Mit Umfrage: Sorge um den alten Baum am Unnaer Beethovenring

dzNach Großeinsatz

Die alte Blutbuche am Beethovenring ist stark zurückgeschnitten und mit einem Seil gesichert. Erst einmal ist die Gefahr gebannt. Ob der Baum noch gefällt werden muss, steht noch nicht fest.

Unna

, 18.12.2018, 10:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um 22.34 Uhr am späten Montagabend hat die Polizei den Verkehrsring und seine Zufahrten wieder für den Verkehr freigegeben. Der spektakuläre Baumeinsatz auf der Kreuzung gegenüber der Polizeiwache war erst einmal beendet.

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„Eigentlich hatten wir nicht vor, den Ring zu sperren“, erklärte Peter Driesch, Sachgebietsleiter im Umweltamt des Kreises Unna, am Dienstag. Der Kreis hat die Verantwortung für den Baum, weil dieser ein Naturdenkmal ist. Es handle sich um einen sehr schönen Baum, so Driesch, aber auch um einen an einer exponierten und gefährlichen Stelle.

„Wir hatten nicht vor, den Ring zu sperren.“
Peter Driesch, Kreis Unna

In Naturdenkmäler wie dieses werde viel Aufwand und Geld gesteckt, vor allem in jährliche Kontrollen und daraus resultierende Maßnahmen. Zuletzt hatte ein Gutachter die Blutbuche am Ring mit einer Art Ultraschall untersucht. Ergebnis war die Prognose, dass es innerhalb von fünf Jahren keine Probleme hinsichtlich der Standsicherheit geben werde, so Driesch. Für problematisch aber befand der Baumexperte die spitzwinkligen Abzweigungen der Krone. Die Zwischenräume seien besonders anfällig für eindringende Schädlinge wie Pilze. So empfahl der Gutachter, das Volumen der Krone um rund ein Fünftel zu verringern.

Mit Umfrage: Sorge um den alten Baum am Unnaer Beethovenring

Die Buche hat an der Seite zur Kreuzung einen Großteil ihrer Krone eingebüßt. © Marcel Drawe

So geschah es am Montag, zunächst ganz in Ruhe nach Plan. Eine Baumschnittfirma entfernte Äste. Diese Arbeiten könnten normalerweise vom Grundstück aus erfolgen, auf dem der Baum steht, sagt Driesch. Abgesägte Teile würden in solchen Fällen sicher abgeseilt, der Verkehr nicht beeinträchtigt oder gar gefährdet. Dann passierte es. An dem Starkast, der auf die Kreuzung ragt, bildete sich ein Riss. Denkbar sei, so Driesch, dass die Arbeiter im Rahmen der Sägevorgänge Gurte manipulierten, mit denen die Krone schon bei vorherigen Maßnahmen gesichert worden war. Womöglich lastete deswegen plötzlich zu viel Gewicht auf dem Ast – und er gab nach. Und dann musste alles schnell gehen. Es herrschte Gefahr im Verzug. Die Baumfirma verständigte den Kreis Unna, die Polizei ließ die Ringkreuzung sperren, sodass im Rahmen einer aufwendigen Aktion große Teile der Krone entfernt werden konnten. Die Folgen spürten vor allem Autofahrer, die wegen Straßensperrungen teils über Stunden im Stau in ihren Wagen gefangen waren.

Mit Umfrage: Sorge um den alten Baum am Unnaer Beethovenring

Oberhalb des Risses in der Astgabel ist der Gurt zu sehen, der den bruchgefährdeten Teil des Baums hält. © Raulf

Nun steht die Frage im Raum, was mit dem Baum passiert. Er ist stark zurückgeschnitten. Der Risiko-Ast wurde mit einem Gurt gesichert. So soll der Baum zunächst bleiben. Er soll in Kürze untersucht werden, voraussichtlich Anfang Januar, sagt Driesch. Ein Großteil der Baumkrone fehlt, und das hat Auswirkungen auf die Statik: „Die Krone zieht jetzt zur anderen Seite“, sagt Driesch. Tendenziell müsse man über eine Fällung nachdenken.

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