Schnelle Hilfe für sozial benachteiligte Schüler: GEW ruft zur Spendenaktion auf

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Die Lehrergewerkschaft GEW Unna und die „Stiftung Zukunft“ der Sparkasse Unna Kamen nehmen Geld in die Hand: Es soll unkompliziert denjenigen Schülern helfen, die durch die Corona-Krise den Anschluss zu verlieren drohen.

Unna

, 03.06.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie haben keinen Computer Zuhause oder müssen ihn sich mit mehreren Geschwistern teilen. Sie haben zwar ein Handy, doch nach einer Videokonferenz mit dem Lehrer ist das Datenvolumen verbraucht: Schüler, die ohnehin schon sozial benachteiligt sind, gehen in der Corona-Krise unter. Denn die Schulschließungen und der nun nur bedingt stattfindende Präsenzunterricht vertieft soziale Unterschiede.

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„Es hat längst nicht jede Familie die Möglichkeit, über ein Endgerät an Videochats und digitalen Lernangeboten teilzunehmen“, sagt Birgit Rottmayer vom Ortsverband Unna der Lehrergewerkschaft GEW. Die Gewerkschaft hat sich an den Schulen in ihrem Verband umgehört und schnell festgestellt: „Es gibt ganz viele Kinder, die gerade Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren, weil die feste Lernstruktur der Schule fehlt.“

SPENDEN ERWÜNSCHT

SCHULEN SOLLEN BEDARF MELDEN

  • Mit der Aktion sollen die Schüler der Schulen im Ortsverband der GEW Unna unterstützt werden. Das sind alle Grundschulen und alle weiterführenden Schulen in Unna, Fröndenberg und Holzwickede.
  • Ab sofort und noch bis zu 19. Juni können die Schulen der GEW die Anzahl der Schüler melden, für die das Unterstützungsgeld in Anspruch nehmen wollen. Insgesamt 6000 Euro stehen derzeit zur Verfügung. Die Schulen entscheiden selbst, welchem Schüler wie geholfen werden soll.
  • Die GEW hofft, dass weitere Spenden eingehen, um sozial benachteiligte Schüler auf diese Weise gezielt und schnell unterstützen zu können. Spenden dafür nehmen die Bürgerstiftung Unna (IBAN: DE97443500600000088088, Sparkasse Unna, BIC: WELADED1UNN) und die Stiftung „Gutes Tun“ für die Gemeinden Holzwickede und Fröndenberg (IBAN; DE 65443500601415161718, Sparkasse Unna, BIC: WELADED1UNN) entgegen, bitte jeweils unter dem Stichwort: „Schulprojekt“. Es wird eine Spendenquittung ausgestellt.

Und es sind nicht nur fehlende Laptops oder ein schnelles W-LAN, das sozial benachteiligten Schülern fehlt. Magnus Krämer, Schulleiter der Paul-Gerhardt-Grundschule in Holzwickede, weiß, dass vor allem für die jungen Grundschüler eine feste Lernstruktur wichtig ist. „Wir haben den Kindern Lernpakete geschnürt, Arbeitsblätter, die sie nach Hause bekommen haben. Da gibt es einige, da ist nicht mal das erste dieser Blätter bearbeitet worden“, sagt Krämer.

Lernen ist in manchen Familien in den Hintergrund gerückt

Familien mit Migrationshintergrund, in denen kein oder kaum Deutsch gesprochen wird oder Familien, in denen die Corona-Krise durch Jobverlust oder Krankheit gerade zu ganz existenziellen Nöten geführt hat – das seien nur zwei Beispiele für Situationen, in denen das Lernen für die Schüler in dieser Zeit ungleich schwerer werde. „Da gibt es einige, die an Schwung verloren haben.“

Mit jeweils 3000 Euro wollen die GEW Unna und die „Stiftung Zukunft“ der Sparkasse Unna Kamen diesen Schülern jetzt helfen – und zwar vor allem schnell und so individuell wie möglich. „Das können Endgeräte sein, aber auch die Unterstützung durch externe Lernpaten oder eine Art Nachhilfegruppe“, nennt Birgit Rottmayer Beispiele.

„Vielen Kindern wird jetzt auch ein Buch, das die Eltern sich nicht leisten können, gut tun. Lesen bildet – und allein damit helfen wir schon“, ist Magnus Krämer überzeugt, dass vielen Schülern mit ganz individuellen Lösungen geholfen werden kann, nicht den Anschluss zu verlieren.

Vor allem die Erst- und Zweitklässler bräuchten alternative Lernangebote im Präsenzbereich, beispielsweise durch Studenten oder eigene OGS-Kräfte. „Die Schüler, die gerade erst lesen gelernt haben, dürfen jetzt auf keinen Fall den Anschluss verlieren“, sagt auch Marika Hahn von der „Stiftung Zukunft“. Wo wer welche Hilfe gebrauchen könnte, wüssten die Schulen am besten. „Deswegen sollen sie auch sagen, wo welcher Lernimpuls helfen kann, wieder erfolgreich an das Lernen vor Corona anzuknüpfen“, so Hahn.

Marika Hahn (Stiftung Zukunft), Birgit Rottmayer (GEW), Magnus Krämer (Paul-Gerhardt-Grundschule Holzwickede) und Gabriele Sowka (Peter-Weiss-Gesamtschule Unna, von links) sehen großen Handlungsbedarf, damit sozial benachteiligte Schüler durch die Corona-Krise nicht den Anschluss verlieren.

Marika Hahn (Stiftung Zukunft), Birgit Rottmayer (GEW), Magnus Krämer (Paul-Gerhardt-Grundschule Holzwickede) und Gabriele Sowka (Peter-Weiss-Gesamtschule Unna, von links) sehen großen Handlungsbedarf, damit sozial benachteiligte Schüler durch die Corona-Krise nicht den Anschluss verlieren. © Anna Gemünd

Gabriele Sowka, Schulleiterin der Unnaer Peter-Weiss-Gesamtschule, sieht den Bedarf auch langfristig: „Wir werden immer Kinder haben, die keine Endgeräte haben und wie es derzeit aussieht, werden wir auch im kommenden Schuljahr noch eine Mischung aus Präsenz- und Digitalunterricht haben.“ Ihre Schule hat derzeit bereits die schuleigenen Endgeräte leihweise an Schüler ausgegeben, die sonst keine Möglichkeit zum digitalen Lernen Zuhause gehabt hätten.

Einig sind sich die Initiatoren vor allem darin, dass die Hilfe schnell und unkompliziert bei den Schülern ankommen muss: „Eine erste Runde Gelder wollen wir noch vor den Sommerferien verteilen“, kündigt Birgit Rottmayer an.

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