Wer Sauerkraut selbst macht, braucht Zeit und Geduld, hat hinter Hemmerde aber auch Spaß

dzMit Rezept

Freude an einer alten Tradition und einem traditionellen Gericht hatten am Samstag die Sauerkrautfreunde in Steinen. Aus Kohl Kraut zu machen, ist nicht schwer, erfordert aber Zeit.

von Sebastian Pähler

Hemmerde-Steinen

, 27.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gesund und schmackhaft ist Sauerkraut ohnehin. Doch beim Sauerkrautfest der Sauerkrautfreunde Steinen wird die vitaminreiche Hausmannskost obendrein auch noch gesellig.

Am Samstag trafen sich rund 40 Sauerkrautfreunde auf dem alten Hof von Hans Bennemann in Steinen, um gemeinsam Kohlköpfe für den langwierigen Fermentationsprozess vorzubereiten, der aus dem gehobelten Kraut erst das Sauerkraut werden lässt.

Wer Sauerkraut selbst macht, braucht Zeit und Geduld, hat hinter Hemmerde aber auch Spaß

Sauerkraut selbst herzustellen macht Spaß, aber strengt auch an. Darum helfen sich die Sauerkrautfreunde beim Sauerkrautfest gegenseitig. © Sebastian Pähler

Jedes Jahr neue Leute

Für die allermeisten bedeutet Sauerkrautmachen ein Glas, oder eine Tüte zu öffnen und den gelblich, glibberigen Inhalt einfach nur zu erwärmen. Doch wer Sauerkraut wirklich selbst machen möchte, der braucht vor allem eins, nämlich Zeit. Die Zubereitung ist gar nicht schwer, doch damit aus dem Kohl leckeres Sauerkraut wird, muss er gut ein Vierteljahr gären.

Es war 2010, als in Steinen befreundete Ehepaare auf die Idee kamen, dass man die Tradition des Sauerkrautmachens eigentlich unbedingt erhalten müsse. „Früher haben die Leute, die im ländlichen Raum leben, jedes Jahr Kaps eingeschabt“, berichtete Hans Bennemann. Sauerkraut war damals vor allem ein Wintervorrat, denn große Mengen des Gemüses konnten im Herbst vorbereitet werden und blieben bis weit ins nächste Jahr hinein genießbar.

Wer Sauerkraut selbst macht, braucht Zeit und Geduld, hat hinter Hemmerde aber auch Spaß

Um eine alte Kulturtechnik zu erhalten und auch noch für leckeres Essen zu sorgen, lädt Hans Bennemann jedes Jahr Sauerkrautfreunde zum Sauerkrautfest ein. © Sebastian Pähler

Die Aktion sprach sich sehr bald rum und aus der Hand voll von Sauerkrautfreunden wurden schnell mehrere Dutzend. „Jedes Jahr kommen neue Leute dazu, aus Unna und Bönen und noch weiter her“, so Bennemann. In diesem Jahr entdeckte unter anderem Gerd Klöpper die Aktion für sich. „Ich bin ganz überrascht, dass das hier noch gemacht wird, aber ich finde es auch ganz toll“, so der Unnaer. Bei der Aktion KunstOrt Unna im September hatte er einen Sauerkrautfreund kennengelernt, der begeistert von dem Spektakel berichtete.

Auch Kinder begeisterten sich diesmal für das Sauerkrautfest. So hatte etwa Wolfgang Patzkowsky seine Enkel mitgebracht. Die waren zunächst nicht so begeistert von der Idee, Sauerkraut stampfen zu gehen. „Aber die hatten auch Freude dran“, berichtet er. „Das ist mir auch wichtig, dass die erleben, wie so was wirklich gemacht wird und dass es Sauerkraut nicht nur in der Dose gibt.“

Wer Sauerkraut selbst macht, braucht Zeit und Geduld, hat hinter Hemmerde aber auch Spaß

Ein wunderschöner Herbsttag machte das Sauerkrautfest auf dem alten Hof in Steinen zu einem runden und geselligen Ereignis. © Sebastian Pähler

Des Schweißes Lohn

Damit es Sauerkraut geben kann, muss der Kohl erst mal fachmännisch zerlegt und dann fein gehobelt werden. Bennemann kauft den Kohl bei einem Gemüsehändler in Hemmerde ein und gibt ihn an die Sauerkrautfreunde weiter. Dabei stellt jeder theoretisch Sauerkraut für seinen Eigenbedarf her, de facto helfen sich die Teilnehmer aber gegenseitig. So schneidet zum Beispiel einer den harten Strunk heraus, während ein anderer schon hobelt und ein dritter stampft. Das ist durchaus eine schweißtreibende Aufgabe, denn der Kohl muss bearbeitet werden, bis der Saft austritt und ihn bedeckt.

