Die Erreichbarkeit des neuen „Mühlencenters“ für Fußgänger wird zu Konflikten im Königsborner Tor führen. Die Stadt will Radfahrer einerseits von Fußgängern trennen, an anderer Stelle hoffen, dass sie bremsen.

Unna

, 17.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein Gutachter hat sich im Auftrag der Stadt Unna damit beschäftigt, welche Auswirkungen das neue Einkaufszentrum an der Mühle Bremme auf den Verkehr haben wird. Für den Autoverkehr wurde bestätigt, dass Stauprobleme durch die dauerhafte Installation einer Fußgänger- und Radfahrerampel an der Viktoriastraße zumindest verringert werden sollen. Kunden und Besucher sollen das „Mühlencenter“ aber nicht nur mit dem Auto anfahren. Das östliche Ende des Gebäudes bildet ein Bistro mit halbkreisförmigem Grundriss. Eine Außengastronomie-Fläche soll ebenerdig in die Fußgängerzone übergehen. In Richtung Nordosten ist eine Freitreppe geplant, über die Fußgänger die Unterführung im Königsborner Tor erreichen. Diese Treppe, die die Rundung des neuen Gebäudes aufnimmt, gilt als deutliche Aufwertung im Vergleich zur jetzigen Situation.

Sicherheit auf der einen Seite durch Geländer, auf der anderen Seite durch Rücksichtnahme

Über eine 15 Meter breite Freitreppe erreichen Fußgänger das Mühlencenter vom Königsborner Tor aus. Diesen Entwurf zeigte das Architekturbüro Deterding vor rund einem Jahr. © Architekturbüro Deterding

Mehr Konflikte durch mehr Fußgänger

Aber auch hier galt es für den Verkehrsgutachter, die Folgen abzuschätzen. Im von der Stadt veröffentlichten Gutachten ist von einer „Zunahme des Konfliktpotenzials zwischen Radfahrern und querenden Fußgängern“, die Rede. Man rechnet mit einem Anstieg der Fußgängerverkehre aufgrund der Läden und Gastronomie im „Mühlencenter“. Die Verkehrsführung in der Unterführung soll deswegen umgestaltet werden. Bisher läuft es so: Von der Fußgängerzone kommend, fahren Radfahrer an der linken Seite durch den Tunnel, Fußgänger gehen rechts. Eisenbügel sollen beide Gruppen trennen. Das funktioniere aber nicht immer wie gewünscht, sagt Volker Kahlert vom städtischen Tiefbauamt. Gefährlich werde es beispielsweise in den Fällen, wenn Fußgänger, zur Abkürzung oder aus irgendeinem Grund abgelenkt, zwischen den Sperrbügeln hindurch auf den Radweg laufen.

55 Meter Eisen trennen Radelnde von Gehenden

Auf der nördlichen Rampe und in der Unterführung soll deswegen ein durchgehendes Geländer mit einem Meter Höhe und 55 Metern Länge gebaut werden, das rollende und gehende Menschen sicher trennt. Piktogramme auf dem Boden sollen jeweils anzeigen, wo Fußgänger gehen und Radfahrer fahren sollen.

Sicherheit auf der einen Seite durch Geländer, auf der anderen Seite durch Rücksichtnahme

Der nördliche Eingang zur Unterführung Königsborner Tor: Die bisherigen Eisenbügel sollen bis zum Tunnelausgang am südlichen Ende durch ein durchgehendes Geländer ersetzt werden. © Marcel Drawe

Auf der Südrampe Radfahrer untergeordnet

Dieses Trennprinzip soll auf der südlichen Rampe, also zur Fußgängerzone hin, aufgehoben werden. Dort sieht die bisherige Planung auf der ganzen Fläche einen Gehweg mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ vor. Die bisherigen, flachen Stufen sollen abgebaut werden, sodass alles zwar abschüssig, aber eben wird. Die Auszeichnung als „Gehweg“ soll zu einer größeren Rücksichtnahme der Radfahrer auf den Fußgängerverkehr führen.

„Missachtungen“ anfangs nicht ausgeschlossen

Den Planern schwebt vor, dass mehr Fußgänger als jetzt in verschiedenen Richtungen auf dieser Fläche unterwegs sind, auch in Richtung der Treppe vom Tunnel zu den Bahngleisen. Fahrradfahrer müssten sich unterordnen und im Zweifel bremsen, so Kahlert. Funktioniert das auf der abschüssigen Fläche ohne neue Konflikte? Durch die Änderungen könne es anfänglich zu „Fehlinterpretationen und Missachtungen“ kommen, heißt es im Gutachten. Diese Situationen seien besonders zu Beginn durch die Straßenverkehrsbehörde zu beobachten.

Sicherheit auf der einen Seite durch Geländer, auf der anderen Seite durch Rücksichtnahme

Die Eisenbügel wurden vor vier Jahren schon einmal umgesetzt. Die Stadt machte damit den Radweg breiter, um das Unfallrisiko zu verringern. © Udo Hennes

Früher schon Unfallschwerpunkt

Die Eisenbügel am Königsborner Tor wurden vor rund vier Jahren noch versetzt. Die Stelle hatte sich als Unfallschwerpunkt erwiesen. Deswegen sollten Radfahrer etwas mehr Radwegbreite bekommen. Schon vor Jahren waren Überlegungen bekannt geworden, ganz auf die Bügel zu verzichten. Seinerzeit galt der Fahrradclub ADFC als treibende Kraft hinter diesen Plänen. Die Fläche sei insgesamt breit genug, damit sich Fußgänger und Radfahrer aus dem Weg gehen beziehungsweise fahren können, hatten Befürworter der Planung argumentiert.

Dass viele Radfahrer diese Unterführung nutzen, hatte der ADFC selbst vor Jahren ermittelt. An einem Sommertag wurden 1000 Radfahrer gezählt.

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