Sebastian Kummer aus Unna erlebte als Segler eine Corona-Odyssee – jetzt gibt es das Buch

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Sebastian Kummer weiß, was das Niemandsland auf dem Mittelmeer ist. Er war auf einer Segel-Tour, als Corona kam und alle Häfen dicht machten. So erlebte der Unnaer ein besonderes Abenteuer.

Unna

, 21.09.2020, 20:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Menschen, die in Sebastian Kummers Situation geraten wären, hätten wohl verzweifelt. Vielleicht hätte sie das Selbstmitleid gepackt. Doch Sebastian Kummer, seit 2001 Leiter des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der Wirtschaftsuniversität Wien, bewies vor allem Ausdauer und Humor.

Der 57-Jährige, der in Unna geboren wurde, die Katharinen-Schule und das Pestalozzi-Gymnasium besuchte, ist leidenschaftlicher Segler. Sein Traum ist eine Weltumseglung – doch der ist bislang noch nicht wahr geworden. Dafür erlebte er ein Abenteuer der besonderen Art, von dem er nun gemeinsam mit Jens Brambusch auch in einem Buch erzählt.

Diesen Katamaran wollte Sebastian Kummer in die Türkei überführen. Er wurde länger als Gedacht zu seinem Zuhause.

Diesen Katamaran wollte Sebastian Kummer in die Türkei überführen. Er wurde länger als Gedacht zu seinem Zuhause. © Privat

Es war Mitte Februar, als Sebastian Kummer gemeinsam mit Freunden an der französischen Atlantikküste aufbrach, um einen Katamaran in die Türkei zu überführen. Für den passionierten Segler scheinbar keine so große Herausforderung.

Es sollte alles anders kommen – oder konkret: es kam Corona. Insbesondere Italien erwischte das Virus heftig. Sebastian Kummer und seine Crew ahnten, dass die Reise noch das eine oder andere Hindernis bieten könnte.

Crew fliegt von Mallorca in die Heimat

Als der Katamaran an Mallorcas Küste festmachte, stand fest: Die Crew würde die Möglichkeit zum Rückflug nutzen. Kummer würde den Rest der Reise allein antreten – ausgestattet mit ausreichend Lebensmitteln.

Nach Italien machen auch Griechenland und die Türkei ihre Grenzen dicht. Für Sebastian Kummer beginnt eine Zeit der Ungewissheit, die er auf dem Meer verbringt. Der Unnaer selbst spricht von der „schönsten Quarantäne der Welt“.

Die schönen Seiten der Corona-Tour: Sonnenuntergänge konnte Sebastian Kummer genießen.

Die schönen Seiten der Corona-Tour: Sonnenuntergänge konnte Sebastian Kummer genießen. © Privat

Immer wieder sieht Sebastian Kummer die Sonne am Horizont aufgehen und abends wieder im Meer versinken. Tag um Tag vergeht – und der Segler muss sehen, wo er bleiben kann. Aus griechischen Gewässern wird er von Polizisten vertrieben, die sogar eine Maschinenpistole ziehen.

Ein Stück Sicherheit im Niemandsland

Irgendwann erreicht Sebastian Kummer ein Stück Niemandsland, in dem er sich einigermaßen sicher fühlen kann. Aus der Türkei bekommt er Informationen zur jeweils aktuellen Lage. Mal gibt es Hoffnung, Kummer packt schon alles zusammen. Dann aber wird auch diese Hoffnung wieder zunichte gemacht, der Segler muss weiter warten.

Langeweile bekommt der 57-Jährige nicht. Er nimmt seine Situation an, treibt Sport, schwimmt im Mittelmeer, arbeitet. Sparsam muss er am ehesten mit dem Trinkwasser sein. Tägliches Duschen ist nicht drin, aber das ist zu diesem Zeitpunkt nicht das Wichtigste.

Das Buch

Taschenbuch auch bei Hornung

„Mit Kummer ohne Sorgen“ ist am 28. August bei kdp-Amazon erschienen. Das Gemeinschaftswerk von Sebastian Kummer und Jens Brambusch ist als Taschenbuch für 16,90 Euro (ISBN 9798-6674-731-83) bestellbar, aber auch in der Buchhandlung Hornung am Markt 6 in Unna zu bekommen. Es gibt auch ein e-Book (Kindle) für 9,90 Euro.

Doch selbst die Odyssee, von der Kummer in seinem Buch „Mit Kummer ohne Sorgen“ ebenso lebendig wie humorvoll erzählt, ist irgendwann vorbei. Kummer kann den Katamaran ausliefern, der so lange sein Zuhause war. Und wer glaubt, der Unnaer hätte dann einen Rückflug nach Wien gebucht, der irrt: Der Mann startet gleich seinen nächsten Segeltörn in Richtung Kroatien.

Sebastian Kummer erlebte das Mittelmeer so intensiv, wie es wohl nur wenige tun.

Sebastian Kummer erlebte das Mittelmeer so intensiv, wie es wohl nur wenige tun. © Privat

Sebastian Kummer hat das Mittelmeer so intensiv gespürt wie kaum jemand sonst. Er hat die Folgen der Corona-Pandemie hautnah zu spüren bekommen, ohne selbst vom Virus bedroht zu sein. Und er hat gemeinsam mit Jens Brambusch ein Buch über dieses so besondere Abenteuer geschrieben, das die Leser fesselt. Und das, obwohl er vorher nur Fachbücher geschrieben hat. Die Lust am Segeln ist nicht geringer geworden – und die Weltumsegelung steht ja schließlich noch aus.

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