Wer neu in der Stadt ist, muss sie erst kennenlernen. Also startet Redakteurin Vivien Nogaj einen Rundgang durch Alt-Unna. Eine Reportage mit der Gewissheit: aller Anfang ist schwer.

Unna

, 01.10.2019, 14:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit zwei Wochen wohne ich nun in Unna. Höchste Zeit, die Stadt besser kennen zu lernen. Das befinden auch die Kollegen und legen mir nahe, den historischen Stadtrundgang durch Alt-Unna zu unternehmen. Schließlich gibt es nicht nur auf dem Weg zur Arbeit einiges zu entdecken. Also lautet der Auftrag: Vorbei an den vielen historischen Gebäuden der Innenstadt und mitten rein in das Erleben. Denn wer schneller heimisch wird, fühlt sich eher wohl, so die Devise.

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Bevor es losgeht, müssen aber einige Vorkehrungen getroffen werden: Der Flyer, der mir den Weg weisen soll, wird eingesteckt, ebenso wie Sonnenbrille und Regenschirm, denn das Wetter ist herbstlich und nächste Regenschauer sicher nur eine halbe Stunde entfernt. Es folgt ein letzter prüfender Blick auf die Uhr, schließlich möchte ich wissen, in welcher Zeit ich den Rundgang mit einer Weglänge von etwa drei Kilometern schaffe.

Verstecktes Suchbild an der Katharinenkirche

Los geht es am Rathaus: Ganz so neu ist das Gebäude für mich nicht, denn hier musste ich mich zuletzt bereits anmelden, um offiziell als Unnaerin zu gelten. An diesen Begriff muss ich mich übrigens noch gewöhnen – es klingt so sperrig, finde ich. Auch die Katharinenkirche, Station zwei auf der Liste, kenne ich bereits. Nach einem stressigen Arbeitstag habe ich hier zuletzt Ruhe vom Alltag gesucht.

Von außen betrachtet habe ich die Kirche dabei allerdings nicht so genau. Das ändert sich, als der Fotograf, der mich begleitet, mir eine kleine Suchaufgabe gibt:

Ich soll den Esel finden, der sich als Abbildung am Gemäuer der Kirche befindet. Ein Bild, das sich an vielen weiteren Stellen durch die Stadt zieht, denn, so erfahre ich, der Esel ist das Wahrzeichen Unnas. An der Kirche tarnt er sich allerdings so gut, dass ich ihn von alleine nicht entdecke. Mit etwas Nachhilfe gelingt es dann doch: Am rechten Kirchturm ist sein Abbild gut zu erkennen.

Neu in der Stadt: Eine Rundwanderung durch Alt-Unna mit gemischten Gefühlen

Jetzt weiß ich, was sich in dem ältesten fertig gestellten Gebäude Unnas verbirgt: Das Hellweg-Museum. © Marcel Drawe

Weiter geht es laut Route zum ältesten fertig gestellten Bauwerk der Stadt. Dieses habe ich schon bei Nacht gesehen, als aus den Fenstern rotes Licht strahlte. Damals habe überlegt, was sich wohl in dem Gebäude befinden könnte, jetzt bietet der Blick in den Flyer die Auflösung: Es ist das Hellweg-Museum.

K(l)eine Ruhe-Oase: Der Stadtgarten

Von dort geht es die Treppe hinunter zum Stadtgarten. Zugegebenermaßen bin ich ein wenig enttäuscht, als ich die kleine Grünanlage direkt am viel befahrenen Ostring betrete, denn meiner Meinung nach hat sie hat den Begriff „Stadtgarten“ nicht wirklich verdient: von einer grünen Ruhe-Oase kann nicht die Rede sein. Also schnell weiter, entlang an der Stadtmauer zur Evangelischen Stadtkirche.

Dort angekommen, fängt es langsam an zu nieseln, und ein Blick auf den mit Kastanienblättern übersäten Boden macht mir deutlich: Das war es mit dem guten Wetter und mit dem Sommer. Und auch mit meiner guten Laune.

Jetzt wird die Zeit gerafft: Vorbei am Zeitungsverlag geht es zum Kunstwerk Wasserstau. Auf dem Weg zur Arbeit bin ich schon oft daran vorbeigelaufen, allerdings ist es ist mir nie recht aufgefallen. In der Hektik des Alltags geht der Blick für die kleinen Dinge oft verloren – eine weitere Erkenntnis meiner Tour. Ich schaue in den Flyer und erfahre etwas über die Bedeutung des Kunstwerks: „Es erinnert an das Wassertor und die großen Überschwemmungen im Mittelalter“. Wieder etwas dazugelernt.

Kulinarische Highlights

Etwa die Hälfte der Route ist geschafft, und ich habe bereits jetzt mehr über Unna erfahren, als über andere Städte, in denen ich teilweise Jahre gewohnt habe. Nicht schlecht, befinde ich. Außerdem praktisch, dass die nächsten Punkte des Stadtrundgangs auf zwei kulinarische Orte hinweisen: Ein Restaurant im Ölckenthurm und die Pizzeria Meisterhaus. Denn wer neu in der Stadt ist und seine Küche noch nicht vollends eingerichtet hat, ist dankbar über den ein oder anderen Tipp zum Einkehren.

Der Rundweg

Unterwegs durch die Stadt

  • Den Stadtrundgang durch Alt-Unna gibt es seit 2006. Es ist der zehnte und mit knapp drei Kilometern der kürzeste Unnaer Wanderweg des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV), der in Unna zugleich als Heimatverein aktiv ist.
  • Als Wegweiser dient das Wege-Zeichen „Z“ entlang der Route durch die Innenstadt
  • Die neuste Auflage des Flyers umfasst 10.000 Blatt. Darin befinden sich 20 Gebäude, gezeichnet von der Unnaer Künstlerin Andrea Agner.

Ein bisschen bei der Route gemogelt, um dem Regen zu entkommen, geht es am ZIB vorbei zurück zum Marktplatz. Dieser Teil wird schnell abgearbeitet, schließlich kenne ich ihn schon gut genug, befinde ich. Ein Blick auf das gelbe „Zuckerbäckerhaus“ und auf das hübsche Haus Bindel genügt; die Seniorenbegegnungsstätte „Fässchen“ und den Kastanien-Brunnen lasse ich aus: diese Sehenswürdigkeiten sind mir schon vom morgendlichen Gang zum Bäcker bekannt.

Neu in der Stadt: Eine Rundwanderung durch Alt-Unna mit gemischten Gefühlen

Ein letzter prüfender Blick in den Flyer: Der letzte Punkt auf dem Stadtrundgang, das Standesamt, ist erfolgreich absolviert. © Marcel Drawe

An Unnas letztem Nachwächter vorbei, der sich gut an der Ecke Schulstraße versteckt, geht es zum letzten Punkt des Rundgangs, dem Standesamt. Hier werde ich noch einmal ein wenig nostalgisch, war es doch einer der ersten Orte, die ich von der Stadt gesehen habe. Damals im Sommer noch im roten Kleidchen, jetzt dick eingepackt in Mantel und Schal.

Es wird Zeit, den Rundgang zu beenden: Die Route ist geschafft, eine knappe Stunde vorbei, und ich ein wenig durchgefroren. Auch wenn ich meine Umgebung jetzt besser kennengelernt habe, werde ich sicher noch einige Zeit brauchen, mich an viele Dinge zu gewöhnen. Daran, dass der Sommer endgültig vorbei ist, dass ich einen neuen Job habe und vor allem – dass ich jetzt eine waschechte Unnaerin bin.

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