Das Leben sucht sich einen Platz: Verschiedene Pflanzen, teils schon kleine Sträucher, wachsen in Ritzen in der alten Stadtmauer. Einige Mauerabschnitte bereiten inzwischen Sorgen. © Raulf
Baudenkmal

Schäden durch Pflanzenwurzeln drohen: Sorge um Unnas Stadtmauer

Wildpflanzen und Wasser können tief eindringen und auch stärkstes Mauerwerk sprengen. Droht den Resten der mittelalterlichen Stadtmauer in Unna der Verfall mangels Pflege?

Alte Gemäuer machen viel vom Charme einer Stadt aus. Das gilt für Städte wie Unna mit noch erkennbaren Bezügen zum Mittelalter besonders. Die historisch bedeutsamen Steine müssen aber auch gepflegt werden. Der Zustand der Stadtmauer bereitet derzeit Sorgen.

Sorge vor teurer Sanierung

Genau genommen gibt es „die Stadtmauer“ nicht mehr. Es sind einige Restabschnitte erhalten, an anderer Stelle ist die zerstörte, verschwundene oder abgetragene Mauer nachgebaut worden, wo sie einmal verlief.

Am Mauerabschnitt in Höhe des Ostrings wuchert teils üppiges Grün. Efeu und andere Pflanzen breiten sich aus. Ein Hinweis eines besorgten Unnaers hat unsere Redaktion erreicht. Er mahnt dringend eine bessere Pflege des Mauerwerks an. Bliebe sie aus, würde eine Sanierung nachher umso teurer.

Die Stadt weist selbst darauf hin, dass eine alte Mauer auch ein Lebensraum ist. Allerdings haben Pflanzenwurzeln auch Sprengkraft. © Raulf © Raulf

Auch dichter Bewuchs auf oder an der Mauer kann einen netten, grünen Eindruck vermitteln. Tatsächlich haben Pflanzen und ihre Wurzeln aber mitunter enorme Kraft. Wer schon Löwenzahn durch eine Asphaltdecke hat sprießen sehen, kann das nachvollziehen. Wo Wurzelwerk in Steinritzen dringt und sie ausweitet, kann Wasser einsickern. Im Winter übernimmt dann der Frost die weiteren Sprengarbeiten, sodass im nächsten Frühling noch mehr Wachstum Platz hat – ein Teufelskreis.

Mauerritzen als Lebensraum

Am Ostring weist die Stadt Unna sogar selbst auf Mauerritzen als Lebensraum hin. Ein Schild, das zum stadtökologischen Erlebnispfad gehört, gibt unter dem Motto „Auf der Mauer, auf der Lauer“ Hinweise auf Mauerpflanzen. Womöglich werden an besagtem Abschnitt aber dennoch Pflanzen entfernt. Die Stadt Unna erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, man werde sich den Mauerabschnitt zeitnah ansehen. Ob und wann dort etwas zum Schutz des Mauerwerks unternommen wird, ist aber unklar. Ein festes Budget für die Mauerpflege gibt es nicht, wie das Rathaus bestätigte.

Grundsätzlich ist die Stadtmauer auch bei den Verantwortlichen im Rathaus von Wert, das belegen vergangene und künftige Maßnahmen mit entsprechenden Kosten. So wurden im Zuge der bisherigen Gestaltung der Gastronomieterrassen am Morgentor Mauerstücke nachgebaut. Weitere Abschnitte sind geplant, wenn der neue Platz an der jetzigen Kreuzung gestaltet wird. Vor fünf Jahren zuletzt hatte die Stadt zwischen Gürtelstraße und Verkehrsring einen 20 Meter langen Mauerabschnitt nachbilden lassen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
Zur Autorenseite
Thomas Raulf

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt