Schlager-Parade in der Amtsgericht-Kantine: Wo „Anita“ zum Mittagessen dazu gehörte

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Im Amtsgericht endet eine Ära. Über Jahrzehnte versorgten Isabella Jatzek, Hilde Kubitzki und Renate Jatzek voller Freude die Mitarbeiter und Besucher in der Kantine mit Speisen und Getränken. Nun steht ein Wechsel an. Und es fließt die eine oder andere Träne.

von Sylvia Mönnig

Unna

, 12.08.2019, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer sich in das Untergeschoss des Amtsgerichts begibt, hat Durst oder Hunger, will Zeit bis zum nächsten Termin oder eine Pause überbrücken oder einfach nur ein nettes Wort hören. Die drei Damen kümmerten sich tatsächlich nicht nur um das leibliche Wohl. Ein offenes Lächeln gab es für jeden Gast. Und wer ganz viel Glück hatte, wurde Zeuge, wenn das Trio Schlager-Parade spielte. Mit „Anita“ oder „Im Wagen vor mir“ brachten sie auf ganz spezielle Art zum Ausdruck, mit wie viel Spaß sie ihre Arbeit machten. Auch Sonderwünsche oder extra große Portionen waren kein Thema. Schließlich sollte jeder Besucher ihre Kantine satt und fröhlich verlassen. Und dem war auch so.

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Mitte der 70er-Jahre begann für Hilde Kubitzki (80) die Arbeit im „Untergeschoss“ und 1981 übernahm sie die Kantine. „Ich habe das mit Leib und Seele gemacht“, betont sie und erinnert sich: „Ich wurde hier so gut von euch aufgenommen.“ Dabei lächelt die alte Dame dankbar, aber auch gewohnt verschmitzt und stimmt dann lauthals mit „Anita“ einen ihrer liebsten Schlager an.

Gearbeitet wurde im Kreise der Familie

2001 übergab sie die Leitung der Kantine an Isabella Jatzek, die Ehefrau ihres Neffen. Doch die Finger von den Kochtöpfen wollte und sollte sie nicht lassen. Regelmäßig halfen sie und ihre Schwester Renate Jatzek mit. „Wir haben das im Kreise der Familie gemacht“, erklärt die 80-Jährige. Isabella Jatzek hat die Kantine gerne übernommen. „Das Kochen, Backen und die Menschen hier. Man hat sich zuhause gefühlt. Die Menschen sind mir ans Herz gewachsen“, erklärt die 51-Jährige und erhält Zustimmung von Hilde Kubitzki: „Mir auch, mir auch.“

„Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und habe lange überlegt.“
Isabella Jatzek

Nun möchte sich Isabella Jatzek aber beruflich verändern, wird künftig als Hauswirtschafterin Kinder und Jugendliche versorgen. „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und habe lange überlegt“, gibt sie zu und dabei tritt nicht zum ersten Mal an diesem Tag der verräterische Glanz in ihre Augen. Den Kontakt will sie halten, öfter zu Besuch kommen. „Das geht gar nicht anders. Die Menschen hier würden mir viel zu sehr fehlen.“

Nachfolgerin ist schon gefunden

Es kommt nicht von ungefähr, dass der Trennungsschmerz beidseitig ist. Richter Jörg Hüchtmann redet von einer Ersatzfamilie während der Dienstzeiten und erinnert sich gerne an stets erfüllte Sonderwünsche. Auf die Frage, ob ihm das Damen-Trio fehlen werde, findet er eine klare Antwort: „Selbstverständlich. Jetzt schon.“ Direktorin Annette Rodehüser bedauert das Ganze ebenfalls und erklärt: „Das war über Jahre die zentrale Anlaufstelle für Mitarbeiter und Besucher.“

„Wir sind rasend froh, jemanden gefunden zu haben.“
Amtsgericht-Geschäftsleiter Patrick Kassing

Gleichzeitig, so betont sie, freue sie sich darüber, mit Monika Schafsteller eine Nachfolgerin gefunden zu haben. Geschäftsleiter Patrick Kassing lobt den Spaß, den das Trio bei der Arbeit hatte, verweist auf das Festessen vor Weihnachten und schmunzelnd auf den auf Knopfdruck singenden Santa Claus. Er bezeichnet die Damen als drei tolle, warmherzige Frauen. „Die gehören hierher.“ Aber auch er begrüßt es sehr, dass es in der Kantine weitergeht. „Wir sind rasend froh, jemanden gefunden zu haben.“

Auswahl an Kuchen und Gebäck soll größer werden

Nachfolgerin Monika Schafsteller, die die Kantine Mitte August übernimmt, freut sich auf die neue Aufgabe und darüber, wie nett sie bereits empfangen wurde. Vieles, was sich über Jahre bewährte, soll so bleiben. Veränderungen wird es aber auch geben. So können sich die Gäste künftig beispielsweise auf eine größere Auswahl an Kuchen und Gebäck freuen. Monika Schafsteller will, was ihre Vorgängerinnen auch schon wollten: zufriedene Gäste. Deshalb gilt bei der 59-Jährigen, die vom Fach kommt: „Kundenwünsche haben natürlich nach wie vor Priorität.“

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