So erlebte Unna den Morgen ohne Strom

dzStromausfall in Unna

Markthändler, die ihre Waren nicht kühlen können. Parkhäuser, in denen die Schranke nicht automatisch öffnet. Und Verkäuferinnen, die nicht in den Laden kommen. So erlebte Unna den stromlosen Morgen.

von Jennifer Freyth

Unna

, 30.08.2019, 13:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Da kann man mal sehen, wie abhängig wir vom Strom sind“ – dieser Satz zählte am Freitagmorgen wohl zu den häufigsten, nachdem ein Brand im Umspannwerk in Unna beinahe die ganze Stadt lahmlegte. Die Menschen in der Unnaer Innenstadt erlebten den Freitagmorgen ohne Strom auf ganz unterschiedliche Weise – und kamen mitunter auch gut ohne aus.

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60 Kilo Eis kühlen Fisch ohne Strom

Susanne Dickheiwer zum Beispiel blieb ganz gelassen. Die Fischhändlerin zählte zu den Beschickern des Wochenmarktes. Obwohl sie seit 15 Jahren den Markttrubel gewohnt ist, schon viel erlebt hat, war ein so langer und großflächiger Stromausfall auch für sie neu. Nervös wurde sie deshalb aber nicht. „Ich habe genug Eis dabei“, sagte sie, zeigte auf die 60 Kilo Eis in der Theke vor ihr und lachte beim Blick auf den gut gekühlten Fisch gelassen.

So erlebte Unna den Morgen ohne Strom

Susanne Dickheiwer blieb mit ihrem Fischstand auch ohne Strom ganz gelassen – 60 Kilo Eis sei Dank. © Charlotte Groß-Hohnacker

Ein paar Meter weiter hingegen sah es schon ganz anders aus. „Ich hätte noch zehn Minuten gewartet, dann wäre ich gefahren“, sagt Marcel Hartges. Er hatte in seinem Geflügelstand die Kühltheke schon mit Folie zugeklebt, um die Kühlung so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Doch mit der zunehmenden Kraft der Sonne und den steigenden Lufttemperaturen hätte er die richtige Kühlung seiner Waren irgendwann nicht mehr gewährleisten können. Und so atmete er erleichtert auf, als es nach einer guten Stunde Entwarnung gab.

Betrieb im Extrablatt läuft auch ohne Strom rund

Im Café Extrablatt hatten es sich schon die ersten hungrigen Gäste gemütlich gemacht, als plötzlich die Lichter ausgingen. Für Betriebsleiterin Fabienne Jacobsen und ihr Team bedeutete das aber keinesfalls eine Zwangspause. Im Gegenteil. „Wir wurden auf einmal zu einer Auffangstation, als der Strom ausfiel“, berichtet Jacobsen vom Frühstück bei Kerzenschein. Denn der Betrieb im Extrablatt ging auch ohne Strom weiter.

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Zwar funktionierten weder die Kassen noch die Kaffeemaschine, auch die Küche war lahmgelegt. Doch kalte Getränke konnte das Team servieren. Und auch das Buffet, das unabhängig vom Strom mit Kühlakkus gekühlt wird, war schon aufgebaut. Brötchen, die im Extrablatt normalerweise selbst gebacken werden, orderte das Team kurzerhand beim Bäcker nebenan. Rechnungen addierten die Mitarbeiter einfach im Kopf und bonierten sie später nach, als Unna wieder mit Strom versorgt war.

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Das war auch der Moment, in dem es besonders stressig wurde. Denn als durchsickerte, dass die Kaffeemaschine wieder heiß lief, konnten viele ihren lang ersehnten Frühstückskaffee kaum erwarten.

Dunkle Verkaufsräume bergen Unfallgefahr

Eine Pause, noch bevor sie mit der Arbeit begonnen hatten, mussten die Mitarbeiter des Modehauses Schnückel einlegen. Denn weil durch den Stromausfall in den Verkaufsräumen die Lichter ausblieben und so Stolpergefahr bestand, mussten die Mitarbeiter im Aufenthaltsraum auf (grünes) Licht warten.

Parkhaus-Parker müssen nicht erst zum Kassenautomaten

Harte Arbeit bedeutete der Stromausfall dagegen für die Mitarbeiter der beiden Parkhäuser an der Massener Straße sowie an der Flügelstraße. Denn damit Kunden die Parkhäuser auch ohne automatische Öffnung verlassen konnten, mussten die Mitarbeiter kurzerhand die Schranken abmontieren.

So erlebte Unna den Morgen ohne Strom

Wer während des Stromausfalls im Parkhaus Massener Straße parkte, musste bei der Ausfahrt nichts zahlen. © Udo Hennes

Positiver Nebeneffekt des Stromausfalls: Weil auch die Kassenautomaten lahmgelegt waren, durften Autofahrer während des Stromausfalls kostenlos ausfahren.

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