Schüleraustausch in Zeiten des Brexit: Das EBG knüpft neue Kontakte in Europa

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Spanien statt Großbritannien, Kroatien statt Frankreich: Die neuen Partnerschulen des Ernst-Barlach-Gymnasiums spiegeln die europapolitischen Realitäten. Und sie zeigen: Der Europagedanke ist wichtiger denn je.

Unna

, 02.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob und wann die Briten die Europäische Union tatsächlich verlassen, vermag wohl niemand derzeit verlässlich zu sagen. Sicher ist dagegen: Einen Austausch mit einer britischen Partnerschule wird es am Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG) so schnell nicht wieder geben. Bereits seit einigen Jahren ist der Kontakt weggebrochen und Bestrebungen seitens des EBG, den Austausch wieder aufleben zu lassen, stoßen jenseits des Ärmelkanals auf wenig Interesse. Umso mehr Hoffnung setzt die Schule daher auf zwei neue Kontakte in Europa.

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Eine hippe Weltstadt und eine ehemalige Bergarbeiterstadt, die mit dem Strukturwandel kämpft: Die Städte, in denen die beiden neuen Partnerschulen des EBG stehen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Von beiden versprechen sich Schulleiter Ulrich Schmitz, sein Stellvertreter Lars Hesse und Kollege Bastian Schlatter jedoch viel, um den Europagedanken im Schulprogramm ihrer Schule noch fester zu verankern.

„Das ist für Eltern und Schüler hochattraktiv, das merken wir bei den Tagen der offenen Tür immer wieder.“
Ulrich Schmitz, EBG-Schulleiter, über Spanisch als zweite Fremdsprache

Bereits im Januar bekommen EBG-Schüler des 8. Jahrgangs Besuch aus Barcelona. „Das ist für uns ein Riesengewinn, dass wir nun einen Austausch für die Spanischschüler anbieten können“, freut sich Schulleiter Schmitz. Als einzige weiterführende Schule in Unna bietet das EBG seinen Schülern die Möglichkeit, Spanisch als zweite Fremdsprache zu erlernen. „Das ist für Eltern und Schüler hochattraktiv, das merken wir bei den Tagen der offenen Tür immer wieder“, sagt Schmitz. Im März soll der Gegenbesuch in der spanischen Metropole erfolgen. Die aktuellen Unruhen in der katalonischen Region hat die Schule dabei natürlich im Blick, zeigt sich aber gelassen. „Das tritt punktuell auf und wir haben auch schon mit unserer neuen Partnerschule darüber gesprochen. Die positionieren sich da ganz klar: Sie seien Katalanen und Spanier“, sagt Lars Hesse.

Schüleraustausch in Zeiten des Brexit: Das EBG knüpft neue Kontakte in Europa

Labin hat eine rege Bergbaugeschichte: Jahrzehntelang wurde in der ostkroatischen Stadt Kohle gefördert. Derzeit läuft ein umfassender Strukturwandelprozess an. © Hesse/EBG

Er hat auch die zweite neue Kooperation angestoßen, die allerdings in die ganz andere Richtung Europas geht: In Labin im Osten Kroatiens steht die Partnerschule des EBG, von der sich Hesse einen spannenden Austausch erhofft. Denn die Gemeinsamkeiten mit Unna und dem Ruhrgebiet sind groß: Jahrzehntelang wurde in Labin Kohle gefördert; momentan kämpft die Stadt mit dem Strukturwandel. „Da werden wir viele Anknüpfungspunkte haben“, sagt Hesse. Die neue Kooperation startet zunächst mit einem gemeinsamen Erasmus-Projekt; langfristig steht aber auch hier ein Austausch als Ziel.

Schüleraustausch in Zeiten des Brexit: Das EBG knüpft neue Kontakte in Europa

Der stellvertretende Schulleiter des EBG, Lars Hesse (2. von rechts), unterzeichnete in den Herbstferien den Kooperationsvertrag mit der Schule im kroatischen Labin. © Hesse/EBG

Zusammen mit dem bereits bestehenden Schüleraustausch mit zwei Schulen in Polen und der Slowakei verlagert sich der Schwerpunkt der Partnerschulen mit der neuen Kooperation in Labin eindeutig nach Osteuropa. Ulrich Schmitz will darin keinen Trend sehen, vielmehr gehe es darum, generell den Europagedanken zu stärken. Dass Partnerschaften mit Großbritannien und Frankreich wegbrechen, habe unterschiedliche Gründe.

„Mit Palaiseau ist es leider so, dass die Person, die sich auf französischer Seite um den Austausch gekümmert hatte, nicht mehr da ist. Und da merkt man dann schnell, wie sehr so etwas an den Personen hängt, die bereit sind, sich um den jeweiligen Austausch zu kümmern“, sagt Schmitz. Fahrten nach Frankreich seien aber weiterhin angedacht, um den Schülern, die Französisch als zweite Fremdsprache gewählt haben, diese Sprachpraxis zu ermöglichen.

Schüleraustausch in Zeiten des Brexit: Das EBG knüpft neue Kontakte in Europa

Die Schule in Labin und das EBG werden zunächst im Rahmen eines Erasmus-Projektes zusammenarbeiten. © Hesse/EBG

Eine Partnerschule in Großbritannien zu finden, scheint da ungleich schwieriger – und das auch schon vor dem Brexit-Chaos. Insgesamt habe das Interesse, Deutsch als Fremdsprache zu lernen, in Europa in den vergangenen Jahren stark nachgelassen. „Die Zahl der englischen Schulen, die Partnerschulen in Deutschland suchen, liegt im einstelligen Bereich“, weiß Bastian Schlatter. Dass diese Zahl steigen wird, wenn die Briten tatsächlich aus der EU ausgetreten sind, darf bezweifelt werden. Da machen Barcelona und Labin eindeutig mehr Mut.

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