Alte Schätze retten oder ihnen ein zweites Leben schenken ist das Ziel des Repair Cafés. Seit mittlerweile fünf Jahren bieten Bastler im SpontUn Hilfe zur Selbsthilfe bei Geräten mit Problemen aller Art.

von Sebastian Pähler

Unna

, 06.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Versteckte Schrauben, fest verklebte Akkus oder nicht erhältliche Ersatzteile: Die Industrie macht es den Selbermachern immer schwerer, ihre Geräte eigenhändig in Schuss zu halten, anstatt bei jeder Gelegenheit ein neues zu kaufen. In Repair Cafés geben leidenschaftliche Bastler und erfahrene Experten den Besuchern Hilfe zur Selbsthilfe um diesem Trend entgegen zu steuern. Seit nunmehr fünf Jahren bieten auch die Grünen im SpontUn an der Wasserstraße jeden ersten Dienstag im Monat ein solches Repair Café an. Und das Interesse an der Hilfe aber auch am Helfen steigt stetig. Ein Vor-Ort-Besuch.

Reparieren statt entsorgen

Wilhelm Sommer zieht die Schrauben an einem klappbaren Rollstuhl wieder fest, Michael Beyer überprüft die Dichtungen an einer alten Kaffeemaschine, während Tobias Zaremba nach dem Fehler in einem Toaster sucht. „Wir machen das, weil wir es nicht einsehen, dass so viele Geräte weggeworfen werden, die eigentlich noch gut sind“, erklärt Carsten Hellmann, der sich gleichzeitig um die Datensicherung an einem Laptop kümmert.

Selber reparieren statt neu kaufen: Darum ist das Interesse am Repair-Café in Unna so groß

Wilhelm Sommer schraubt an einer Bremse eines Rollstuhls. © Marcel Drawe

Sie alle gehören zum festen Kern des Repair Cafés der Grünen. Neben dem idealistischen Ansatz machen das gemeinsame Basteln und das Lösen mitunter kniffeliger Probleme auch Spaß. So hatten sie beispielsweise einen 60 Jahre alten Diaprojektor da, an dem sie über mehrere Repair Cafés hinweg immer wieder gebastelt hatten, bis nach einigen Anläufen der Fehler schließlich gefunden war. „Man lernt immer voneinander“, berichtet Hellmann. „Wir schauen uns gegenseitig über die Schulter und manchmal hat einer eine blöde Idee, woran es liegen könnte und oft ist es das dann“.

Selber reparieren statt neu kaufen: Darum ist das Interesse am Repair-Café in Unna so groß

Bruno Fridrikas-Oltmanns (l.) und Mathias Hellmann werkeln an Laptops. © Marcel Drawe

So etwa bei einem Staubsauger, dem sich Hellmanns Bruder Mathias angenommen hat. Dieser saugt immer nur dann gut, wenn das Kabel auf einer bestimmten länge ausgerollt ist. Einen Kabelbruch vermutet Beyer, der unterdessen ein Radio aus den 50er-Jahren wieder zum Laufen zu bringen versucht. „Ich kann sowas schlecht wegwerfen, ich habe da eine Sammelleidenschaft“, berichtet Uschi Göbel-Drutschmann, die das Radio aus dem Nachlass ihres Vaters hat. Dass es Menschen mit dem richtigen Knowhow und der Bereitschaft zu helfen gibt, freue sie sehr, denn wie die meisten hat sie wenig Ahnung von der alten Elektronik. Manchmal stößt die Selbsthilfe eben an ihre Grenzen. Trotzdem sei man kein Reparaturdienst, wie Carsten Hellmann betont. Gelegentlich komme es vor, dass Leute glaubten, sie könnten ihre Gegenstände einfach abgeben und dann heile wieder abholen, aber so ist es eben nicht. Im besten Fall versucht man gemeinsam das Problem zu finden und der ein oder andere hat darüber seine Liebe zum Selbermachen entdeckt.

Selber reparieren statt neu kaufen: Darum ist das Interesse am Repair-Café in Unna so groß

Werkzeugkoffer im Repair-Café im SpontUN an der Wasserstraße: Hilfe zur Selbsthilfe. © Marcel Drawe

Für Beyer ist derweil nach einigen Tests klar, dass es am Gleichrichter liegt. Da er das Radio schon einmal auf dem Tisch hatte, hat er das passende Ersatzteil auch schon besorgt und bald ist wieder Rauschen aus den Lautsprechern zu hören. Einmal an die versteckten Schrauben gekommen, kann das Kabel vom Staubsauger gekürzt und der Bruch repariert werden.

Übliches und Außergewöhnliches

Staubsauger und Toaster sind kurioserweise die häufigsten Gegenstände, die die Bastler auf den Tisch bekommen. Computer sind überraschend selten, obwohl auch dafür alles Notwendige im SpontUn vorhanden ist. Auch Fahrräder und eigentlich alles Mögliche schauen sich die Bastler an. „Wir können nicht alles reparieren“, erläutert Hellmann, „aber wir können zumindest immer eine Einschätzung geben, ob sich eine Reparatur noch lohnt.

Selber reparieren statt neu kaufen: Darum ist das Interesse am Repair-Café in Unna so groß

Jeden ersten Dienstag im Monat wird im Repair-Café im SpontUN gebastelt, gewerkelt und geschraubt. © Marcel Drawe

Bei älteren Geräten ist es oft einfacher, denn die waren noch dazu ausgelegt, sie bei Bedarf reparieren zu können. Mittlerweile sei immer mehr verklebt, versteckt oder Ersatzteile seien nicht erhältlich. „Wir dürfen da wohl Absicht unterstellen“, meint Carsten Hellmann mit einem bitteren Lächeln. Allerdings sind es gerade auch die älteren Geräte, über deren Reparatur sich die Menschen am meisten freuen, da an denen oft Erinnerungen hängen.

Selber reparieren statt neu kaufen: Darum ist das Interesse am Repair-Café in Unna so groß

Anja Tetzlaff (links) und Conny Philipp gestalten in der Upcycling-Gruppe Gegenstände zu neuen Sachen um. © Marcel Drawe

Mittlerweile ist das Repair Café noch um ein besonderes Angebot gewachsen, denn die Damen vom „Upcycling“ haben sich seit gut einem halben Jahr mit dem Repair Café zusammengetan. Sie helfen nicht nur bei Problemen mit Nähmaschinen oder kaputter Kleidung, sondern verwandeln vor allem alte Textilien in neue, etwa Hemden in Hosen, Trachten in Kissen oder Jacken in Taschen. „Es ist sicher, dass es nicht so bleibt wie es ist“, stellt Conny Philipp fest. Früher hatte das Upcycling im SpontUn seinen eigenen Termin. Genau wie das Repair Café, der vegane Brunch oder die Kleidertauschbörde „Stoffwechsel“ beruht er auf einer Idee der der Gruppe „Aufbruch-Unna“. Mittlerweile hat es sich aber bewährt, die beiden Gruppen zusammen zu legen und so eine noch größere Bandbreite anbieten zu können.

Obwohl immer ein fester Kern von Bastlern am Repair Café teilnimmt, ist jeder Interessierte dazu eingeladen, das Team zu unterstützen.

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