Sonnenblumen schaffen Raum für die Jagd auf Wildschweine

dzBlühstreifen

Sie sind nicht nur ein Hingucker in der Agrarlandschaft, sondern haben in diesem Jahr viel mediale Aufmerksamkeit bekommen: Blühstreifen. Doch nicht alle Blumen dienen vorrangig Insekten.

Unna

, 04.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit kaum einem Thema haben Landwirte auch im Kreis Unna in diesem Jahr so viel Aufmerksamkeit erregt wie mit Blühstreifen. Das Engagement für Wildbienen und Insekten, die erfrischenden Farben an den Feldrändern – das kommt bei den Menschen an.

Den Landwirten dürften die vielen positiven Rückmeldungen gut getan haben, denn ihr Image leidet. Mal fahren sie zu viel Gülle, mal tragen sie Schuld am Rückgang von Tierarten, die in Agrarlandschaften leben – viele Menschen finden immer wieder Ansatzpunkte für Kritik.

„Landwirte haben oft das Gefühl, dass sie nach außen alles falsch machen – egal, was es ist.“
Bernhard Rüb, Landwirtschaftskammer NRW

„Landwirte haben oft das Gefühl, dass sie nach außen alles falsch machen – egal, was es ist“, sagt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW. Rüb ist nah dran an den Bauern, kennt Hintergründe und weiß, dass die Kritik oft unberechtigt ist.

Die Blühstreifen waren nun so etwas wie die Politur für das Image der Landwirte. Dabei geht es denen allerdings nicht nur um ihr Ansehen. Es gibt verschiedene Gründe, warum sie Blühflächen anlegen. Bernhard Rüb weiß: „Nur in einem geringen Anteil geht es dabei um Fördermittel.“

Blühstreifen

Daten und Fakten

Laut Landwirtschaftskammer NRW gibt es im Kreis Unna 45 Hektar Blühfläche. Die durchschnittliche Breite dieser Blühstreifen beträgt drei Meter. Es gibt verschiedene Gründe, warum Landwirte solche Blühstreifen einsäen.
  • Zum Teil handelt es sich um eine freiwillige Maßnahme der Landwirte.
  • Um die EU-Prämien zu bekommen, müssen Landwirte ökologische Vorrangflächen ausweisen. Auch das können Blühstreifen sein.
  • Im Kreis Unna dient ein Großteil der Blühstreifen dazu, Schneisen für die Jagd auf Wildschweine zu schaffen, sogenannte Bejagungsschneisen. Die EU will mit einer Förderung solcher Maßnahmen erreichen, dass die Schweinepest eingedämmt wird und sich nicht ausbreitet.
  • Blühflächen, für die Landwirte eine gesonderte Förderung erhalten, müssen ganzjährig als solche genutzt werden und dürfen auch nicht gedüngt werden.

Zwar stelle beispielsweise die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft den Landwirten kostenloses Saatgut zur Verfügung, doch es geht auch um die Einhaltung von Pflichten gegenüber der Europäischen Union. Wildbienen und andere Insekten profitieren zusätzlich.

Auffällig: In vielen Fällen sind es Sonnenblumen, die gepflanzt wurden. Das sind nicht die Wildblumen, auf die Insekten spezialisiert sind, sondern Kulturpflanzen. Dass Landwirte sich aber genau dafür entscheiden, hat einen guten Grund: Wenn sie in Maisfeldern stehen, bilden sie sogenannte Bejagungsschneisen.

Sonnenblumen schaffen Raum für die Jagd auf Wildschweine

Mais steht auf dem Speiseplan von Wildschweinen. © picture alliance / dpa

Rüb weiß: „Wildschweine mögen Mais, sind in den Feldern aber nicht zu sehen. Wenn die Sonnenblumen noch vor der Maisernte geschnitten werden, entstehen Lücken zwischen den einzelnen Maisflächen. Laufen die Wildschweine während einer Jagd von einem Teil in den anderen, sind sie ein leichtes Ziel für die Jäger.“

Sonnenblumen schaffen Raum für die Jagd auf Wildschweine

Jäger nutzen die Bejagungsschneisen, um ein freies Schussfeld auf Wildschweine zu bekommen. © picture alliance/dpa

Warum aber müssen Wildschweine auch mit solchen Strategien gejagt werden? Rüb verweist auf die Afrikanische Schweinepest. Diese soll sich nicht weiter ausbreiten, sondern im Idealfall eingedämmt werden. „Wildschweine haben hier keine Feinde. Und in guten Jahren vermehren sie sich stark“, weiß Rüb. Das Schwarzwild muss also zur Strecke gebracht werden – letztlich auch zum Schutz von Hausschweinen und Menschen.

Sonnenblumen schaffen Raum für die Jagd auf Wildschweine

Der Wolf dürfte den Wildschweinen nicht gefährlich werden, falls er den Kreis Unna erreicht. © picture alliance/dpa

Wer darauf setzt, dass der Wolf Wildschweine jagen könnte, dürfte aufs falsche Pferd setzen. „Der Wolf würde sich mit einem ausgewachsenen Wildschwein kaum anlegen und höchstens mal einen Frischling erbeuten“, sagt Rüb. Zudem: Selbst wenn der Wolf den Kreis Unna erreicht, dürfte er das kaum in einer Vielzahl tun, die Einfluss auf die Wildschwein-Population hat.

Sonnenblumen schaffen Raum für die Jagd auf Wildschweine

Sonnenblumen nutzen Insekten und Vögeln. Landwirte pflanzen sie aber auch, um Bejagungsschneisen zu schaffen. © picture alliance/dpa

Unsere Redaktion erreichte zuletzt auch ein Ruf mit der Forderung, gerade die Sonnenblumen sollten länger stehen bleiben. „Viele blühen jetzt doch erst richtig. Ihr Nektar bleibt ungenutzt und die Vögel können die Kerne der Pflanze nicht fressen“, befand der Naturfreund. Mit der frühen Mahd verband er die Befürchtung, diese könne vor allem dazu dienen, Gülle-Fahrten vorzubereiten. Dazu sagt Bernhard Rüb: „Für das Düngen gelten strenge Regeln. Es dürfte in diesem Jahr kaum noch Gülle gefahren werden.“

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