Mit dem Kunstraum und einem Gastspiel im ehemaligen Tanzlokal „Remember“ stellt sich der Kunstverein „Die kUNstforderer“ beim „KunstOrt Unna“ vor. Dabei treffen viele kreative Impulse aufeinander.

von Sebastian Pähler

Unna

, 22.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Der „Kunstraum Unna“ ist ein Kunstort, an dem viel Kunst nicht nur zu sehen ist, sondern auch passiert. Denn er ist zweierlei: „Zum einen ist er der Sitz und Treffpunkt der Kunstforderer“, erläuterte Ilona Hetmann, „Zum anderen ist er aber auch Atelier und Galerie“, so die Vorsitzende des Künstlervereins „kUNstforderer“.

So viel kreative Energie erwartet die Besucher beim „KunstOrt Unna“

Noch ist nicht viel zu sehen, doch langsam füllt sich das einstige Tanzlokal „Remember“ wieder mit Leben und Kunst. Und sie „sind schuld“: Gertrud Barthel, Thomas Karczewski, Gianni Angiolillo, Gabi Kleipsties und Yanick Leniger (von links)

Die „kUNstforderer“

Der Verein „kUNstforderer“ ist seit 1996 ein Zusammenschluss aus Künstlerinnen, Künstlern und Förderern, der sich für die bildende Kunst in der Region einsetzt. Dabei sind internationaler Austausch, die Förderung von Kindern und Jugendlichen, Mitwirkung im kulturpolitischen Prozessen und das Organisieren von Ausstellungen Schwerpunkte des Vereins, dem über 40 Mitglieder angehören.

Der Kunstraum

Obwohl die Räume an der Schäferstraße erst im Juli 2018 bezogen wurden, geht die Geschichte des Kunstraums viel weiter zurück.

2001 stieß Ilona Hetmann auf eine verlassene Kneipe in der Lönsstraße und beschloss, diese mit Kunst zu beleben. So entstand die „Kunstkneipe“ als Operationsbasis des Vereins. Sie sollte ein echter Ort für Kunst seien, aber zugleich ihren Charme als Kneipe behalten. 2015 standen die Räume nicht mehr zur Verfügung und der Verein zog um in die Hertingerstraße, wo die Kneipe zum Kunstraum wurde.

Nach einem weiteren Umzug ist der neue Kunstraum an der Schäferstraße seinem Konzept treu geblieben. Neben Ausstellungen finden hier Workshops und Kurse statt - häufig mit Kindern und Jugendlichen. Der Kunstraum ist auch Ort für Begegnungen zwischen Künstlern und Kunstinteressierten und die regelmäßigen Treffen des Vereins.

Das ehemalige Brillengeschäft wirkt noch ganz neu und doch atmet es Kunst. Die Bilder und Skulpturen der Kunstforderer sind eine stete Inspiration für jeden kreativen Menschen. Die mit Farbspritzern bespränkelten Arbeitsplätze lassen erahnen, das hier kreativ gearbeitet wird.

Viele unterschiedliche Charaktere

Bei einem so großen Künstlerkollektiv kommen viel Kreativität und sehr unterschiedliche Charaktere zusammen. Den Kontrast der Vielfalt und der Einheit als Verein greifen die Kunstforderer für „KunstOrtUnna“ mit einer besonderen Ausstellung auf. Unter dem Titel „30 X 1,50“ hat jeder Künstler sechs Leinwände in eben diesem Format bekommen. Also 30 Zentimeter breit und anderthalb Meter hoch.

Wie diese Leinwände ausgestaltet werden, bleibt jedem selbst überlassen. Jeweils fünf der Bilder werden im Kunstraum ausgestellt, je eines im Rahmen der Gesamtausstellung in der Stadthalle.

Remember „Remember“!

In direkter Nachbarschaft zum neuen Kunstraum liegt das seit gut 20 Jahren geschlossene Tanzlokal „Remember“, das für ein Wochenende mit Kunst wiederbelebt werden soll. „Viele wissen ja gar nicht mehr, wie das dort mal war“, stellte Künstler Gianni Angiolillo fest. „Musik, Malerei, Multimedia, Bier und Wurst“, sollen das Flair des alten Tanzschuppens heraufbeschwören und bieten so einen sehr ungewöhnlichen „KunstOrt“.

Die 30 X 1,50 Künstler

Ilona Hetmann ist die Vorsitzende der Kunstforderer und beschäftigt sich seit 1999 ausschließlich mit Kunst. Bei ihrer abstrakten Malerei entsteht das Bild im Prozess. „Beim Malen erzählt das Bild immer eine Geschichte, immer“, so Hetmann.

