Das Knöllchen in Papierform als sofortiger Hinweis auf ein Vergehen ist im Grunde genommen ein Auslaufmodell. Dank Digitalisierung und Jedermanns-Anzeige trifft es viele Fahrer auch zeitverzögert zu Hause. © HA-Archiv
Sicherheit und Ordnung

So einfach schicken Freizeit-Politessen die Anzeige gegen einen Falschparker ab

Für seinen ehrenamtlichen Politessendienst erhält Carsten Hellmann von den Grünen auch Kritik. Dabei ist er keineswegs der einzige „Parksheriff“ in Unna. Gerade das Internet macht Anzeigen einfach.

Was den grünen Fraktionsgeschäftsführer Carsten Hellmann heraushebt unter den privaten Anzeige-Erstattern beim Ordnungsamt, das ist vor allem seine Offenheit im Umgang damit. Ohne Scheu hat er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, warum er Falschparker meldet, deren Fahrzeuge ihm bei seinen Spaziergängen im Weg stehen. Doch der einzige „Parksheriff“ in Unna ist Hellmann nicht.

Dies zumindest hat auch die Stadt zuletzt bestätigt. Namen nennt das Rathaus nicht, aber politischen Kreisen ist zu hören, dass wohl auch Angehörige anderer Parteien bisweilen zum Handy greifen, um Fotobeweise für die Anzeige eines Falschparkers aufzunehmen.

Wer sich einmal mit der Materie befasst, der entdeckt sehr schnell, wie einfach es ist, einem Falschparker Ärger zu bereiten. „Formulare für die Anzeige einer Ordnungswidrigkeit findet man sogar zum Herunterladen im Internet“, sagt Rathaussprecher Christoph Ueberfeld – zwar nicht von der Stadt Unna, aber das Prinzip sei durchaus identisch.

Carsten Hellmann nutzt offenbar sogar ein Internet-Tool, das allein dafür entwickelt worden ist, Anzeigen an lokale Ordnungsbehörden möglichst einfach und bequem zu machen.

Das Projekt eines Mannes aus Hamburg besteht aus einer Datenbank mit Adressen etlicher Dienststellen, einer Auswahlhilfe für mögliche Regelverstöße und einer Nachrichtenoberfläche, über die Beweisfotos und zusätzliche Hinweise eingegeben werden können. Falschparker fotografieren, Bild hochladen, ein paar Daten eingeben – und schon geht die Anzeige per E-Mail ans Ordnungsamt.

Mehr Sicherheit durch Politessendienste?

Die Motivation hinter diesem Online-Projekt: „Verkehrswende selber machen durch sichere Radwege und freie Bürgersteige“, wie Entwickler „Peter aus Hamburg“ auf der Seite schreibt. Derzeit seien bundesweit 2666 aktive Melder im Dienst. Seit Start des Projekts im Sommer 2019 haben sie über 118.000 Parkverstöße angezeigt. Ein Statistiktool visualisiert die Erreichung von „Zielen“ wie zum Beispiel dem, pro Woche 3000 Anzeigen auf den Weg zu bringen.

Die Anonymität hat bei Anzeigen Grenzen

Ob nun via Internet-Tool oder „von Hand“ – viel braucht es gar nicht, um einen Falschparker zu melden und das Ordnungsamt zum Einschreiten zu bewegen. Wer eine E-Mail mit Ort, Zeit(raum) und Art des Verstoßes zusammen mit einem Beweisfoto an die Behörde schickt, der hat schon etwas ausgelöst. Ob es etwas Gutes ist, muss er natürlich selbst entscheiden. Denn was er ebenfalls angeben muss, ist sein Name.

Anonyme Hinweise können zwar dazu führen, dass die Behörde eine beschriebene Situation selbst noch einmal in Augenschein nimmt, aber für die Ahndung eines konkreten Verstoßes muss der Anzeigeerstatter Farbe bekennen. „Er muss sich zur Verfügung stellen, um auch vor Gericht als Zeuge auszusagen“, erklärt Stadtsprecher Ueberfeld die Rechtslage.

So war auch Carsten Hellmann als „Dauermelder“ entlarvt worden: Ein Angezeigter geht gegen ein Ordnungswidrigkeitenverfahren vor und hat seinen Anwalt beauftragt, Akteneinsicht zu nehmen. Unter den Dokumenten befand sich natürlich auch Carsten Hellmanns Hinweis in einer automatisch erstellten E-Mail, deren Absenderadresse auf das Hamburger Internettool hinweist.

Der Parksheriff von der Stadtkirche musste am Ende umziehen

Jeder Anzeigeerstatter muss also damit rechnen, dass er keineswegs sicher aus dem Verborgenen heraus tätig ist. Wie sehr ein nachbarschaftliches Verhältnis darunter leiden kann, wenn sich jemand als Zuträger des Ordnungsamtes betätigt, hat vor einigen Jahren einmal der Fall eines „Parksheriffs“ gezeigt, der in der Nähe der Stadtkirche wohnte und dort regelmäßig Falschparker anzeigte. Am Ende war die Atmosphäre zwischen ihm und seinen Mitmenschen derart belastet, dass der Mann sogar umziehen musste. Danach schien er seine Tätigkeit eingestellt zu haben.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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