Emil Bennemann war von 1924 bis 1935 Gemeindevertreter in Massen, Amtsältester des Amtes Unna-Kamen und seit 1952 stellvertretender Bürgermeister. Zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 1962 wurde er zum einzigen Ehrenbürger der Gemeinde Massen ernannt; gleichzeitig erhielt er auch das Bundesverdienstkreuz. Die nach ihm benannte Straße befindet sich - natürlich - in Massen. © Marcel Drawe
Kultur

So kommen Straßen in Unna zu ihren Namen

Keine fünf Prozent der Straßen in Unna tragen Frauennamen. Die Männer sind deutlich besser vertreten. Doch bis in Unna Straßen nach lokalen Persönlichkeiten benannt werden, dauert es oft lange.

Wer das Leben in einer Stadt geprägt hat, verdient es, dass sein Name nicht vergessen wird. Die Benennung einer Straße nach einem Mann oder einer Frau, die für Unna Wichtiges geleistet haben, ist eine ziemlich sichere Variante, den Namen im Gedächtnis zu halten. Doch ganz einfach ist das nicht immer.

Wie sehr sich die Suche nach einer Form des Gedenkens in Unna in die Länge ziehen kann, hatte sich zuletzt etwa am Beispiel Michael Hoffmanns gezeigt. Seit Jahren gibt es immer wieder Vorschläge, den 2014 verstorbenen SPD-Fraktionsvorsitzenden mit einer Namensnennung im öffentlichen Raum zu würdigen. Den Vorschlag, den Lindenplatz am ZIB zu Ehren des einst auch kulturpolitisch aktiven Sozialdemokraten umzubenennen, hatte der Rat der Stadt mit der Begründung zurückgestellt, so eine Frage nicht in zu großer zeitlicher Nähe mit Hoffmanns Tod klären zu wollen.

Arbeitskreis soll Würdigungen allgemein klären

Zuletzt hatte der Verein „Wir für Unna“ im Herbst 2019 vorgeschlagen, am Sitzrondell neben dem Alten Markt wieder einen Baum zu pflanzen und ihn zum „Michael-Hoffmann-Baum“ zu erklären. Auch diese Pläne liegen bisher auf Eis; stattdessen hatte sich auf Anregung der CDU-Fraktion im September 2019 ein Arbeitskreis gegründet, der sich mit möglichen Formen der Würdigung von verdienten Persönlichkeiten aus Unna befasst.

Josef Ströthoff war Unnas erster ehrenamtlicher Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg und ist einer der vier Ehrenbürger der Stadt. Nach ihm ist eine Straße in der Innenstadt benannt.
Josef Ströthoff war Unnas erster ehrenamtlicher Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg und ist einer der vier Ehrenbürger der Stadt. Nach ihm ist eine Straße in der Innenstadt benannt. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Unter den insgesamt 97 Männern, die in Unna Straßen ihren Namen geben, sind naturgemäß vor allem überregional bekannte Persönlichkeiten: Alfred Nobel, Albert Einstein und Max Planck geben den Wegen im Indupark Unna ihre Namen und mit der Uhland-, Lessing- und Klopstockstraße werden bekannte Literaten und Poeten gewürdigt.

Zwei von vier Ehrenbürgern werden mit Namensgebung gewürdigt

Ein Alleinstellungsmerkmal dagegen haben dürften die Josef-Ströthoff- und die Emil-Bennemann-Straße: Beide Männer waren nicht nur Bürgermeister von Unna beziehungsweise Massen, sie sind auch beide Ehrenbürger der Stadt. Davon gibt es derzeit vier: Auf Unnas ersten Ehrenbürger Adolf Eichholz, der ab 1872 insgesamt zwölf Jahre Bürgermeister Unnas war, gehen die beiden Krankenhäuser, eine Ortskrankenkasse, das Quellwasserwerk im Bornekamp und die Vergrößerung von Bad Königsborn samt Anbindung an die Eisenbahn zurück. Eine Straße mit seinem Namen sucht man jedoch in Unna vergeblich.

