Schulentwicklung: Berater der Stadt Unna widersprechen sich

dzSchülerzahlen

Kein Platz an Unnas Schulen: Eigentlich müsste schnell gehandelt werden. Doch wie sehr die Handlungsempfehlungen der Realität hinterherhinken, zeigt allein der Blick in den aktuellen Prüfbericht des Landes.

Unna

, 17.10.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Steigende Einschulungszahlen an den Grundschulen, die Wiedereinführung des neunjährigen Wegs zum Abitur und teilweise schon jetzt zu wenig Räume für immer mehr Schüler: Das, was die Schulberater Unnas Politik jetzt präsentiert haben, zeigt deutlich: Es muss schnell gehandelt werden, wenn die Pädagogik nicht leiden soll. Noch deutlicher brachte es Schillerschulleiter Matthias Landsberg auf den Punkt: „Es passt hinten und vorne nicht.“

Umso seltsamer mutet da an, was sich als Handlungsempfehlungen im aktuellen Prüfbericht der Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein Westfalen (GPA) für Unna wiederfindet: „Die Stadt Unna sollte bei Schulen mit Flächenüberhang Raumdokumentationen für den Bestand nach tatsächlicher Nutzung und Auslastung erstellen. Dadurch können die rechnerisch ermittelten Flächenüberhänge konkretisiert werden. Diese Flächen können anschließend für außerschulische Nutzungen bereitgestellt werden“ heißt es da beispielsweise. Das, was Schulberaterin Ulrike Lexis im Schulausschuss riet, klang gänzlich anders: Die Stadt sollte die Fremdnutzung in den Schulgebäuden überprüfen und beseitigen, da die schulische Nutzung „absoluten“ Vorrang habe.

Raumanalyse der Grundschulen

Die Ergebnisse im Zwischenbericht

Die von den Schulberatern Dr. Grabe & Lexis ermittelten Raumbedarfe der Unnaer Grundschulen sind ein Flächensaldo, der durch das Addieren der vorhandenen Raumgrößen entstanden ist. Ob der jeweilige Raum als Klassen-, Lehrer- oder Inklusionsraum genutzt wird, spielte dabei keine Rolle. Die Ergebnisse der einzelnen Schulen:
  • Grundschule am Friedrichsborn: 59 Quadratmeter zu wenig (bei drei Zügen)
  • Falkschule: 14 Quadratmeter Überhang
  • Grilloschule: 106 Quadratmeter Überhang
  • Grundschule Hemmerde: 61 Quadratmeter zu wenig
  • Liedbachschule: 128 Quadratmeter zu wenig
  • Grundschule Lünern: 36 Quadratmeter zu wenig
  • Nicolaischule: 10 Quadratmeter zu wenig
  • Osterfeldschule: 186 Quadratmeter zu wenig
  • Schillerschule: 29 Quadratmeter zu wenig (bei zwei Zügen)
  • Sonnenschule: 11 Quadratmeter zu wenig
  • Katharinenschule: 195 Quadratmeter zu wenig

Auf bis zu drei Klassenräume, die rein rechnerisch allein an der Katharinenschule fehlen, um den geforderten Mindeststandard zu erfüllen, kamen die Schulberater in ihrer Überprüfung. Ähnlich dramatisch sei die Raumnot an der Osterfeld- und Liedbachschule. Ein Problem, das sich aus Sicht der Schulberater noch verschärfen werde, denn für das Jahr 2023 ergibt sich anhand der Geburtenzahlen ein Einschulungsjahrgang von 535 Kindern – so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Der GPA-Prüfbericht hingegen geht bereits für das Schuljahr 2021/22 von weniger Grundschülern aus als noch im Schuljahr 2014/15. Diese Annahme führt zu der Empfehlung der Prüfer, die Stadt Unna solle eine Strategie entwickeln, „welche der Grundschulstandorte auf Grund zurückgehender Schülerzahlen langfristig erhalten werden sollen.“ Der Bericht, der diese Empfehlungen enthält, liegt der Stadtverwaltung und Politik seit Oktober 2017 vor. Die Prüfungen, die zu den Handlungsempfehlungen führten, wurden von Oktober 2016 bis März 2017 durchgeführt – also deutlich vor den Untersuchungen der Schulberater, die mit der aktuellen Schulentwicklungsplanung beauftragt sind und zu einer ganz anderen Einschätzung kommen.

Noch in der letzten Schulentwicklungsplanung war Unna ein Schülerrückgang von 20 Prozent prognostiziert worden. Seit 2014 drehen sich die Zahlen jedoch. Auch der GPA-Bericht deutet dies an, spricht aber dennoch Empfehlungen aus, die nach wie vor auf einem angenommenen Schülerrückgang basieren. Dies zeigt sich auch im Bereich der weiterführenden Schulen.

Schulentwicklung: Berater der Stadt Unna widersprechen sich

Die Schulberater gehen aktuell von steigenden Schülerzahlen an der Hellweg-Realschule aus. © UDO HENNES

Während die Schulberater um Ulrike Lexis ein Raumkonzept für die Hellweg-Realschule empfahlen und es begrüßten, dass für diese ein Neubau geplant werde, geht der GPA-Bericht von sinkenden Realschülerzahlen aus. „Sinkt die Anzahl der Realschüler nach dem Schuljahr 2021/2022 mit 582 Schülern planmäßig weiter, sind Flächenpotenziale auch bei der Hellweg Realschule zu erwarten“ ,so die GPA-Prüfer. Demgegenüber stehen die nach den aktuellen Einschulungszahlen prognostizierten Schülerzahlen der Schulberater gegenüber: 610 Schüler würde die Hellweg-Realschule demnach im Jahr 2022 zählen; Tendenz steigend.

Raumanalyse

Die Ergebnisse im Zwischenbericht

Die von den Schulberatern Dr. Grabe & Lexis ermittelten Raumbedarfe der weiterführenden Schulen sind ein Flächensaldo, der durch das Addieren der vorhandenen Raumgrößen entstanden ist. Ob der jeweilige Raum als Klassen-, Lehrer- oder Inklusionsraum genutzt wird, spielte dabei keine Rolle. Die Ergebnisse der einzelnen Schulen:
  • Hellweg-Realschule: 73 Quadratmeter zu wenig
  • Peter-Weiss-Gesamtschule: 140 Quadratmeter Überhang
  • Werner-von-Siemens-Gesamtschule: 72 Quadratmeter zu wenig
  • Ernst-Barlach-Gymnasium: 500 Quadratmeter Überhang bei drei Zügen, 250 Quadratmeter zu wenig bei vier Zügen
  • Pestalozzi-Gymnasium: 188 Quadratmeter Überhang bei drei Zügen, 638 Quadratmeter zu wenig bei vier Zügen
  • Geschwister-Scholl-Gymnasium: 545 Quadratmeter Überhang

Und auch bei den Gymnasien weichen der Zwischenbericht der Schulentwicklungsplaner und der GPA-Prüfbericht deutlich voneinander ab: Durch die Wiedereinführung von G 9 in Verbindung mit den insgesamt steigenden Schülerzahlen sehen die Schulberater Platzprobleme an Gymnasien voraus: Alle drei Unnaer Gymnasien seien für vier Züge pro Jahrgang zu klein. Dagegen die Feststellung im GPA-Prüfbericht: „Die sinkenden Schülerzahlen in der Gesamtbetrachtung lassen künftig auch weitere Flächenüberhänge an den Gymnasien erwarten.“

Dass die aktuell präsentierten Zahlen im Zwischenbericht der Schulentwicklungsplanung wesentlich größeren Einfluss auf die Planungen für Unnas Schulsystem haben dürften als die Empfehlungen aus dem GPA-Bericht, ist erwartbar. Handelt es sich bei dem GPA-Bericht zwar um eine Überprüfung der Ist-Situation in einer Gemeinde, die ausgesprochenen Empfehlungen haben jedoch keinen Weisungs-Charakter, sondern vielmehr als Beratung, wo eine Kommune wirtschaftlicher arbeiten könnte.

Zur Schulentwicklungsplanung verpflichtet

Zur Aufstellung einer Schulentwicklungsplanung dagegen ist die Stadt nach Paragraf 80 des Schulgesetzes in Nordrhein-Westfalen verpflichtet. Der Schulentwicklungsplan der Stadt Unna wurde zuletzt im Jahr 2014 anlassbezogen für den Bereich der weiterführenden Schulen fortgeschrieben und Ende des gleichen Jahres um ein Kurzgutachten zum Schulraumbedarf der Grundschulen in Unna-Mitte erweitert. Aktuell läuft die Fortschreibung dieses Planes. Bei den im Schulausschuss Anfang Oktober präsentierten Ergebnissen handelt es sich um einen ersten Zwischenbericht.

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