Riesen-Krankenhaus soll Medizin in Unna sichern und verbessern

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Die Ausbaupläne des Christlichen Klinikums Unna sind ein Meilenstein in der Krankenhausentwicklung. Doppelstrukturen sollen endgültig verschwinden, Zentren die Versorgung verbessern.

Unna

, 18.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn der Zusammenschluss der beiden Unnaer Krankenhäuser seine Ausbaupläne umsetzen kann, sollen davon am Ende vor allem die Patienten profitieren. Das Evangelische Krankenhaus (EK) und das Katharinen-Hospital (KK) treiben ihre Fusionspläne voran. Vor einigen Monaten wurden die Verantwortlichen auf ein Förderprogramm aufmerksam, von dem sie sich nun erheblichen Rückenwind erhoffen. Wie berichtet sollen 100 Millionen Euro in den Standort Unna investiert werden, von denen das Land bis zu 90 Prozent übernehmen soll.

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Heutiges KK wird Standort der Hightech-OPs

Es geht vor allem um einen großen Anbau an das heutige Katharinen-Hospital. An diesem Standort will das neue „Christliche Klinikum Unna“ künftig seine Hightech-Medizin zusammenziehen. Geplant sind neben 200 Patientenzimmern zehn neue Operationssäle, zwei zusätzliche für ambulante OPs.

Blick auf das Gelände des Katharinen-Hospitals vom Beethovenring aus: Das Personalwohnheim im Vordergrund würde abgerissen, um mit einem Neubau an den 2015 fertig gestellten Anbau (Hintergrund) anzuschließen - soweit der Plan.

Blick auf das Gelände des Katharinen-Hospitals vom Beethovenring aus: Das Personalwohnheim im Vordergrund würde abgerissen, um mit einem Neubau an den 2015 fertig gestellten Anbau (Hintergrund) anzuschließen – soweit der Plan. © Udo Hennes

Doppelstrukturen sollen damit endgültig abgebaut werden. In Unna beispielsweise zwei Bauchchirurgien in zwei Krankenhäusern vorzuhalten, gilt als überholt, und die Krankenhausleitungen gehen davon aus, dass auch der Gesetzgeber das nicht mehr will. Auch orthopädische, Unfall- und Gefäßchirurgie sollen im Neubau unterkommen, außerdem Gynäkologie, Dermatologie und Handchirurgie. Bestandteil des Standorts Katharinen-Hospital bleiben auch die Kardiologie und die Gastroenterologie.

Fusion

Das Christliche Klinikum Unna

  • Aus dem Zusammenschluss von Katharinen-Hospital und Evangelischem Krankenhaus entsteht das Christliche Klinikum Unna. Die Fusion soll im August dieses Jahres notariell beurkundet werden.
  • Beide Häuser haben derzeit zusammen 712 Betten. Sie versorgen im Jahr fast 33.000 Patienten stationär und haben rund 1800 Mitarbeiter.

Sanierung und Entwicklung auch an der Holbeinstraße

Zwischen Beethovenring, Mozart- und Obere Husemannstraße soll das operative Zentrum des neuen Klinikums entstehen – am Standort EK das konservative, wie EK-Stiftungsvorstand Dr. Dietmar Herberhold erklärt. Wenn jetzt dort ansässige Fachabteilungen wie die Orthopädie demnächst zum neuen Standort ziehen, wird Platz frei.

Diesen würde unter anderem der LWL nutzen, der seine Psychiatrie erweitern wolle. Die Gerontopsychiatrie, also die Versorgung seelisch kranker älterer Menschen, könnte eng mit der Geriatrie verzahnt werden, die am EK inzwischen eine eigenständige Abteilung ist. Außerdem soll sich die renommierte Neurologie durch die Umstrukturierungen weiter verbessern.

Am EK-Standort sollen zudem Stationen saniert werden, die teils noch ohne Nasszellen sind, teils noch mit Drei-Bett-Zimmern, was nicht mehr zeitgemäß ist.

Das Evangelische Krankenhaus soll weiter saniert werden. Hier will das Christliche Klinikum Unna künftig seine konservativen Fachabteilungen unterbringen, vor allem Neurologie und Geriatrie.

Das Evangelische Krankenhaus soll weiter saniert werden. Hier will das Christliche Klinikum Unna künftig seine konservativen Fachabteilungen unterbringen und weiterentwickeln, vor allem Neurologie und Geriatrie. © www.blossey.eu

Zentrenbildung und Sicherung der Versorgung

Ein wichtiges Stichwort für die Planer ist Zentrenbildung: Verschiedene Abteilungen sollen zusammengefasst werden, beispielsweise als Herz- und Gefäßzentrum, Zentrum für Alterschirurgie oder Bauchzentrum. Insgesamt acht dieser Zentren sind geplant. Das soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessern, Patienten sollen ganzheitlich betrachtet werden.

Schon jetzt gibt es für bestimmte Operationen gesetzlich vorgeschriebene Mindestmengen. Hintergedanke: Eine Abteilung, die etwas oft macht, macht es besser. Umgekehrt bekommen Kliniken, die Mindestmengen unterschreiten, Leistungen nicht von der Krankenkasse bezahlt. Neue Zentren sollen künftig in Unna Behandlungen ermöglichen, die es jetzt noch nicht gibt. Außerdem soll die Weiterentwicklung den Medizinstandort absichern.

Christian Larisch, Chef des Katharinen-Hospitals, erklärte, dass in der Branche die Einführung weiterer Mindestmengen erwartet werde. Der Druck, Größe und Fachkompetenz nachzuweisen, werde also wachsen. „Wir sind dann abgesichert.“

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Kürzere Wege für Patienten und Personal

Patienten aus Unna und der Region sollen im Zuge der Fusion und der Um- und Ausbaupläne also künftig nicht weniger medizinische Leitungen erhalten, sondern mehr. Und sie sollen kürzere Wege haben. Den Planern schweben Strukturen vor, die es in der kürzlich renovierten Gynäkologie am KK schon gibt: Soll bei einer Patientin beispielsweise nach einer OP noch eine Ultraschallaufnahme gemacht werden, muss sie nicht wie bisher in eine andere Station auf einer anderen Etage, sondern eher nur ein Zimmer weiter. Die Untersuchungstechnik wird dann in derselben Einheit vorgehalten.

Auch für das Personal sollen dadurch Arbeitsabläufe vereinfacht werden. Die Großinvestition mit Hilfe der erhofften Förderung könnte dafür optimale Bedingungen schaffen.

Vorhaben braucht Unterstützer

Bisher sieht es so aus, dass die Stadt Unna dem Vorhaben wohlwollend gegenübersteht. Mit dem Vortrag kürzlich im Stadtentwicklungsausschuss waren Larisch und Herberhold sowie Thorsten Roy vom Katharinen-Hospital einer Einladung nachgekommen, um in der Sitzung dann zustimmendes Nicken bis Lob wahrzunehmen. Sie warben bei den örtlichen Politikern, das Projekt und vor allem den Förderantrag zu unterstützen, auch durch Kontakte zu Vertretern in Land- und Bundestag oder Krankenkassen-Gremien.

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