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Sauerkrautfest der Sauerkrautfreunde

Gehobelt, gestampft und gefeiert wurde am Samstag in Steinen. Die Sauerkrautfreunde trafen sich wieder zum Sauerkrautfest.
26.10.2019
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Wer Sauerkraut mag kam am Samstag in Steinen auf seine Kosten. Dort lockte wieder das Sauerkrautfest der Sauerkrautfreunde mit jeder Menge Kohl und Gaudi für die Teilnehmer.© Sebastian Pähler
Ein wunderschöner Herbsttag machte das Sauerkrautfest auf dem alten Hof in Steinen zu einem runden und geselligen Ereignis.© Sebastian Pähler
Um eine alte Kulturtechnik zu erhalten und auch noch für leckeres Essen zu sorgen lädt Hans Bennemann jedes Jahr Sauerkrautfreunde zum Sauerkrautfest ein.© Sebastian Pähler
Sauerkraut selbst herzustellen macht Spaß aber strengt auch an. Darum helfen sich die Sauerkrautfreunde beim Sauerkrautfest gegenseitig.© Sebastian Pähler
Zunächst wird der Weißkohl geputzt.© Sebastian Pähler
Hans-Joachim Suhr zerlegt den Weißkohl, damit er weiter verarbeitet werden kann.© Sebastian Pähler
Noch besser geht es mit vereinten Kräften. Gerd Klöpper (r.) geht Hans-Joachim Suhr beim Kohlschneiden zur Hand.© Sebastian Pähler
Gutes Sauerkraut muss fein sein. Udo Wassmuth und Ulrike Harre hobeln den Kohl für ihre Portionen.© Sebastian Pähler
Das stampfen des Kohls ist schweißtreibend, stellt auch Jürgen Bettermann beim Sauerkrautfest der SSauerkrautfreunde fest.© Sebastian Pähler
Das Rahmenprogramm machte aus dem Sauerkrautfest eine Gaudi. Dieter von Glahn sorgte für lecker Kartoffelpuffer.© Sebastian Pähler
In der alten Deele des Hofes in Steinen war es nicht nur gemütlich. Kuchen und Schmalzstullen luden auch zum Schmausen ein.© Sebastian Pähler
2015 hatten die Sauerkrautfreunde jeden Grund zum Feiern, denn da feierten sie das 10. Sauerkrautfest in Steinen.© Sebastian Pähler
Wer wollte konnte beim Sauerkrautfest mit einem Ausflug mit dem historischen Traktor die Umgebung um Steinen besser kennen lernen.© Sebastian Pähler

Rezept

Sauerkraut selber machen

  • Gärtopf mit Rinne aus dem Gartenhandel
  • Mehrere Kohlköpfe
  • Lorbeerblätter
  • Wacholderbeeren
  • 100 - 150g Salz auf je 10L Kohl

Zubereitung

Für traditionelles Sauerkraut benötigt man einen Gärtopf mit einer Rinne. Diese gibt es in Haushaltsgeschäften und im Gartenmarkt. Ein 10-20 Litertopf ist meist groß genug. Vom Kohl die äußeren Blätter und den Strunk entfernen, halbieren oder vierteln und hobeln. In den Topf eine 10 bis 20 cm dicke Schicht gehobelten Kohl geben und mit der Faust oder einem hölzernen Stampfer feste stampfen. Dann etwas Salz aufstreuen, einige Lorbeerblätter und Wacholderbeeren auflegen, mit einer weitere Schicht Kohl auffüllen und wieder stampfen. Die Schritte wiederhohlen. Nach der dritten oder vierten Schicht bildet sich eine Flüssigkeit, die am Ende den Kohl vollständig bedecken muss. Dann werden zwei halbrunde Beschwersteine (Bestandteil des Gärtopfes) aufgelegt und fest angedrückt. Auch sie müssen vollständig mit der Flüssigkeit bedeckt sein. Zum Schluss wird der Topf noch mal sauber abgewischt, Wasser in die Rinne eingefüllt und der Deckel aufgelegt. Jetzt sollte das Kraut am besten langsam im Keller gären.

Wichtig!

In der Rinne sollte sich immer Wasser befinden. Bei Raumtemperatur beträgt die Reifezeit etwa drei bis vier Wochen, im Keller fünf bis sechs Wochen. Erfahrene Sauerkrautfreunde empfehlen ein Vierteljahr. Die Reife im Keller ist vorzuziehen, dann schmeckt er besser und ist bis zu einem halben Jahr haltbar.

Viele Gründe für das Kraut

Dass das Ergebnis besser schmeckt als der gekaufte, darüber sind sich aber alle einig. Und gesund ist Sauerkraut obendrein. Es ist reich an Vitamin A, B und C und damit gerade im Winter eine exzellente Bereicherung des Speiseplans. Die Milchsäurebakterien, die für den konservierenden Gärprozess verantwortlich sind, unterstützen zudem die Magendarmflora.

Ein bisschen Gaudi

Spaß gehört zum Sauerkrautfest auch dazu, darum durfte auch diesmal leckeres Essen, Reibeplätzchen, Schmalzstullen und Kuchen nicht fehlen. Mit Akkordeon-Begleitung wurde gemeinsam gesungen und wer wollte konnte bei Fahrten mit dem historischen Traktor Steinen und Umgebung ein bisschen kennenlernen. So wurde Sauerkrautmachen 2019 zum Fest.

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