Die Stadthalle trägt den Namen Erich Göpferts, Unnas Bürgermeister von 1959 bis 1984. In seiner Amtszeit wurden unter anderem die Stadt- und die Eishalle gebaut - beides Projekte, für die sich Göpfert einsetzte.
Die Stadthalle trägt den Namen Erich Göpferts, Unnas Bürgermeister von 1959 bis 1984. In seiner Amtszeit wurden unter anderem die Stadt- und die Eishalle gebaut – beides Projekte, für die sich Göpfert einsetzte. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Auch der bisher letzte ernannte Ehrenbürger der Stadt wird nicht durch eine Straßenbenennung gewürdigt: Nach Erich Göpfert, der von 1959 bis 1984 Unnas Bürgermeister war, ist vielmehr die Stadthalle benannt. Das geschah aus gutem Grund: In seiner Amtszeit setzte er sich unter anderem dafür ein, dass Sporthallen in den Schulzentren, die Eissporthalle und eben die Stadthalle gebaut wurden.

Namensgebung oft auch an Geografie orientiert

Üblicherweise sind es bei neuen Straßen die Ortsvorsteher der jeweiligen Orte, die Vorschläge für eine Namensgebung machen. Das muss nicht immer der Name einer verdienten Person sein; auch geografische Bezeichnungen werden oft gewählt, vor allem, wenn sie einen historisch gewachsenen Bezug zum Umfeld haben.

Auf dem Gelände des ehemaligen Hofs Drücke entstehen derzeit mehrere neue Häuser. Das Wohngebiet soll durch eine Ringstraße erschlossen werden, die „Schwarzdornweg“ genannt werden soll. Hintergrund: Mit Reisigbündeln aus Schwarzdorn wurden früher die Gradierwerke bedeckt, die in diesem Bereich zur Salzgewinnung standen.
Auf dem Gelände des ehemaligen Hofs Drücke entstehen derzeit mehrere neue Häuser. Das Wohngebiet soll durch eine Ringstraße erschlossen werden, die „Schwarzdornweg“ genannt werden soll. Hintergrund: Mit Reisigbündeln aus Schwarzdorn wurden früher die Gradierwerke bedeckt, die in diesem Bereich zur Salzgewinnung standen. © Anna Gemünd © Anna Gemünd

Eines der jüngsten Beispiele: Die Straße, die das derzeit im Bau befindliche Wohngebiet auf dem Gelände des ehemaligen Hofes Drücke in Königsborn erschließen soll, wird im Namen einen Verweis auf die in diesem Gebiet seit dem 14. Jahrhundert stattfindende professionelle Salzgewinnung geben. Als „Schwarzdornweg“ erinnert sie künftig daran, dass die Gradierwerke, die damals zur Konzentration der Sole benötigt wurden, mit Reisigbündeln aus Schwarzdorn bestückt wurden.

Dort, wo bis Herbst 2019 die Gebäude der Anne-Frank-Realschule standen, entsteht jetzt der Bildungscampus, der Förderzentrum, Weiterbildungskolleg und Mensa für die Berufskollegs unter seinem Dach vereinen soll. Es gibt bereits die Anregung, ihn „Anne-Frank-Campus“ zu nennen.
Dort, wo bis Herbst 2019 die Gebäude der Anne-Frank-Realschule standen, entsteht jetzt der Bildungscampus, der Förderzentrum, Weiterbildungskolleg und Mensa für die Berufskollegs unter seinem Dach vereinen soll. Es gibt bereits die Anregung, ihn „Anne-Frank-Campus“ zu nennen. © Anna Gemünd © Anna Gemünd

Manchmal verschwinden prominente Namen allerdings auch aus dem Stadtbild: Mit dem Ende der Anne-Frank-Schule in Königsborn erst auf dem Papier und dann mit dem tatsächlichen Abriss ab Herbst 2019 gibt es in Unna derzeit keine sichtbare Würdigung der wohl bekanntesten Tagebuchschreiberin und Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des NS-Völkermordes. Die Anregung, den auf dem ehemaligen Realschulgelände entstehenden Bildungscampus „Anne-Frank-Campus“ zu nennen, muss die Stadt Unna mit dem Kreis Unna abstimmen, da der Kreis Bauträger ist.

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Redaktion Unna
Sauerländerin, Jahrgang 1986. Dorfkind. Liebt tolle Geschichten, spannende Menschen und Großbritannien. Am liebsten draußen unterwegs und nah am Geschehen.
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