Seit sechs Jahren gibt es das polnische Lebensmittelgeschäft „Smak Polski“ in Unna. Jetzt ist es an die Hertingerstraße gezogen und begeistert auch neue Kundschaft mit frischer Ware aus Polen.

Unna

, 03.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Kluski“, „Pierogi“ und „Barszcz“: Alles, was es bei „Smak Polski“ zu kaufen gibt, kommt – wie der Name des Ladens schon vermuten lässt – aus Polen. Das Lebensmittelgeschäft, das es seit sechs Jahren in Unna gibt, ist nun von der Gerhart-Hauptmann-Straße in die Hertingerstraße umgezogen. Am neuen Standort zieht es noch mehr Kunden an, die Nachfrage nach den nationalen Spezialitäten ist groß.

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Wenn die Tür des kleinen Geschäfts mit dem weiß-roten Schriftzug aufgeht, sagen die meisten Kunden „Dzień dobry“. Verkäuferin Malgorzata Bartolomiejczak weiß dann sofort, dass sie es mit Landsleuten zu tun hat und grüßt auf Polnisch zurück. So auch, als Ewa Dybowski den Laden betritt. Die Stammkundin kommt extra aus Königsborn, um ihre Einkäufe in dem Laden in der Unnaer Innenstadt zu tätigen: Ein paar Lebensmittel, Kreuzworträtsel und Geburtstagskarten sind es an diesem Tag.

„Smak Polski“: Ein polnischer Lebensmittelladen erobert Unnas Innenstadt

„Smak Polski“ ist seit Anfang Januar an der Hertingerstraße in Unna zu finden. © Vivien Nogaj

Traditionelle Spezialitäten

Warum sie dafür extra „Smak Polski“ aufsucht? „Manche Sachen aus Polen sind einfach besser“, sagt sie. Typisch traditionelle Spezialitäten etwa, aber eben auch die hübschen Geburtstagskarten mit den fertigen Gratulationen im Inneren der Karte. Das sei für Dybowski, die unter Arthrose leide und selbst nicht mehr gut schreiben könne, besonders praktisch. „In Deutschland sind vorgeschriebene Karten schwer zu finden“, sagt sie. „Außerdem soll die Familie in Polen den Text ja auch verstehen.“

„Durch den Standortwechsel haben uns auch viele neue Kunden entdeckt. Die Lage direkt an der Fußgängerzone ist einfach besser, auch Laufkundschaft kommt vorbei.“
Malgorzata Bartolomiejczak, Verkäuferin im „Smak Polski“

Dybowski selbst lebt sei 30 Jahren in Deutschland. Sie spricht die deutsche Sprache gut, Rätselhefte kaufe sie dennoch lieber in ihrer Muttersprache. „Das fällt mir leichter“, sagt sie. Umso mehr freut es sie, dass sie im „Smak Polski“ die polnischen Exemplare findet. Seit sie das Geschäft kenne, komme sie regelmäßig vorbei.

Mehr Laufkundschaft durch Standortwechsel

Aber nicht nur Stammkunden besuchen den Laden, weiß Verkäuferin Malgorzata Bartolomiejczak zu berichten: „Durch den Standortwechsel haben uns auch viele neue Kunden entdeckt. Die Lage direkt an der Fußgängerzone ist einfach besser, auch Laufkundschaft kommt vorbei“, sagt sie.

So auch die 24-jährige Jessica Olbach aus Fröndenberg, die das Geschäft zufällig beim Shoppen entdeckt hat. Sie erzählt, dass ihre Eltern aus Polen kommen, sie selbst bereits in Deutschland geboren sei. Verbunden mit dem Herkunftsland ihrer Familie fühle sie sich trotzdem: „Ich liebe die polnische Küche und koche oft typische Gerichte“ sagt Olbach. Deshalb wandern Pierogi und eingelegte Gurken in ihren Einkaufskorb.

„Smak Polski“: Ein polnischer Lebensmittelladen erobert Unnas Innenstadt

Malgorzata Bartolomiejczak erklärt die polnischen Spezialitäten gerne auch Kunden, die sie noch nicht kennen. © Vivien Nogaj

Generell seien aber nicht nur Landsleute an den polnischen Lebensmitteln interessiert, erzählt Malgorzata Bartolomiejczak: „Es ist schon vorgekommen, dass Deutsche mit Papieren von polnischen Bonbons in den Laden kommen und fragen, ob es diese auch bei uns zu kaufen gibt. Oder sie haben in Restaurants polnische Spezialitäten gegessen und möchten diese zuhause nachkochen.“ Dann berät Bartolomiejczak die Kunden gerne und zeigt ihren die typischen Zutaten, die es in deutschen Geschäften so nicht immer zu kaufen gibt.

„Besseres Leben in Deutschland“

Für Bartolomiejczak sei es dann eine gute Übung, Deutsch zu sprechen. Die Polin lebt nämlich erst seit fünf Jahren hier und musste die Sprache mühsam erlernen: „Ich habe drei Deutschkurse belegt: B1, B1 plus und B2“, sagt sie. Mittlerweile beherrsche sie die deutsche Sprache gut, auch wenn sie manchmal noch die Grammatik durcheinander bringe. Deshalb schaue sie zuhause auch nur die hiesigen Fernsehsender: „Damit ich die Sprache noch besser lerne“, sagt sie. Schließlich plane sie, auch in Zukunft in Deutschland zu bleiben. „Hier kann man ein besseres Leben führen und sich mehr leisten“, sagt sie. Zwar sei es nicht immer einfach, rund 800 Kilometer entfernt von der Familie zu leben, aber durch regelmäßige Besuche halte sich ihr Heimweh in Grenzen.

„Smak Polski“: Ein polnischer Lebensmittelladen erobert Unnas Innenstadt

Die Auswahl an frischen polnischen Kuchen ist riesig. © Vivien Nogaj

Eine ähnliche Strecke, rund 600 Kilometer, legen die Lieferanten zurück, die die Ware für „Smak Polski“ jeden Dienstag und Freitag frisch aus Polen nach Unna bringen: Äpfel und Kartoffeln, Fisch und Fleisch. Und jede Menge Kuchen, Torten und andere Backwaren. Eine besonders beliebte Variante sind „Kremowki“: eine dicke Vanillecreme zwischen zwei Blätterteigschichten.

„Aber auch Käse- und Mohnkuchen sind bei den Kunden sehr beliebt“, sagt Bartolomiejczak. Ist etwas mal ausverkauft, könnten die Kunden die gewünschte Ware auch vorbestellen. Besonders vor Weihnachten sei dieses Angebot gut genutzt worden, gerade von den polnischen Bürgern.

„Smak Polski“: Ein polnischer Lebensmittelladen erobert Unnas Innenstadt

Besondere Spezialität: Die polnischen Kremowki. © Vivien Nogaj

Davon gibt es einige in Unna, derzeit sind 670 Personen mit polnischer Staatsangehörigkeit hier gemeldet, wie die Stadt auf Anfrage mitteilte. Aber nicht nur für diese soll „Smak Polski“ eine alternative Einkaufsmöglichkeit bieten: „Wir freuen uns, wenn wir möglichst viele Menschen mit unserer nationalen Ware begeistern können – egal welcher Herkunft“, so Bartolomiejczak.

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