Notoperation an einem der ältesten Gebäude in Unnas Innenstadt

dzDenkmalschutz

Zum zweiten Mal in wenigen Tagen befassen sich Richter mit dem Baudenkmal zwischen Markt, Kirchplatz und Krummfuß. Handwerker dürfen jetzt ein weiteres Provisorium anbringen, um das Haus zu retten.

Unna

, 18.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Dachstuhl des alten Fachwerkgebäudes am Kirchplatz der Stadtkirche sind an diesem Dienstag die Zimmerleute eingezogen. Das Haus zwischen Markt, Kirchplatz und Krummfuß wird mit einer Notoperation vor dem Einsturz gesichert. Es ist bereits die dritte Maßnahme dieser Art.

Um das Gebäude mit der Adresse Markt 2/3 gibt es einen Rechtsstreit zwischen der Stadt und dem Gebäudeeigentümer. Richter am Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen befassten sich nun zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen mit dem Gebäude. Am Montag machten sie den Weg frei für die Sicherungsmaßnahme, die die Stadt über den Kopf des Gebäudeeigentümers durchgesetzt hat.

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Solide Dachbalken wurden am Dienstag mit einem Kran durch ein kleines Fenster zum Kirchplatz ins Dachgeschoss gehoben. Sie sollen die Dachkonstruktion abstützen. Etwa 60.000 Euro kostet die Maßnahme nach Informationen des Eigentümers.

Dass die Dachkonstruktion des Fachwerkhauses einsturzgefährdet ist, wird von Stadt und Eigentümer gleichermaßen anerkannt. Der Streit betrifft die Frage des Umgangs mit dieser Situation: Der Eigentümer hatte einen Antrag gestellt, das Dachgeschoss abreißen und verändert neu aufbauen zu lassen. Die Stadt lehnt das aus Denkmalschutzgründen ab, will eine denkmalgerechte Sanierung erwirken.

Arbeiten dienen der öffentlichen Sicherheit

Die nun durchgesetzte Notoperation der Zimmerleute hat nur indirekt mit den Belangen des Denkmalschutzes zu tun. Faktisch verhindert sie eine Verschlimmerung der Situation. Der eigentliche Grund für die Arbeiten liegt aber in der Gefahrenabwehr.

Dennoch hatte der Eigentümer versucht, sich gegen eine Anordnung der Stadt zur Wehr zu setzen. Am Montag hatte das Verwaltungsgericht den Eilantrag des Eigentümers abgelehnt: die Handwerker durften umgehend ihre Arbeit aufnehmen.

Mit der Rechnung wird die Stadt an den Eigentümer herantreten

Die Entscheidung am Montag bezieht sich dabei lediglich auf die Eilbedürftigkeit. Ob die Sicherungsmaßnahmen an sich notwendig sind, mag noch Gegenstand eines geregelten Verfahrens sein. Darin geht es dann auch um die Frage, wer für die Rechnung aufkommt. Die Stadt hatte dem Eigentümer die Sicherungsmaßnahmen zunächst als Aufgabe verordnet. Als die juristische Erwiderung erfolgte, griff die Stadt zur „Ersatzvornahme“. Das Rathaus hat die Handwerker beauftragt, wird aber sicherlich versuchen, sich die Kosten der Arbeiten vom Eigentümer erstatten zu lassen.

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