Sexuelle Nötigung am Bahnhof Königsborn: 57-Jähriger will Schülerin zu Kuss zwingenSexuelle Nötigung

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Ein 57-jähriger Mann ist zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er am Bahnhof Königsborn eine 16-jährige Schülerin belästigt hat. Für sein Verhalten fand er eine unerwartete Erklärung.

von Jana Peuckert

Königsborn

, 20.03.2020, 10:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das 16-jährige Opfer, das am Dienstag im Amtsgericht Unna in einem Fall versuchter sexueller Nötigung aussagte, fühlte sich merklich unwohl. Sie wippte nervös mit dem Fuß, sprach leise und etwas brüchig bei der Schilderung der Vorfälle Anfang Oktober vergangenen Jahres.

Der angeklagte Syrer, 57 Jahre alt, und das Mädchen trafen sich jeden Morgen am Bahnhof Unna Königsborn. Irgendwann begann der Mann, die Schülerin zu grüßen. Sie erwiderte. „Ich hab mir nichts dabei gedacht“, erklärte die Geschädigte im Gericht. An einem Tag sei er auf sie zugekommen, habe ihren Namen und ihr Alter wissen wollen.

Sie habe falsche Angaben gemacht, so die 16-Jährige. Dann habe der Angeklagte sie an Schulter und Kinn festgehalten, habe sich ihrem Gesicht genähert und gesagt: „Ein Kuss, ein Kuss.“ Er habe sie so fest gepackt, dass sie sich zunächst nicht habe losreißen können. Das sei ihr erst nach einiger Zeit gelungen. Nach diesem Geschehen habe der 57-Jährige sie erst einmal in Ruhe gelassen, dann aber doch wieder angefangen, sie zu grüßen. „Ich habe nicht darauf reagiert“, gab die Schülerin im Prozess an.

An einem der Folgetage sei der Mann dicht an ihr vorbeigegangen und habe einen Zettel mit seinem Namen und seiner Telefonnummer vor ihre Füße gelegt. Das sei schließlich der Auslöser für eine Anzeige bei der Polizei gewesen. Dem Angeklagten war daraufhin ein Strafbefehl über 400 Euro Geldstrafe zugegangen. Von seiner Unschuld überzeugt, legte er Einspruch dagegen ein.

„Ich habe sie nicht angefasst. Ich habe gemerkt, dass das Mädchen Angst bekommen hat, da bin ich weggegangen.“
Der Angeklagte

Im Gericht präsentierte er eine ganz andere Version als die Schülerin. Er sei zur Tatzeit immer zum Deutschunterricht gefahren. Dort sei ihm gesagt worden, er sollte versuchen, mit Deutschen ins Gespräch zu kommen, um die Sprache besser zu lernen. Also habe er die Zeugin einfach angesprochen, ihr gesagt, dass sie schön sei, habe ihre Haare bewundert.

Aber: „Ich habe sie nicht angefasst. Ich habe gemerkt, dass das Mädchen Angst bekommen hat, da bin ich weggegangen.“ „Ich glaube Ihnen kein Wort“, bezog der Richter ganz deutlich Stellung. Es gebe keinen Grund, Zweifel an der Aussage der Zeugin zu haben. Der Richter führte dem Angeklagten vor Augen, dass es im Falle eines Urteils teurer für ihn würde, als es im Strafbefehl der Fall sei. Ergebnis: Der Mann nahm den Einspruch zurück und erklärte sich damit mit der Zahlung der 400 Euro einverstanden.

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