Radfahrer sind geduldige Menschen. Der Radschnellweg Ruhr stellt diese Geduld aber immer härter auf die Probe: Im Kreis Unna bleibt der RS1 bis 2026 ein Mythos.

Unna

, 23.07.2019, 15:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie groß das Interesse der Radfahrer am RS1 ist, zeigte im Mai die Eröffnung eines weiteren Teilabschnittes zwischen Mühlheim und Essen. Aus dem fernen Unna brach eine kleine Delegation des ADFC auf, nur um NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst hinterherzuradeln, als dieser zur Erstbefahrung der frischen Asphaltbahn bis zum Essener Uni-Campus einlud.

2019 werde das Jahr der ersten Spatenstiche entlang des Radschnellwegs Ruhr sein, hieß es bei dem Festakt. Was der Minister verschwieg war, dass dies nur für die Strecke bis Dortmund gilt.

Kreis Unna bei der RS1-Planung das Schlusslicht

In Kreis Unna ist in Sachen RS1 vieles anders. Mit dem Ergebnis, dass von einem ersten Spatenstich nicht einmal zu träumen ist. Mehrfach wurden die Zeitprognosen nach hinten gestreckt. Inzwischen peilt Straßen NRW als Bauherr des Radschnellweges an, bis 2026 alle Vorarbeiten und Genehmigungen abgehakt zu haben. Danach müssten dann nur noch Aufträge vergeben werden, und es könnte der Bau beginnen.

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Was den Kreis Unna vom Rest der RS1-Strecke unterscheidet, ist die Pflicht zu mehr Bürokratie. Gerade für den Bereich um Unna und Kamen wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig sein. Weil die Strecke entlang der beiden Städte lang und die Studie absehbar teuer wird, musste die Suche nach einem Fachbüro EU-weit laufen. Zurzeit bereitet Straßen NRW die Vergabe vor. In einem Jahr könnte die Studie dann vorliegen.

Radwegeplanung mit den Hürden des Autobahnbaus

Über den Sinn einer solchen Studie wird gestritten. Der hiesige ADFC etwa sieht einen inneren Widerspruch darin, dass die Förderung des umweltfreundlichen Verkehrsmittels Fahrrad mit einem Instrument der Umweltgesetzgebung verzögert wird. „Man hat das Gefühl, hier sollen wirklich die Kriterien für den Autobahnbau an einen Radweg angelegt werden“, meint der Ortsgruppensprecher Helmut Papenberg.

Tatsächlich ergeben sich zurzeit ein paar Komplikationen, die die Autoren der RS1-Machbarkeitsstudie so noch gar nicht ahnen konnten. Für den Bau des Radschnellweges mussten sogar Gesetze überarbeitet werden, weil es diese Wegekategorie zuvor noch nicht gab. Vom Rang her ist der RS1 nun eine Landesstraße. Und deren Bau erfordert ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung.

Viel bringen wird die Umweltprüfung nicht

Sorgen, dass der RS1 an dieser Prüfung scheitern könnte, seien übrigens unbegründet, erklärt Planer Sebastian Artmann von Straßen NRW. Die Studie bewerte lediglich die ökologischen Eingriffe, die beim Bau des Radschnellwegs entstehen würden. Das mag helfen, unter den möglichen Trassenvarianten die günstigsten auszuwählen.

Dass die Planungen sehr weit von dem seit 2014 vorliegenden Konzept der Machbarkeitsstudie abweichen würden, sei allerdings auch nicht zu befürchten. Eine schon jetzt etablierte Radwegeverbindung wie die der Klöcknerbahntrasse auszubauen, biete sich doch an, auch wenn die Wegbreiten eines Radschnellweges dort ein paar Bäume gefährden könnten.

Baurecht 2026, Baustart weiter unklar

Welcher Umsetzungszeitraum sich nach der Wegmarke „Baurecht 2026“ ergibt, ist derzeit offen. Die Machbarkeitsstudie für den RS1 sah seinerzeit übrigens eine Realisierung ab 2018/19 vor.

„Die Machbarkeitsstudie war ein guter Anfang, mehr aber auch nicht“, meint Sebastian Artmann bei Straßen NRW. Und er räumt ein, dass die Zeithorizonte, die in der Studie genannt wurden, viel zu große Hoffnungen geweckt hätten. „Wir lernen da auch sehr viel Neues. Es mag sinnvoll sein, in kürzeren Abschnitten zu denken, statt immer 20 Kilometer in einem durchbauen zu wollen.“

ADFC-Mann Helmut Papenberg hat die eventuell zu groß angesetzten Hoffnungen inzwischen aufgegeben. „Schade“, kommentiert er die erneute Verzögerung. „Es wäre ein tolles Projekt gewesen.“

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