eindruck, dass ihr „etwas Furchtbares“ passiert sein müsse, weil sie Kontakt zu Menschen scheue und Angst vor ihnen habe.

Passanten bringen Lebensmittel und Decken

Offenbar sorgen sich immer mehr Bürger um die Frau, wie Leserbriefe und spontane Hilfsangebote zeigen. Kaffee, warmes Wasser oder auch Decken und Planen stellen einzelne Passanten der Frau an ihr aus Zeltplanen gebasteltes Quartier am Westfriedhofseingang. Auch Lebensmittel bekommt sie von Bürgern gebracht.

Im an den Westfriedhof grenzenden Katharinen-Hospital ist die Frau ebenfalls ein bekanntes Gesicht. „Sie kommt öfter hier vorbei und nutzt die Toiletten oder bekommt einen Kaffee“, sagt Krankenhaussprecherin Karin Riedel.

„Diese Frau braucht ein Stück Heimat“
Gabriele Meyer

„Ich werde jetzt versuchen, die Möglichkeit einer Einzelunterbringung für sie zu finden“, kündigt Gabriele Meyer an. Sie denkt dabei an ein Einzelzimmer, das nicht - wie in vielen Übernachtungsstellen üblich - am Morgen wieder verlassen werden müsse. „Diese Frau ist kein Regelfall, da muss man auch abseits der Regularien gucken, was möglich ist“, sagt die Sozialausschussvorsitzende. „Diese Frau braucht ein Stück Heimat.“

Jetzt lesen

Meyer hat dazu bereits Kontakt zum Vorsitzenden des Caritas-Kreisverbandes Unna, Ralf Plogmann, aufgenommen und ist optimistisch, dass sich die Situation in dieser Woche lösen wird: „Sowohl der Caritas als auch dem Frauenforum ist die Frau bekannt; offenbar wurde ihr auch bereits schon mal ein Platz in der Übernachtungsstelle des Frauenforums angeboten, den sie aber abgelehnt hat“, so Meyer.

Doch Meyer will nun einen erneuten Versuch wagen, der Frau diese Übernachtungsmöglichkeit anzubieten, denn es handelt sich dabei um ein Einzelzimmer - ein Angebot, das angesichts der Angst der Frau vor anderen Menschen ideal scheint. Noch am Dienstagnachmittag suchte Gabriele Meyer die Frau erneut auf und bot ihr das Einzelzimmer an. „Sie war aber offenbar nicht gut drauf und hat es sofort wieder abgelehnt“, sagt Meyer, „ich bleibe da jetzt dran und werde alle paar Tage zu ihr gehen und das Angebot erneuern.“

Denn die Sozialauasschussvorsitzende ist überzeugt: „Es machen sich doch viele Menschen Sorgen um sie. Und wenn wir nun die Chance haben, vor Weihnachten diese Situation glücklich zu beenden, dann sind wir doch alle im Herzen froh.“

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Ehrenamtliches Engagement

Junge Unnaer planen ein Fest für Obdachlose

Obdachlose haben wenig Grund zu Feiern. Sie leben selten in, eher am Rande der Gesellschaft. Drei junge Menschen aus Unna wollen das ändern. Von Dirk Becker

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger 28. Green Open

Was für Skifahrer die Buckelpiste, ist für Boulespieler die Kastanienallee im Kurpark

Meistgelesen