Bei den Abbrucharbeiten an der Viktoriastraße kommt schweres Gerät zum Einsatz. Das markante Gebäude der alten Pflugfabrik fällt. Es wächst die Hoffnung auf neue Entwicklungen „auf Victoria“.

Unna

, 28.01.2020, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem eigentlichen Abbruch alter Gebäude gehen heute lange und vergleichsweise stille Vorarbeiten voraus. Schon seit Dezember werden die Gebäude der ehemaligen Pflugfabrik Hildebrand an der Viktoriastraße entrümpelt und entkernt, wird das herausgeholte Material nach Sorten getrennt.

Jetzt allerdings fährt die Abbruchfirma schweres Gerät auf: Der Bagger knabbert die Gemäuer weg. Der nötige Sicherheitsabstand zur Viktoriastraße macht dort seit Dienstagmorgen eine Baustellenampel nötig.

Problemimmobilie mit Arsen- und PAK-Belastung

Die Abbrucharbeiten nehmen Unna eine zwar historische, aber auch problematische Bausubstanz. 1990 kaufte der Trägerverein der heutigen Werkstatt im Kreis Unna die Fabrikgebäude auf einem 5.500 Quadratmeter großen Grundstück. Kurz darauf aber wurde ein Teil des Verkaufes wieder rückgängig gemacht, weil auf dem Grundstück hohe Bleastungen mit Arsen und Polyzyklisch-Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) vorlagen.

„Eine Nutzung für Gewerbeansiedlungen ist unkritisch, aber eine Wohnbebauung wäre nur nach Bodenaustausch möglich“, gibt Werkstatt-Geschäftsführer Herbert Dörmann eine Einordnung des Problems.

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Ihn selbst braucht es nicht mehr zu kümmern, denn die Werkstatt ist buchstäblich raus: Der Bildungsträger hat wenige Meter weiter an der Viktoriastraße einen Neubau errichtet und die Räume in der alten Pflugfabrik aufgegeben.

Was die Werkstatt dabei zurückgelassen hat, war eine Immobilie ohne Zukunft. Angesichts der unklaren Entwicklungsperspektiven für die Grundstücke zwischen Viktoriastraße und Bahnlinie habe man seit zehn Jahren nicht mehr investieren können, und so hätte sich in den Gebäuden ein entsprechender Sanierungsstau ergeben, erklärt Dörmann noch.

„Victoria“-Eigentümer Schnitger kauft auch die Pflugfabrik

Dennoch war es der Werkstatt gelungen, die Liegenschaft mit der Perspektive eines Abrisses zu verkaufen. Neuer Eigentümer ist eine Entwicklerin mit dem Namen KUTUN Immobilien GmbH und Co. KG, die auch Abbruch und Altlastensanierung übernimmt. Hinter dieser Gesellschaft stehen Johannes-Peter Schnitger und seine Beese-Stiftung, also die Eigentümer des größeren Nachbargrundstücks (ehemals Westebbe & Weispfennig).

Schnitger schlägt zu: Auf der Victoria-Fläche räumen Bagger das Baufeld frei

Die Victoria-Fläche und das Gelände der früheren Pflugfabrik Hildebrand ergeben eine riesige Ansiedlungsfläche in verkehrsgünstiger Lage zwischen Bahnlinie und Viktoriastraße. © www.blossey.eu

Wie aus einer gemeinsamen Presseerklärung von KUTUN und Werkstatt hervorgeht, arbeitet die neue Eigentümerin an einem Nutzungskonzept, das aber offenbar noch mit der Stadt abgestimmt werden muss. Ziel sei es, der Fläche eine „hochwertige und zeitgemäße Nutzung“ zu geben. Die Lage sei hervorragend, auch wenn die Fläche schon sehr lange brach liegt. Zitat der Firma KUTUN: „Sobald es ein ganzheitliches Konzept für die Victoria-Fläche gibt, werden wir es gern den Bürgern, der Presse und dem Rat der Stadt Unna vorstellen. Hierzu bitten wir um etwas Geduld, da wir an einer behutsamen, städtebaulich aufwertenden und vielseitigen Entwicklung für das Areal interessiert sind.“

Hoffen auf eine „große Lösung“ für die Fläche

Der Begriff der „Victoria“ ist in Unna inzwischen geläufiger als die ursprünglichen Nutzungen. Er geht zurück auf den gescheiterten Versuch, nördliche der Innenstadt ein großes Einkaufszentrum zu errichten. Pläne für die „Victoria-Passagen“ waren von Politik und Verwaltung in den 1990er-Jahren zunächst gefeiert worden. Dann allerdings regte sich Protest bei den Händlern aus Unna, die mit Verweis auf das Allee-Center in Hamm auch für Unna den Tod der Innenstadt voraussagten.

Die Stimmung in Unna drehte sich, und die Stadt nutzte ihre planungsrechtliche Hoheit über die Fläche vor allem dafür, das Projekt Victoria zu verhindern. Eigentümer Schnitger, einst Gründer der Baumarktkette Hellweg, schien die Fläche danach lange Zeit nicht mehr zu interessieren.

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Erst in den zurückliegenden Jahren kehrten Stadt und Eigentümer wieder zu einer Zusammenarbeit zurück. Unnas Bewerbung als Standort der neuen Sparkassenakademie war zwar in der Sache erfolglos, brachte aber Schnitger und die Bauverwaltung erstmals nach langer Gesprächspause wieder an einen Tisch. Zuletzt hatte Schnitger einen Bebauungsplan für ein Bürogebäude beantragt, dessen erhoffter Nutzer Uniq („Urlaubsguru“) dann aber seine Umzugspläne auf Eis legte. Mit dem Ankauf des Nachbargrundstückes, auf dem bis 1975 die Pflugfabrik Ewald Hildebrand ansässig war, ergibt sich die grundsätzliche Möglichkeit, die Entwicklung der Gesamtfläche „größer“ zu denken.

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