Ruhe an Hammer Straße in Unna nicht in Sicht

dzVerkehr

Der Verkehr sei laut und schnell, das Parken schwierig: Die Hammer Straße bereitet Anliegern Probleme. Grundsätzliche Lösungen sind nicht in Sicht, auch das Drehen an kleinen Stellschrauben ist schwierig.

Königsborn

, 07.11.2018, 18:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine grundsätzliche Lösung, die vieles zum Positiven ändern könnte zwischen der Palaiseaustraße und der Hubert-Biernat-Straße wäre eine Komplettsanierung. Nur danach könnte ein Fahrradschutzstreifen auf die Fahrbahn aufgetragen werden. Eine solche Markierung würden die Stadt und einige Anwohner favorisieren. Denn bisher sollen Radfahrer den explizit für sie freigegebenen Bürgersteig nutzen. Das war wie mehrfach berichtet der Hintergrund dafür, dass die Stadt das lange geduldete Parken auf dem Gehweg zunächst erfolglos mit Alternativangeboten, dann mit Verbotsschildern unterband.

Nach viel Streit zwischen Anwohnern, Ordnungs- und Baubehörde trafen sich Stadtvertreter und rund 40 Anwohner zum Gespräch. Dabei herrschte teils eine emotional aufgeladene Atmosphäre. Zwischenzeitlich sah sich Baudezernent Michael Ott gezwungen, an übliche Umgangsformen zu erinnern.

Seine Kernbotschaft war für die meisten ernüchternd. Ott berichtete von einem Gespräch mit der Landesbehörde Straßen NRW, die für die Hammer Straße zuständig ist. Dabei sei bestätigt worden: Eine Straßensanierung ist nicht in Sicht. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte Frank Hoffmann von Straßen NRW nachher den Hintergrund. Vor Kurzem seien lediglich Schadstellen an Schachtabdeckungen ausgebessert worden.

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Eine durchgehend neue Asphaltierung wünschen sich Anlieger auch, weil die Nahtstellen zwischen altem und neuem Belag Lärm und Erschütterungen verursachen – und weil sie die Quelle neuer Schäden sind. Eine solche grundhafte Sanierung ist aber nach Einschätzung von Straßen NRW noch nicht notwendig. Die Tragschicht unter dem Asphalt sei noch in Ordnung, erklärt Hoffmann. „Es gibt in unserem Zuständigkeitsgebiet deutlich schlechtere Straßen als die Hammer Straße.“ Der Beritt der „Regionalniederlassung Ruhr“ in Bochum umfasst das Gebiet zwischen Duisburg und Hamm, Haltern und Schwerte, mit insgesamt 860 Straßenkilometern. Wo wann mit den begrenzten Finanzmitteln saniert wird, müsse objektiv nach Prioritäten entschieden werden.

Kaum Chance für „30“

Auf eine neue Straßendecke dürfen Stadt und Anwohner also auf absehbare Zeit nicht hoffen. Auf Tempo 30 zur Lärmminderung aber auch nicht. Diese Maßnahme lehnt die Landesbehörde auch für andere Landesstraßen in Unna ab. Unnas Baudezernent Ott kündigt eine Fortschreibung der stadtweiten Lärmaktionsplanung an, die Unna schon vor Jahren aufgestellt und beschlossen hatte. Diese erste Planung mit Tempolimits als wesentlicher Lärmminderungsmaßnahme scheitert bei Kreis- und Landesstraßen am Widerstand von Kreis und Land. Ob neue Lärmberechnungen, die laut Ott ab 2019 erfolgen sollen, die Sachlage ändern werden, bleibt abzuwarten. Allzu viel Hoffnung machten die Stadtvertreter den Anwohnern nicht. Einige wollen nun Straßen NRW direkt anschreiben, um Problemlösungen zu fordern.

Raserei unauffällig

Wenn das Tempo der in die Stadt hinein- und aus ihr herausfahrenden Fahrzeuge effektiv gebremst würde, dann würde das schon „gewaltig helfen“, regte ein Anwohner an. Die Polizei allerdings erklärt, sie habe das „Blitzen“ dort derzeit zurückgestellt. Die Stadt hatte kürzlich Fahrzeuge zählen und deren Geschwindigkeiten nicht-gebührenpflichtig messen lassen. Das Ergebnis sei „unauffällig“, erklärten die Pressestellen von Stadt und Polizei. Der Kreis Unna wiederum führt Tempokontrollen durch und stuft die Hammer Straße auch nicht als Raserschwerpunkt ein. 2017 habe es 16 Messungen in Höhe der Hausnummer 80 gegeben, berichtet Christian Bornemann, Leiter der Bußgeldstelle. Detailergebnisse könne er nicht mehr liefern, aber eine Einordnung: nichts besonders Herausragendes. „Sonst würden wir dort häufiger stehen.“ Messungen hätten an Werktagen und Wochenenden stattgefunden, in der Regel zwischen 6 und 20 Uhr. Es gebe für den Kreis Unna keine Veranlassung, mehr oder weniger an der Hammer Straße zu unternehmen. „Wir setzen den Messbetrieb so fort.“

Tipp: Ortsschild versetzen

Vielleicht könnte es helfen, das Ortseingangsschild weiter Richtung Haus Kissenkamp zu versetzen – auch das ist eine Anwohneranregung. Autofahrer würden beim Einfahren in die Stadt noch früher an das innerorts geltende Tempolimit von 50 erinnert. Die Stadt verspricht, das zu prüfen, weist aber auf sehr enge Richtlinien für ein solches Verfahren hin.

Geprüft werden sollen auch Hinweise an regelmäßige Straßennutzer aus dem Schwerlastbereich. Im Schnitt 50 Lkw verkehren laut Stadt zwischen 22 und 6 Uhr. Ein ortsansässiger Logistiker beispielsweise könne durch einen einfachen Handgriff leer fahrende Fahrzeuge leiser machen. Dass die Logistikbranche grundsätzlich die Hammer Straße nach wie vor nutzt, um Wege abzukürzen, steht aber auch außer Frage.

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Wo parken, wenn nicht auf dem Gehweg? Dieses Problem treibt einige Anlieger um, die ihre Autos nicht auf eigenem Grund abstellen können. Kostenlose Alternativen an der Eissporthalle oder am Haus Kissenkamp sind manchen zu weit entfernt, manchen nicht sicher genug. Die Stadt erneuerte nun ihr Angebot, für 20 Euro im Monat Stellplätze vor einem Trafohäuschen zu verpachten. Weitere Plätze daneben könnten durch eine Baumaßnahme eingerichtet werden, wenn sich dafür ausreichend Interessenten melden.
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