Vorne wird noch gebaut, hinten läuft bereits der Alltagsbetrieb der neuen Unternehmenszentrale von Woolworth. Eines der größten Logistikzentren der Region lädt zum Rundgang ein.

Unna

, 14.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Woolworths Neubau im Interkommunalen Gewerbegebiet Unna/Kamen ist ein Projekt von gigantischen Ausmaßen. Was Autofahrer schon seit Monaten von der A1 aus beobachten können, gewinnt noch einmal an gefühlter Größe, sobald man zu Fuß unterwegs ist in dem riesigen Komplex.

50.000 Quadratmeter Logistikfläche entsprechen ziemlich genau der Größe von sieben Fußballfeldern. Fünf aneinander gefügte Hallen geben Raum für den Warenumschlag eines der expansivsten Handelshäuser in Deutschland. Vier sind bereits in Betrieb, in die fünfte will Woolworth reinwachsen. Und Wachstum ist für das Unternehmen eine Planungsgrundlage. 420 Verkaufsniederlassungen werden von Unna aus bedient. 800 sollen es einmal werden. Darauf ist der Neubau ausgelegt.

Lautlos surren die Gabelstapler umher, um Waren ins Regal zu stellen oder herauszuholen.

Lautlos surren die Gabelstapler umher, um Waren ins Regal zu stellen oder herauszuholen. © Sebastian Smulka

Trotz kluger Logistik braucht Woolworth viel Platz

Die Logistik an sich ist in den vergangenen Jahrzehnten komplexer und intelligenter geworden. Zeitgenauere Lieferungen („Just in time“) sollen die Aufenthaltsdauer eines Postens im Lager minimieren, um Lagerhäuser nicht unnötig groß werden zu lassen. Doch wer die Sortimente in den 800 bis 2000 Quadratmeter großen Filialen kennt und mit Faktoren zwischen 420 und 800 multipliziert, versteht die Dimensionen im neuen Logistikkomplex an der A1. Die Lieferung von Kindermotorrädern etwa mag in den einzelnen Kaufhäusern bald nur ein Artikel von vielen im Sortiment sein. Im Logistikzentrum aber stehen die Paletten für alle Zielorte dicht an dicht.

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Gemessen am Warenumschlag geht es relativ ruhig zu in dem Hochregallager. 300 Mitarbeiter erledigen im Zwei-Schicht-Betrieb die Logistik. Auf der riesigen Fläche „verläuft“ sich das. Wo Waren kommissioniert, also für den Transport zu den Filialen bereitgestellt werden, herrscht etwas mehr Treiben. Zwischen diesen Stationen fahren leise surrend die Gabelstapler hin und her.

300 Mitarbeiter in zwei Schichten leisten die Logistik für 420 Woolworth-Standorte in ganz Deutschland. Auf der Fläche des Logistikzentrums „verläuft“ sich die Belegschaft etwas.

300 Mitarbeiter in zwei Schichten leisten die Logistik für 420 Woolworth-Standorte in ganz Deutschland. Auf der Fläche des Logistikzentrums „verläuft“ sich die Belegschaft etwas. © Sebastian Smulka

Lagerorte bestimmt der Computer scheinbar chaotisch

Was sie auf die Gabel nehmen, ist für die Mitarbeiter gar nicht immer ersichtlich. Oft sind es einfach Paletten mit Kartons, in denen alles Mögliche stecken könnte. Das Sortiment ist groß und die Ordnung im Lager scheint willkürlich. Tatsächlich sprechen Logistiker von einer „Chaotischen Lagerhaltung“, in der der Computer scheinbar ungeordnet Lagerplätze zuweist, auf denen die einzelnen Warenposten abgelegt werden. Kein Mensch muss sich merken, wo etwas liegt. Denn die Datenbank gibt auch klare Anweisungen, aus welchem Regal und welchem Lagerort etwas abzuholen ist.

Bei voller Auslastung 300 Lkw-Ladungen pro Tag

Bis zu 300 Lastwagen können in Unna täglich abgefertigt werden. Nur neun davon, die die Filialen im Nahbereich versorgen, tragen das Woolworth-Logo. Ansonsten setzt das Handelshaus auf externe Spediteure, die die Warenströme mit unterschiedlichen Strategien ans Ziel bringen. Manche fahren ab Unna zusammenhängende Touren zu den Warenhäusern. Andere schlagen die Lieferungen noch einmal in der Zielregion um.

Puffer für Saisonspitzen und viel Wachstum

Nötig ist die denkbare Kapazität des Lagers nicht. Noch nicht. Das Lager läuft zurzeit mit 60 Prozent Auslastung. Der Rest ist Puffer – für Spitzenzeiten wie das Weihnachtsgeschäft, aber auch für das geplante Wachstum.

Nagelneue Einkaufswagen liefert das Lager auch – natürlich nicht als Ware, sondern für die Ausstattung neuer Filialen.

Nagelneue Einkaufswagen liefert das Lager auch – natürlich nicht als Ware, sondern für die Ausstattung neuer Filialen. © Sebastian Smulka

Etwa 60 Filialen eröffnet Woolworth derzeit jährlich. Präsenz zeigen in der Fläche ist ein strategisches Ziel. Jeder Ort mit mindestens 30.000 Einwohner gilt als Marktgebiet. Um eine neue Filiale einzurichten, brauche man etwa drei Wochen, erklärt Prokurist Peter Jannsen. Auch dabei spielt das Logistikzentrum eine Rolle. Hubwagen, Einkaufswägelchen, Kassen und die Möblierung der Läden gibt es dort ebenfalls auf Lager.

Drei Wochen braucht Woolworth für die Einrichtung einer neuen Filiale. Material dafür liegt in Unna auf Lager.

Drei Wochen braucht Woolworth für die Einrichtung einer neuen Filiale. Material dafür liegt in Unna auf Lager. © Sebastian Smulka

Woolworth will in Unna bis zu tausend Mitarbeiter beschäftigen

Am Standort der Unternehmenszentrale soll sich dieses auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. „Wir suchen ständig qualifizierte Kräfte und schreiben diese Stellen auf unserer Internetseite aus“, erklärt Diana Peisert, Referentin für Unternehmenskommunikation. Wenn die benachbarte Zentralverwaltung im September fertiggestellt ist, werden zu den 300 Lagerkräften noch einmal 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einziehen, die zurzeit an drei verschiedenen Standorten in der Region arbeiten. Ausgelegt ist Woolworths Zentrale aber für tausend Arbeitsplätze.

Für die Logistik ist Unna ein Top-Standort

Für die Kette ist die neue Zentrale bereits der zweite Unternehmenssitz in Unna. Gründe für den Standort sind nicht überraschend: Die Lage nah am Kamener Kreuz ermöglicht gute Verbindungen in alle Teile der Republik. Logistik ist in den Gewerbegebieten im Norden der Stadt eine Schwerpunktbranche. Und in der neuen Erweiterung des Gewerbegebietes im Grenzgebiet von Unna und Kamen ist Woolworth der größte Flächennutzer.

Eine Zahl von beachtlicher Größe liefert aber auch die Ausgleichsfläche, die Woolworth als Ersatz für die Inanspruchnahme der früheren Ackerfläche bewaldet: Über 2500 Bäume wachsen bereits zwischen Autobahn und Lagerkomplex.

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