Ein kleines Schwimmbecken für die Taufe: Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage

dzSerie „Glaubensorte in Massen“

Umgangssprachlich werden sie oft als „Mormonen“ bezeichnet: An der Karlstraße haben die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ein Zuhause gefunden - inklusive eines besonderen Taufbeckens.

Massen

, 29.12.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei Treppen führen links und rechts in das Wasserbecken hinab, die grünlichen Fliesen sind von warmem Wasser bedeckt und ein Spiegel über dem Becken zeigt denen, die hinter der kleinen Glasbalustrade am Rande des Beckens stehen, was dort gerade passiert: Eine junge Frau wird getauft. Sie wird in die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage aufgenommen. Und dafür muss sie komplett im Wasser untertauchen. Das erklärt den besonderen „Taufraum“ in dem Gotteshaus der Gemeinde an der Karlstraße.

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Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist seit 1982 in dem lang gezogenen Gebäude an der Karlstraße, zwischen Bundesstraße und Bahnlinie, beheimatet. Ein Ort, der abgeschieden wirkt, aber genau dies nicht sein soll, wie Bischof Thomas Lipke betont: „Jeder ist willkommen, an unseren Abendmahlsfeiern teilzunehmen. Dafür muss man kein Mitglied der Gemeinde sein.“

Ein kleines Schwimmbecken für die Taufe: Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage

Die Kirche Jesu Christi ist nicht leicht zu finden. Nur ein kleines Schild am Parkplatz weist auf das Gotteshaus an der Karlstraße hin. © Anna Gemünd

„Jeder ist willkommen, an unseren Abendmahlsfeiern teilzunehmen. Dafür muss man kein Mitglied der Gemeinde sein.“
Thomas Lipke, Bischof der Gemeinde Unna

Tatsächlich ist es vor allem die strategisch günstig Lage, die die Kirche bewog, genau hier ihr Gemeindehaus zu errichten: Mit dem Auto ist die Gemeinde dank der Nähe zur B1 und der Autobahn gut zu erreichen; ein Vorteil, wenn man auf das Einzugsgebiet der Gemeinde schaut: Aus dem gesamten Kreis Unna aber auch aus Schmallenberg im Sauerland kommen die Gemeindemitglieder.

Heute wird eine junge Frau aus der Gemeinde Paderborn getauft. Denn Unnas Gemeinde hat einen Taufraum - jenen besonderen Raum, der wie ein zu klein geratenes Schwimmbecken wirkt. Die Kirche Jesu Christi kennt die Taufe durch das vollständige Untertauchen, heißt: Der Täufling wird komplett unter Wasser getaucht und nicht, wie in den großen christlichen Kirchen üblich, mit geweihtem Wasser bloß am Kopf übergossen.

Logischerweise braucht es dafür mehr als ein kleines Taufbecken. Zumal in dem Wasserbecken zwei Menschen Platz finden müssen: Die Taufe erfolgt durch einen Priester. Er taucht den Täufling unter Wasser. Zu erkennen sind beide bereits vor der eigentlichen Taufhandlung: Sowohl der Priester als auch die junge Frau tragen komplett weiße Overalls; sind somit vor Gott gleich.

Ein kleines Schwimmbecken für die Taufe: Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage

Der Spiegel über dem mit Wasser gefüllten Taufbecken ermöglicht es den Taufzeugen zu sehen, ob der Täufling komplett untergetaucht wurde. Erst dann ist die Taufe gültig. Die Taufe selbst gilt als heilige Handlung, deswegen durften wir sie nicht fotografieren. © Anna Gemünd

Die Tauffeier selbst beginnt auffallend ungezwungen: Auf Holzstühlen sitzen die Gemeindemitglieder in dem Taufraum, der zugleich als Sonntagsschule für die Jüngsten genutzt wird. Eine Frau spielt dezente Klaviermusik. Nach einer kurzen Begrüßung durch ein Gemeindemitglied wird gemeinsam gesungen. Das gemeinsame Singen hat in der Kirche Jesu Christi eine große Bedeutung, soll es doch den Glauben festigen.

Zahlen, Daten, Fakten


Das ist die Kirche Jeus Christi der Heiligen der Letzten Tage

  • Die Gemeinde Unna-Massen der Kirche Jesu Christi gilt als große Gemeinde. Sie hat zur Zeit rund 150 Mitglieder, die nicht nur aus dem Kreis Unna, sondern auch aus Soest und teilweise aus dem Sauerland kommen.
  • Entstanden ist die Gemeinde in Massen aus der Gemeinde Dortmund. Die ersten Mitglieder versammelten sich ab 1975 in gemieteten Räumen am Westring. Im Januar 1982 wurde mit dem Bau des Gemeindehauses an der Karlstraße in Massen begonnen. Dass das Gebäude ausgerechnet in Massen steht, lag in erster Linie an der Verfügbarkeit und Lage des Grundstücks.

Dann geht alles ganz schnell: Zwei junge Missionare - aus einer Gemeinde in den USA entsandte junge Männer, die zur Zeit in Massen zu Gast sind - schieben eine Falttür zur Seite und geben so den Blick auf das Taufbecken frei. Die beiden Taufzeugen nehmen ihren Platz rechts und links des Beckens ein; sie werden gleich bezeugen müssen, dass die zu taufende Frau auch tatsächlich vollständig unter Wasser war.

Die eigentliche Taufzeremonie geht schnell vonstatten; gleich beim ersten Versuch war das neue Gemeindemitglied vollständig unter Wasser. Jetzt heißt es Warten: Während Priester und Täufling sich trocknen und umziehen, singt die versammelte Gemeinde weitere Lieder, unterhält sich oder „gibt Zeugnis“. Zeugnis geben davon, dass der Heilige Geist existiert - das gehört bei der Kirche Jesu Christi regelmäßig zu den Zusammenkünften.

Ein kleines Schwimmbecken für die Taufe: Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage

Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage kommen jeden Sonntag zur Abendmahlsfeier zusammen. Unser Foto entstand bei der Weihnachtsfeier. © Marcel Drawe

Einzelne Gemeindemitglieder gehen dazu nach vorne und berichten, wieso sie an die Existenz des Heiligen Geistes glauben. Dazu schildern sie besondere geistige Erlebnisse, die sie in jüngster Zeit gehabt haben. An diesem Tag sind es drei Gemeindemitglieder, die ihren Glaubensgeschwistern mitteilen, wieso sie sich in ihrer Gemeinschaft wohlfühlen.

Nach einer knappen Viertelstunde sind dann auch der Priester und die junge Frau zurück. Sie ist jetzt offiziell aufgenommen in die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Für ihre kleine Tochter bedeutet das nicht automatisch, dass sie auch getauft wird: Erst beim Erreichen des achten Lebensjahres dürfen Kinder selbst entscheiden, ob sie getauft werden wollen oder nicht. Es ist ein weiterer Baustein des Glaubens der Kirche Jesu Christi, der sie von den anderen christlichen Kirchen unterscheidet.

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