So viel kreative Energie erwartet die Besucher beim „KunstOrt Unna“

Beim Malen entstehen Geschichten, berichtet Ilona Hetmann. © Sebastian Pähler

Angelika Naujoks studierte Kunst in Dortmund. Sie war Lehrerin, bevor sie sich ganz der kreativen Arbeit widmete. Sie arbeitet am liebsten mit Acryl und Leinwand und Menschen sind ihr bevorzugtes Motiv. Für 30 X 1,50 hat sie sich jedoch das Thema Zeit und Raum vorgenommen.

So viel kreative Energie erwartet die Besucher beim „KunstOrt Unna“

Raum und Zeit ist das Thema, dem sich Angelika Naujoks für den „KunstOrt Unna“ annimmt. © Sebastian Pähler

Hans Wegener ist ausgebildeter Zeichner, doch davon ist seine aktuelle Kunst weit entfernt. Übriggebliebenes und Gefundenes verwandelt sich in faszinierende Objekte, die oft mit der Dreidimensionalität spielen. In der neuen Ausstellung werden Seile eine Rolle spielen.

So viel kreative Energie erwartet die Besucher beim „KunstOrt Unna“

Alltägliches und Ungewöhnliches verwandelt Hans Wegener in Kunst. © Sebastian Pähler

Gaby Pogadl liebt abstrakte Landschaften in Acryl. Diesem Motiv bleibt sie auch für 30 X 1,50 treu, auch wenn das Hochformat für eine Landschaft eine Herausforderung darstellt. Während des Kulturhauptstadtjahres ist die ehemalige Beamtin zufällig zur Kunst gekommen und seither dabeigeblieben.

So viel kreative Energie erwartet die Besucher beim „KunstOrt Unna“

Auch im ungewöhnlichen Hochformat wirken Gaby Pogadls abstrakte Landschaften. © Sebastian Pähler

Sigrid Müller ist Autodidaktin und malt mit Öl, Acryl und experimentiert auch mit Collagen. Bei ihr müssen es auch nicht immer Leinwände sein, so ist sie bekannt für ihre Bilder auf Kaffeesäcken. Passend zum Projekt „KunstOrt“ setzt sie sich mit der Frage auseinander, „Was ist Kunst“?

So viel kreative Energie erwartet die Besucher beim „KunstOrt Unna“

Sigrid Müller widmet sich der Frage: "Was ist Kunst"? © Sebastian Pähler

Die „Remember“-Künstler

Gianni Angiolillo arbeitet mit verschiedenen Medien. In seinem Werk beschäftigt er sich mit Konzepten von Zeit, Chaos und Vandalismus. Damit regt er zum Nachdenken an und hinterfragt die Realität. Daher bleibt es eine Überraschung, was er im „Remember“ zeigen wird.

Thomas Karczewski ist seit 2005 Kommunikations- und Mediendesigner und Futograf. Der geborene Unnaer wird mit einer Medieninstallation im „Remember“ vertreten sein.

Yanick Leniger ist erst seit diesem Jahr bei Kunstforderern. 2003 fing er als Graffiti-Künstler an. 2010 kam die Acrylmalerei dazu. Mittlerweile verbindet er beide Medien und kombiniert sie mit strukturgebenden Mitteln wie Sand oder Papier.

Gabi Kleipsties ist Diplom Objekt-Designerin und seit 1993 als Künstlerin selbstständig. Ihr Wissen gibt sie auch an den Nachwuchs weiter, etwa an der Jugendkunstschule in Unna oder der Malschule in Schwerte. Für ihre abstrakten Gemälde bevorzugt sie Ölfarben.

Gertrud Barthel hat einen Abschluss der Kunstakademie in Krakau. In ihrem Werk widmet sie sich dem Menschen und menschlichem Leid. Portraits und Akte gehören zu ihren Motiven, sie beschäftigt sich aber auch mit dem Holocaust und politischen Themen.

Serie

Zu Besuch am Kunstort Unna

Im Rahmen der Aktion „Kunstort Unna“ zeigen Künstler, Ateliers und andere Einrichtungen in Unna vom 13. bis 15. September 2019 die unterschiedlichsten Orte, an denen Kunst entsteht und erlebbar ist. Im Vorfeld schaut sich unsere Redaktion nacheinander diese 27 Kunstorte an, um darüber zu berichten.
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