Sinn öffnet sein neues Modehaus in Unna - auf 800 Quadratmetern

dzEinkaufen in Unna

Einen Tag nach der Insolvenz-Meldung öffnen sich zum ersten Mal die Türen des neuen Modehauses von Sinn in Unna - auf 800 Quadratmetern und mit Einbahnstraßen. Ein Stimmungsbericht.

Unna

, 29.04.2020, 11:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der ältere Herr schaut erwartungsfroh. „Wo finde ich denn was für Herren?“, fragt er die Mitarbeiterin am Eingang, die ihm gerade Desinfektionsmittel angeboten hat. „Eigentlich oben, aber da ist leider gesperrt. Aber wenn Sie was Bestimmtes suchen, kann Ihnen mein Kollege das holen.“ Kleidung kaufen in Corona-Zeiten - das ist eindeutig anders als sonst. Auch der erste Öffnungstag des neuen Sinn-Modehauses in Unna macht da keine Ausnahme.

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„Die Gänge und Fluchtwege zählen mit zu den 800 Quadratmetern, die wir öffnen dürfen.“
LUTZ HOCKEMEYER, Geschäftsleiter MODEHAUS SINN IN UNNA

Es ist 9.40 Uhr und Sinn hat seit wenigen Minuten geöffnet. Zum ersten Mal in Unna. Doch nirgendwo hängen Luftballons und statt Sekt gibt es für jeden Kunden eine kleine Karte mit einer Nummer. „Die geben Sie hinter der Kasse bitte wieder meiner Kollegin, bevor Sie hinausgehen“, erklärt die Mitarbeiterin am Eingang freundlich einer Kundin. 65 Kunden, mehr dürfen zeitgleich nicht in das Modehaus. „Zusammen mit meinen Mitarbeitern macht das dann die 80 Menschen, die sich auf der Fläche aufhalten dürfen“, erklärt Geschäftsleiter Lutz Hockemeyer.

Im Haus gilt eine Einbahnstraßenregelung

Die Fläche; das sind 800 Quadratmeter, zu denen nicht nur die Bereiche zählen, auf denen Mode steht oder liegt, sondern auch die Wege. „Die Gänge und Fluchtwege zählen mit zu den 800 Quadratmetern, die wir öffnen dürfen“, sagt Hockemeyer. Eigentlich stünden in dem früheren Peek-und-Cloppenburg-Modehaus 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung.

Im Haus gilt eine Einbahnstraßenregelung: Die imposante Eingangstür mit dem Schriftzug „Das macht Sinn Unna“ ist tatsächlich nur der Eingang; hinaus geht es durch eine unscheinbare Tür neben dem Kassenbereich. Wer möchte, kann sich beim Betreten und Verlassen des Hauses die Hände desinfizieren. Der Kassenbereich mutet ein bisschen wie der Check-In am Flughafen an: Es gibt eine Wartezone und jeder Kunde wird von dort aus einzeln an eine der beiden Kassen gerufen.

Der Eingang an der Bahnhofstraße ist in diesen Tagen auch wirklich nur der Eingang. Kunden verlassen den Laden durch eine Tür hinter den Kassen.

Der Eingang an der Bahnhofstraße ist in diesen Tagen auch wirklich nur der Eingang. Kunden verlassen den Laden durch eine Tür hinter den Kassen. © Anna Gemünd

„Wenn jemand etwas auf der abgesperrten Fläche entdeckt, dann holen wir ihm das natürlich.“
Lutz Hockemeyer, Geschäftsleiter Modehaus Sinn in Unna

Für Geschäftsleiter Lutz Hockemeyer und sein Team ist es eine seltsame Situation: Wochenlang haben sie sich auf die große Eröffnung vorbereitet, haben T-Shirts und Hosen akkurat auf Tische gelegt - und jetzt verschwinden diese hinter weiß-rotem Flatterband, unerreichbar für den Kunden. „Wenn jemand etwas auf der abgesperrten Fläche entdeckt, dann holen wir ihm das natürlich“, erklärt Hockemeyer.

Es kommen vor allem Frauen

Entspanntes Einkaufen sieht anders aus, keine Frage. Und doch sind an diesem Mittwochmorgen schon ein paar Kunden gekommen. „Ich wollte einfach mal schauen, wie es hier aussieht“, sagt eine Kundin. Auffallend: Es sind ausschließlich Frauen, die zwischen dem Flatterband herumgehen und einzelne Kleidungsstücke ansehen. „Unsere Hauptzielgruppe sind auch Frauen, das passt also“, sagt Geschäftsleiter Hockemeyer. Und die Männermode ist ja oben - in der Sperrzone.

An den Kassen gibt es Wartezonen. Die Kunden werden von dort aus einzeln an eine der beiden Kassen aufgerufen.

An den Kassen gibt es Wartezonen. Die Kunden werden von dort aus einzeln an eine der beiden Kassen aufgerufen. © Anna Gemünd

Den Festmodenbereich haben er und sein Team allerdings auch gesperrt. Abendmode, Cocktailkleider - in Zeiten abgesagter Abibälle und ausfallender Hochzeiten braucht die niemand. Hockemeyer hofft inständig, dass er sein neues Modehaus bald auch komplett öffnen darf: „Das wird hoffentlich in der nächsten Woche kommen.“

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Für den Herrn am Eingang ist das für den Moment egal. Nach einem schnellen Rundgang durch die Damenabteilung macht er kehrt - nicht ohne der Mitarbeiterin am Ausgang zu versprechen: „Ich schicke Ihnen mal meine Frau vorbei.“

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