Schilder ins Nirgendwo: Wieso Hinweisschilder auf längst abgerissene Gebäude noch stehen

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Das Stadion am Hertinger Tor, das Freizeitbad in Massen, die Regenbogenschule im Kurpark – sie alle sind längst abgerissen. Dennoch gibt es bis heute noch Schilder, die auf diese Gebäude hinweisen.

Unna

, 14.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Anlieger frei zur Regenbogenschule – so steht es auf dem Schild am Parkplatz an der Platanenallee. Wer sich auf dieses Schild verlässt und mit seinem Auto in den Kurpark hineinfährt, fragt sich jedoch ziemlich schnell: Wie weit darf ich hier denn fahren? Denn das Schulgebäude, zu dem die Fahrt gemäß des Schildes für Anlieger erlaubt ist, sucht man vergeblich. Seit Januar dieses Jahres ist das zweigeschossige Nebengebäude samt Anbau abgerissen.

Den Platz, den die einstige Förderschule einnahm, hat sich längst die Natur zurückerobert: Gräser und kleine Büsche wachsen dort, wo bis Anfang des Jahres das Schulgebäude sowie der Anbau mit Hausmeisterwohnung und Lehrerzimmer stand. Das Schild, das auf die Existenz der Schule hinweist und freie Fahrt bis zum Schulgebäude erlaubt, ist dagegen immer noch da.

Schilder ins Nirgendwo: Wieso Hinweisschilder auf längst abgerissene Gebäude noch stehen

Das Hinweisschild auf die Regenbogenschule ist noch immer vorhanden, auch wenn das Gebäude im Kurpark längst abgerissen ist. © Anna Gemünd

Ein Einzelfall ist es damit nicht: An der Ecke Hertingerstraße/Brockhausstraße wird sich schon bald vieles verändern, wenn dort die Bauarbeiten für die neue Grundschule und Kindertagesstätte beginnen. Höchste Zeit, dass in diesem Zuge auch ein Schild verschwindet, das noch immer den Weg zu etwas weist, das längst der Vergangenheit angehört: Das Stadion am Hertinger Tor wird seit 2014 nicht mehr vom Verein Rot-Weiß Unna bespielt, doch ahnungslose Fußballfreunde könnten noch immer einem Hinweisschild auf das Stadion folgen.

Schilder ins Nirgendwo: Wieso Hinweisschilder auf längst abgerissene Gebäude noch stehen

Schon seit 2014 spielt niemand mehr in dem Stadion am Hertinger Tor, die Gebäude sind längst abgerissen. Das Schild soll nun in Kürze auch abmontiert werden. © Udo Hennes

Obwohl die Stadtionanlagen inklusiver überdachter Tribüne längst abgerissen sind, weist ein „Stadion“-Schild noch immer Richtung Brockhausplatz. Dass hier schon seit über fünf Jahren kein Fußball mehr gespielt wird, erschließt sich dem Betrachter sofort. „Dieses Schild werden wir in Kürze entfernen lassen“, kündigt Stadtsprecher Christoph Ueberfeld auf Anfrage unserer Redaktion an. Tatsächlich freue sich die Stadt über Hinweise auf solche „vergessenen“ Schilder. Denn nicht immer falle sofort auf, dass noch ein Schild stehe, wohl aber das darauf ausgewiesene Gebäude nicht mehr.

Ebenfalls in Kürze wolle die Stadt wieder eine sogenannte „Schilder-Schau“ durchführen, sagt Ueberfeld weiter. Dabei gehe es genau darum, solche überflüssigen Schilder aufzuspüren. „Wir schauen dabei aber auch auf den Zustand der Schilder“, erklärt Ueberfeld. Denn ein Schild, das beispielsweise ein Parkverbot regle, müsse natürlich lesbar sein, damit seine rechtliche Wirkung im Zweifelsfall auch eindeutig durchgesetzt werden könne. Und so achten die städtischen Mitarbeiter bei ihrer „Schilder-Schau“ auch darauf, ob Schilder beispielsweise zugewachsen oder beklebt oder beschmiert sind.

Schilder ins Nirgendwo: Wieso Hinweisschilder auf längst abgerissene Gebäude noch stehen

Seit zehn Jahren badet im Freizeitbad niemand mehr, die Gebäudeteile sind längst abgerissen. Der Straßenname bleibt jedoch unverändert. © Udo Hennes

Dass dabei eine Straße umbenannt wird, weil das, was sie bezeichnet, nicht mehr vorhanden ist, wird aber nicht passieren, wie Ueberfeld sagt. Ein prominentes Beispiel dafür gibt es in Massen: Die Straße „Am Freizeitbad“ mag idyllisch liegen, doch eines tut sie bestimmt nicht: zu einem Freizeitbad führen. Denn das Bad wurde bereits vor sieben Jahren zurückgebaut. Geblieben sind diverse knorrige (Obst-)Bäume auf einer Weidefläche für Rinder – und die zum Greifen nah erscheinenden Flugzeuge, die in Dortmund landen oder starten.

Schilder ins Nirgendwo: Wieso Hinweisschilder auf längst abgerissene Gebäude noch stehen

Von einem Freizeitbad ist hier längst nichts mehr zu sehen. © Udo Hennes

Als das Freizeitbad 1982 eröffnete, lag es nahe, die von der Kleistraße zum Bad hinführende Straße „Am Freizeitbad“ zu nennen. Die Straße nun aber umzubenennen, weil das Bad abgerissen ist, wird aber nicht passieren.

Schilder ins Nirgendwo: Wieso Hinweisschilder auf längst abgerissene Gebäude noch stehen

Bis 1964 hatte der Straßenname „An der Feuermaschine“ in Königsborn beziehungsweise Afferde noch eine Berechtigung. Seitdem die Dampfmaschine verschwunden ist, zeugt nur noch der Name von ihrer ehemaligen Existenz an dieser Stelle. © Udo Hennes

So ist auch an der Straße „An der Feuermaschine“ in Königsborn weit und breit keine Feuermaschine mehr zu sehen – wohl aber ein Hinweisschild, das den Namen der Straße mit dem Standort der ersten Dampfmaschine in den preußischen Westprovinzen erklärt. Sie wurde zur Salzgewinnung auf der Saline Königsborn eingesetzt. Vielleicht wäre ein solches Erklärungsschild auch für die Straße „Am Freizeitbad“ eine Option – wenn der Schilderwald dann nicht noch größer würde...

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