Eigentlich war es klar: mit 500 Karten und zwei zeitversetzten Vorführungen war das Seniorenkino am Seniorentag ausverkauft. Der Film „Gestorben wird morgen“ traf den Nerv der Zuschauer.

Unna

, 03.08.2019, 21:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass nach einem Kinofilm applaudiert wird, ist selten geworden. Dass schon während des Films geraunt, gelacht und geseufzt wird, ist noch seltener. Doch dass nach einem Kinofilm Zuschauer sich bei der Regisseurin bedanken und mit ihr zusammen über die Stadtentwicklung für Senioren diskutieren – das dürfte im Kinorama noch nie vorgekommen sein.

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Der Film „Gestorben wird morgen“ von Susan Gluth sorgte für diese Premiere – und für zwei weitere noch dazu. „Wir haben heute zum ersten Mal zwei Säle im Seniorenkino ausverkauft“, freute sich Morris Rödiger, Assistent der Theaterleitung, bevor er stolz ankündigte: „Und passend dazu ertönt jetzt gleich vor dem Film zum ersten Mal unser Gong.“

Ausverkauftes Haus beim Seniorenkino und die Erkenntnis: Ja, Alter kann Glück sein!

Ausverkauftes Haus beim Seniorenkino: Morris Rödiger vom Kinorama Unna hat allen Grund zur Freude. © Anna Gemünd

Es passte zur Stimmung im Kinosaal 1, dass vor Beginn des 75-minütigen Dokumentarfilms ein Gong ertönte: Ein bisschen feierlich, ein bisschen aufgeregt – so lässt sich die Atmosphäre im Saal am besten beschreiben. Viele Zuschauer waren das erste Mal seit vielen Jahren wieder in einem Kino, viele wurden von Kindern oder Enkelkindern begleitet – und sie alle waren gespannt auf den bewusst zum Seniorentag ausgewählten Film, der einen unverblümten Blick aufs Älterwerden versprach.

Seniorenkino

Die nächsten Filme

  • Nur ausnahmsweise fand das Seniorenkino an einem Samstag statt, um mit dem Seniorentag in der Innenstadt kooperieren zu können. Die nächsten Vorstellungen finden wieder wie gewohnt donnerstags statt.
  • Am 5. September läuft „Dancing Queens“ und am 3. Oktober wird „Edie - Für Träume ist es nie zu spät“ gezeigt“. Beide Filme beginnen jeweils um 14 Uhr.
  • Karten für die Vorstellungen inklusive Sekt, Kaffee und Gebäck gibt es für sieben Euro im Kinorama Unna. Es empfiehlt sich ein frühzeitiger Kartenkauf: Für die September-Vorstellung sind bereits 150 Karten, für Oktober schon 50 Karten verkauft.

Über mehrere Jahre hat Susan Gluth Senioren in der amerikanischen Seniorenstadt „Sun City“ begleitet und sie zum Älter werden befragt – und dabei zugesehen. Für herzhaftes Lachen im Kinosaal sorgten Szenen wie die der 87-jährigen Olive, die zwar langsam dement wird, sich aber ihre Bewegungsfreiheit nicht nehmen lässt und frei heraus und schelmisch lächelnd bekennt: „Ich bin doch hier, um Unfug zu machen.“

Verständnisvolles Raunen, als die Kamera dabei ist, wie sich eine Seniorin im Pflegeheim so sehr über ihre Freundinnen freut, die zu Besuch kommen, dass sie sich vor lauter Aufregung übergeben muss. Und Abraham, der 102-jährige Senior, der täglich die Internetseite seines Enkels besucht und dazwischen ein bisschen Hanteln stemmt, scheint sofort der Liebling des Unnaer Publikums zu sein.

Wie ein roter Faden zieht sich die positive Lebenseinstellung aller Senioren durch den Film – auch wenn ihre Art, zu leben, längst nicht repräsentativ ist: „Sun City“ ist eine reine Seniorenstadt; erst wer über 55 Jahre alt ist, darf hier Wohneigentum fürs Alter erwerben. „Wir sind hier hingezogen um zu sterben“, bringt es eine der Protagonistinnen auf den Punkt.

„Es ist nicht in Gold aufzuwiegen, was Sie hier auf die Beine stellen.“
Regisseurin Susan Gluth über das Seniorenkino

Ist so etwas in Deutschland möglich, eine Stadt nur für Senioren? Will man so überhaupt im Alter leben? Diese Fragen stellt sich unweigerlich, wer den Film gesehen hat – und Susan Gluth diskutierte sie nur zu gerne mit ihren Zuschauern. Auf Einladung des Kinorama Unna war die Regisseurin bei der Vorführung anwesend. Bevor sie sich jedoch den Fragen der Zuschauer stellte, lobte sie erstmal das Projekt „Seniorenkino“: „Es ist nicht in Gold aufzuwiegen, was Sie hier auf die Beine stellen“, sagte sie an Morris Rödiger gerichtet.

Als sie vor 15 Jahren mit den Recherchen für den Film begonnen habe, sei es unmöglich gewesen, in Europa dafür Protagonisten zu finden. „Einen Kinofilm übers Altwerden zu drehen, dafür konnte ich hier niemanden begeistern – umso mehr freut es mich, dass Sie heute durch Ihre Anwesenheit gezeigt haben, dass man Leute doch dafür begeistern kann“, sagte Gluth.

„Nur mit alten Menschen zusammen zu sein, das kann es nicht sein. Ich denke, dass das Zusammenspiel von Jung und Alt gerade im Alter wichtig ist.“
Ein Zuschauer in der Diskussionsrunde nach dem Film

Das Publikum zeigte sich nicht nur begeistert vom Film, sondern diskutierte auch rege mit. „Ich weiß für mich, dass ich so definitiv nicht leben möchte, wie es im Film gezeigt wurde. Nur mit alten Menschen zusammen zu sein, das kann es nicht sein. Ich denke, dass das Zusammenspiel von Jung und Alt gerade im Alter wichtig ist“, meinte ein Zuschauer – und bekam spontanen Applaus.

An der Diskussionsrunde nahm auch Unnas Seniorenbeauftragter Robin Rengers teil. Und der brachte auf den Punkt, worauf es beim Altwerden ankommt: „Ich freue mich, dass auch dieser Film zeigt, dass wir so langsam von dem Klischee wegkommen, dass im Alter alles schlechter wird. Auch wenn wir 25 Jahre alt sind, können wir Tiefpunkte haben und umgekehrt gibt es Dinge, die mit dem Alter besser werden. Ich weiß jetzt, wie ich alt werden möchte: Mit einem positiven Lebensgefühl.“

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