Stadt verfolgt sanfte Strategie gegen die Trinkgelage am Rathaus in Unna

dzOrdnungsamt

Die neue Trinkerszene am Rathaus hat für Passanten etwas Bedrohliches. Die Stadt hat das Problem erfasst und will nun tätig werden. Zunächst versucht sie es mit einer sanften Strategie.

Unna

, 25.06.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schilderungen von Ortsvorsteherin Ingrid Kroll sind drastisch: „Die klettern sogar die Laternen hoch. Sie grölen herum, pöbeln die Leute an und pinkeln in die erstbeste Ecke, auch auf dem Grundstück der Kirchengemeinde.“ Die neue Trinkerszene am Rathaus sorge für Zustände, die Kroll für „nicht mehr haltbar“ hält.

Bis zu 18 Mitglieder rechnet die Ratsfrau, die als regelmäßiger Gast bei Alimentari im Rathaus nah am Ort des Geschehens ist, der Szene zu. Nach einem Brief an den Bürgermeister trug sie ihre Beobachtungen auch im Hauptausschuss der Stadt vor.

Stadt will mit Szene in Kontakt kommen

Das Ordnungsamt sei bereits an der Sache dran, versuchte Bürgermeister Werner Kolter zu beruhigen. Im Bilanzgespräch zur Ordnungspartnerschaft mit der Polizei konnte der zuständige Beigeordnete Dirk Wigant nun Näheres berichten.

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Tatsächlich scheine es sich um eine neue Szene zu handeln, die mit den Besuchern des Stadtgartens nicht zu tun hat. Einige kämen wohl sogar von auswärts.

Die Stadt versuche, die Situation nun in ordentlichere Bahnen zu lenken – und greift dabei zunächst zu sanften Mitteln. Konkret wolle man den Leuten dort nun eine öffentliche Toilette anbieten, damit sie ihre Notdurft nicht unter den Augen aller verrichten. Eine der Toiletten im Rathaus, die durch den Corona-Lockdown an sich geschlossen ist, soll wieder geöffnet werden. Zudem wolle die Stadt mit einem Sozialarbeiter an die Szene herantreten und das Gespräch suchen.

Leute treffen und Alkohol trinken – an sich ist es nicht verboten

Gemessen an der Eindringlichkeit, mit der Ingrid Kroll die Probleme geschildert hat, mögen diese Mittel als schwach erscheinen. Tatsächlich ist es für die öffentliche Hand schwierig, solche Situationen zu befrieden. Mehrmals gab es in Unna in der Vergangenheit Treffpunkte, an denen sich Menschenansammlungen gebildet haben, die unter Alkoholeinfluss eine gewisse Außenwirkung entwickelt haben. Und immer erwies sich der Umgang damit als Herausforderung, zuletzt etwa auf der anderen Rathausseite in der kleinen Passage am Königsborner Tor.

Das Problem ist, dass es im Prinzip nicht verboten ist, sich in der Öffentlichkeit niederzulassen und dort anderen Menschen zu begegnen. Auch Trinken ist an sich zulässig. Auch die Coronaschutz-Verordnung gibt nach den Lockerungen keine Handhabe mehr, die Menschen grundsätzlich auseinander zu treiben. Erst Ordnungswidrigkeiten und Straftaten lassen ein Einschreiten zu. Die Frage allerdings ist, ob das Aussprechen von Platzverweisen die Probleme nicht einfach nur verlagert.

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