Schweinepest macht die Bratwurst in Unna deutlich teurer

dzPreiserhöhung

Die Bratwurst auf dem Unnaer Wochenmarkt ist teurer geworden – und das gleich um 50 Cent. Auch im Senfladen ist der Preis gestiegen. Ein Grund ist die Afrikanische Schweinepest.

Unna

, 21.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem Schild weist der Fleischer-Marktstand Rümo auf die angezogenen Preise für die Wurstwaren hin: Aufgrund steigender Nebenkosten und Rohstoffpreise der Lieferanten seien die Betreiber des Marktstandes gezwungen, auch ihrerseits die Preise anzupassen, heißt es dort.

Statt 2,50 Euro im Vorjahr kostet die Bratwurst nun 3 Euro – ein vergleichsweise großer Preissprung. Für Mitarbeiter Moritz Abel ist das eine logische Konsequenz: „Wenn der Metzger die Preise erhöht, müssen wir nachziehen,“ sagt er. „Der Kunde ist leider der letzte in Kette.“ An ihn werden die Preise weitergegeben.

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Kunden haben meist Verständnis für die höheren Preise

Das ist nicht lange unbemerkt geblieben: „Einige Gäste haben nachgefragt, warum die Preise gestiegen sind, die meisten hatten aber Verständnis und kaufen ihre Wurst trotzdem“, sagt Abel.

So auch ein Kunde, der öfter beim Stand von Rümo vorbeikommt. „Die 3 Euro hab ich noch“, so sein knappes Resümee.

Anders sieht das ein Marktbesucher, der an diesem Tag aus dem Sauerland nach Unna gekommen ist. „3 Euro für eine Wurst halte ich für grenzwertig“, sagt er. In anderen Städten, gerade zur Weihnachtsmarktzeit, habe er auch schon Preise von 4 Euro pro Wurst gesehen. „Dann kaufe ich aus Protest keine“, sagt er.

„Drei Euro für eine Wurst halte ich für grenzwertig.“
Kunde am Marktstand von Rümo

Dennoch wisse er als Verbraucher, dass die erhöhten Preise keine Mutwilligkeit der Fleischhändler sind. „Die müssen ja auch von etwas leben.“ Und dem Schweinemäster den Preis zahlen, den ein Kilo Schlachtgewicht derzeit auf dem Markt hat.

Landwirte-Vorsitzender: Globalisierung bestimmt den Preis mit

Das ist mehr als noch im Vorjahr: „Da lag der Preis bei 1,50 Euro pro Kilo. Jetzt sind es 2,05 Euro. Diese Steigerung ist schon faszinierend“, sagt Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe. Warum das so ist, weiß er auch. Dafür seien nicht nur steigende Rohstoffpreise verantwortlich: „Wir leben in einer globalisierten Welt“, sagt er. „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.“

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Und die Nachfrage sei derzeit besonders hoch – nicht unbedingt aus Deutschland, dafür aber etwa aus China. Die dort grassierende afrikanische Schweinepest habe den Markt des weltweit größten Schweinefleischproduzenten um ein Drittel zusammenbrechen lassen. In der Folge werde viel aus dem Ausland, besonders aus Deutschland, importiert. Das reguliere auch hier den Marktpreis.

Anett Kyncl auf dem Unnaer Senfladen präsentiert die beliebte Bratwust, die nun 50 Cent mehr kostet, aber auch mehr Gewicht hat.

Anett Kyncl auf dem Unnaer Senfladen präsentiert die beliebte Bratwust, die nun 50 Cent mehr kostet, aber auch mehr Gewicht hat. © Vivien Nogaj

Was wiederum der Verbaucher zu spüren bekommt, auch im Unnaer Senfladen. Damit dieser sich dort nicht zu sehr über die steigenden Bratwurstpreise ärgern muss, hat sich Inhaberin Anett Kyncl einen Kompromiss einfallen lassen: Zwar koste die Bratwurst mit 3 Euro statt 2,50 Euro jetzt mehr, aber dafür ist sie auch größer. „Unsere Wurst wiegt statt 100 Gramm nun 125 Gramm.“

Für die meisten Kunden zählt der Geschmack

Bei Rümo auf dem Markplatz ist das Gewicht der Bratwurst trotz Preiserhöhung gleich geblieben. Aber hier ist man sich, genau so wie im Unnaer Senfladen, sicher: Was wirklich zählt, ist der Geschmack. Und der ist es den meisten Kunden wert, auch 50 Cent mehr zu zahlen.

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