Die Zukunft der Öko-Energie in Unna beginnt holprig. In Mühlhausen werden zwei Photovoltaikanlagen in Konkurrenz zueinander geplant. Nur eine kann gebaut werden.

Unna

, 15.07.2019, 10:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Unna werden die ersten Photovoltaikanlagen auf Freiflächen geplant. Unglücklich treffen zwei Projekte in Mühlhausen aufeinander. Nur eines kann aufgrund enger rechtlicher Rahmenbedindungen umgesetzt werden. Auch Bürgerversammlungen dazu brachten keine Vorentscheidung für eine der beiden Anlagen.

Die Landwirtin Katrin Westermann will eine Freiflächen-Photovoltaikanlage auf ihrem Feld zwischen Bahn und B1 errichten, das Projekt „Mühlhausen Nord“. Das gleiche hat die Solarstromfirma Entegro auf einem Feld zwischen Indupark und A44 vor: das Projekt „Mühlhausen Süd“. Die Projekte zeigen Unterschiede in Details, bisher nicht groß genug, um dem einen oder dem anderen Vorhaben viele Gegner beziehungsweise Befürworter einzubringen.

Sichtbarkeit als Vor- und Nachteil

So liegt die Nord-Fläche von Westermann offen in der Landschaft. Die Landwirtin sieht das als Vorteil. Sie möchte, dass die Menschen sehen, woher der Strom kommt, auch all jene, die sich finanziell an dem Vorhaben beteiligen. Bürger können hier ebenso einsteigen wie beim Projekt Süd, da dieses nach Fertigstellung an die Unnaer Energiegenossenschaft übergehen soll. Nicht jeder möchte die Solarpaneele sehen, wo bisher ein Feld mit wechselnden Pflanzen liegt. Westermann will deswegen den Zaun um ihren Solarpark begrünen.

Mühlhausener Solarstromprojekte im Wettbewerb - Unterschiede nur in Details

Katrin Westermann würde auf ihrer Photovoltaikfläche auch Hühner halten und Blühpflanzen für Bienen anpflanzen. © Raulf

Ökologische Pluspunkte

Sie will auf der Fläche nicht nur Strom erzeugen, sondern auch Hühner halten und Blühpflanzen für Insekten anlegen. Ökologisch mag das Projekt Nord gegenüber dem Mitbewerber im Süden ein Stück vorne liegen. Die Nord-Fläche liegt außerhalb des Vogelschutzgebiets Hellwegbörde. Die Süd-Fläche würde für niemanden den Blick in die Landschaft zerstören, liegt dafür aber innerhalb der Schutzgebietsgrenze. Beide Projekte wurden durch denselben Biologen begutachtet, und dieser stellte für die Süd-Fläche einen Konflikt mit dem Vogelschutz fest.

Der Acker werde möglicherweise von der Rohrweihe zur Nahrungssuche genutzt. Das Offenland, das mit Photovoltaik zugebaut würde, müsste als Ausgleich im Verhältnis 1:1 an anderer Stelle hergestellt werden. Ein Ausschlusskriterium freilich ist auch das nicht.

Beide Flächen gelten bisher als relativ unproblematisch, vor allem, weil kein Grünland komplett versiegelt wird. Die Solarpaneele - Nord wie Süd - werden auf Ständern befestigt, die nur in den Boden gerammt werden. Würde die Anlage irgendwann einmal außer Betrieb genommen, bliebe eine Wiese zurück, keine Brache.

Mühlhausener Solarstromprojekte im Wettbewerb - Unterschiede nur in Details

Dieter Röttger (v. r.) will mit seiner Firma Entegro auf einem Feld von Landwirt Hendrik Masling eine Photovoltaikanlage bauen. Sie würde dann an die Energiegenossenschaft übergehen, deren Geschäftsführer Dr. Michael Rumphorst ist. Das Bild zeigt zudem den CDU-Ratsherrn Werner Clodt. © Borys Sarad

Politik entscheidet nicht

Beide Vorhabenträger hoffen auf eine politische Entscheidung im Lauf des weiteren Prozesses. Bisher hatte die Politik dazu nicht den Mut: Der Stadtentwicklungsausschuss hatte zuletzt entschieden, keines der beiden Projekte zu bevorzugen, was viele Beobachter als unglücklich bewerten. Für beide Anlagen müssen Bebauungspläne aufgestellt werden, und die dafür nötigen Planungen und Begutachtungen kosten Zeit und Geld. Dadurch könnten sogar beide Projekte letztlich unwirtschaftlich werden, weil die Einspeisevergütung peu à peu abgesenkt wird.

Die Stadtverwaltung ist aktuell bemüht, beide Projekte gemäß dem politischen Wunsch gleichberechtigt zu behandeln. Die Bürgerversammlungen wurden im Abstand von zwei Tagen, also praktisch zeitgleich abgehalten. Während der Diskussionen wurden Bewertungen der jeweiligen Projekte vermieden. Nun werden Träger öffentlicher Belange an den Planungen beteiligt, also beispielsweise weitere Behörden und Naturschutzverbände.

Ob dabei KO-Kriterien für eines der beiden Projekte zutage treten, bleibt abzuwarten. Ist das nicht der Fall und zieht keiner der Vorhabenträger sich im Lauf des Verfahrens zurück, dann hat die Politik im Stadtrat noch einmal die Gelegenheit, eine Entscheidung zu treffen. Der Rat müsste einen Bebauungsplan letztlich abnicken - oder eben nicht.

Denkbar wäre, dass beide Solarparks zeitgleich Planungsrecht bekommen, also gebaut werden dürften. Sie liegen weniger als zwei Kilometer voneinander entfernt. Deswegen sieht das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) bisher vor, dass nur eine Anlage finanziell gefördert wird. Es wäre die Anlage, die als erste in Betrieb geht.

Fragen und Vorschläge der SPD

Die SPD Mühlhausen-Uelzen hat sich mit den Projekten beschäftigt. In einer Pressemitteilung geben die Genossen keinem den Vorrang, sie wollen aber noch verschiedene Dinge geprüft haben: Für die Süd-Fläche bereitet ein Wald Sorgen. Er könnte die Anlagen beschatten. „Wie sieht die Lösung dazu aus?“, fragt der SPD-Ortsverein. Außerdem wollen die Genossen wissen, auf welcher Fläche der Ausgleich für den Vogelschutz geschaffen würde.

Für das Nord-Projekt will die SPD ausschließen, dass die Einspeisung aus der Anlage Auswirkungen auf andere private Photovoltaikanlagen im Dorf hat. Außerdem fragt sie nach möglichen Schallschutzproblemen für Anwohner. Und sie regt an, die Anlage auf Westermanns Feld anders aufzuteilen, „um die Beeinträchtigung des Landschaftsbilds zu vermindern“.

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