Im Amtsgericht Unna saß jetzt ein Mann aus Fröndenberg auf der Anklagebank. In einem Punkt wurde er freigesprochen. © picture alliance / dpa
Gerichtsprozess in Unna

Schraubendreher in der Brust: Streit um Parkplatz eskaliert in Unna

Der Streit um einen privaten Parkplatz eskaliert am 27. Juni in einer Wohnsiedlung in Unna heftig. Am Ende trägt ein Mann eine Stichverletzung an der Brust davon, ein zweiter Beteiligter kassiert im Gericht zehn Monate Haft.

Der Tattag ist ein Sonntag. Der Angeklagte, 66 Jahre alt, Rentner, will etwas an sein Fahrrad montieren. Dafür stellt er es an seinen Wagen. Direkt daneben steht ein Fahrzeug, das unerlaubterweise auf einem Privatplatz geparkt hat. Als der Fahrer auftaucht, weißt ihn der Rentner direkt darauf hin.

Als die Beteiligten im Amtsgericht Unna erneut aufeinander treffen, gehen ihre Aussagen bezüglich des weiteren Verlaufs des Geschehens auseinander. Der Rentner erklärt, dass der Geschädigte aufgebracht gewesen sei. Er habe das Fahrrad des Rentners geschnappt und hinter sein Auto geschmissen. Dann sei er plötzlich bedrohlich auf ihn zugekommen, woraufhin der 66-Jährige die Arme gehoben habe, um einen möglichen Angriff abzuwehren. Er habe noch seinen Schraubendreher in der Hand gehalten. Damit habe er den 47-Jährigen oberhalb der linken Brust verletzt: „Das wollte ich natürlich nicht. Ich wollte ihn nicht verletzen.“

Zwei Versionen der Geschichte

Die Version des Geschädigten, der als Zeuge aussagt, klingt völlig anders. Der 47-Jährige gibt zu, unerlaubterweise auf einem Privatparkplatz gestanden zu haben. Der Angeklagte habe sich hinter seinen Wagen gestellt, seinen Fuß unter den Reifen gestellt und gedroht, den 47-Jährigen zu schlagen, wenn er losführe. Daraufhin sei er ausgestiegen, so der Geschädigte. Er habe das Fahrrad zur Seite stellen wollen. Da sei der Angeklagte schon auf ihn los und habe ihm eine Stichverletzung zugefügt. Die Frau des Geschädigten gibt im Zeugenstand an, ihr Mann sei nicht auf den Angeklagten zu, sondern umgekehrt. Der 47-Jährige zieht sich neben der Stichwunde auf Brusthöhe zudem einen Kratzer nahe der Nieren zu.

Die Staatsanwaltschaft glaubt den Zeugen und fordert zehn Monate Haft auf Bewährung. Der Verteidiger will einen Freispruch, mit der Begründung, sein Mandant habe nicht vorsätzlich gehandelt. Der Richter schießt sich letzte der Vertreterin der Staatsanwaltschaft an. Er verurteilt den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten Haft, setzt diese zur Bewährung aus. Als Auflage muss der Unnaer 1200 Euro an den Weißen Ring zahlen. Der 66-Jährige habe billigend in Kauf genommen, sein Gegenüber mit dem Schraubendreher zu verletzen. Damit seien Vorsatz gegeben und eine gefährliche Körperverletzung verwirklicht.

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