Rettungsanker in Pandemie-Zeiten: „Maske 19“ hilft Frauen in Not

dzZonta-Club Hamm/Unna

Immer noch schweigen viele Frauen, wenn sie Gewalt erfahren – ob körperlich oder seelisch. Der Zonta-Club Hamm/Unna will helfen – und hat in der Corona-Zeit viele Apotheken an seiner Seite.

Unna

, 17.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie stellt auch Familien und Partnerschaften vor große Herausforderungen. Zukunftsängste, soziale und wirtschaftliche Folgen sorgen für Frust. Die Folge können familiäre Konflikte, Ehe- und Partnerschaftskrisen sein. Kann ein Partner seinen Ärger und seine Anspannung nicht mehr steuern, wächst das Risiko für häusliche Gewalt.

Die Union deutscher Zonta-Clubs setzt genau hier an, will ein Zeichen setzen gegen Gewalt gegen Frauen und ihnen Hilfe anbieten. Und so folgt auch der Zonta-Club Hamm/Unna mit der Aktion „Code Maske 19“ dem Vorbild aus Spanien und Frankreich.

Notrufhilfe nach bekanntem Vorbild

„Maske 19“ ist kein Geheimcode, sondern eine Notrufhilfe. Das niederschwellige Angebot soll Betroffenen die Möglichkeit bieten, unauffällig um Hilfe zu bitten – den auch in den eigenen vier Wänden unterliegen sie oft der Kontrolle ihres Partners.

Die Idee von „Code Maske 19“ ist nicht neu. Sie lehnt sich an an eine Kampagne des Frauenforums im Kreis Unna an. Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ können sich betroffene Frauen etwa in Kneipen und Restaurants wenden und werden in einen ruhigen Bereich geführt, auf Wunsch wird die Polizei hinzugeholt.

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Die Corona-Krise und die damit verbundenen Lockdowns erhöhen aber nicht nur die Gefahr häuslicher Gewalt – mögliche Anlaufstellen in der Gastronomie sind auch geschlossen. Die Apotheken aber bleiben offen – und sie holt der Zonta-Club Hamm/Unna ins Boot.

Im Kreis Unna unterstützen bereits viele Apotheken das Projekt. Sie machen mit Postern und Infomaterial Frauen auf das Angebot aufmerksam, mit dem Codewort „Maske 19“ in einer akuten Gewaltsituation die Polizei rufen zu können – abseits des häuslichen Umfelds und des eigenen Telefons.

Konkrete Hilfe in Gewaltsituationen

Konkret bedeutet das: Kommt eine Frau in die Apotheke und bittet um „Maske 19“ wird sie in einen geschützten Raum gebracht und auf Wunsch polizeiliche Hilfe geholt. Die Polizei kann dann Ermittlungen aufnehmen.

Machen sich gemeinsam für das Projekt "Maske 19" stark (v.l.) Apothekerin Barbara Einhoff, Edith Weerd, Anja Grabitz und Elke Markmann (alle Zonta Club Hamm/Unna).

Machen sich gemeinsam für das Projekt "Maske 19" stark (v.l.) Apothekerin Barbara Einhoff, Edith Weerd, Anja Grabitz und Elke Markmann (alle Zonta Club Hamm/Unna). © Dirk Becker

Eine Apothekerin, die das Projekt gerne unterstützt, ist die Inhaberin der Mozart-Apotheke im Medical-Center am Nordring. Barbara Einhoff sagt, warum: „Zum einen bin ich selbst eine Frau. Zum anderen finde ich es gut, wenn Frauen und Kinder Ansprechpartner haben.“

Anja Grabitz, Präsidentin des Zonta-Clubs Hamm/Unna, freut sich ebenso wie Edith Weerd, Elke Markmann und Christa Sonntag über die aktive Unterstützung durch die Apotheken und die Kreispolizeibehörde Unna.

„Die Corona-Pandemie hat uns auch in Deutschland verdeutlicht, dass es in der Hilfe bei häuslicher Gewalt empfindliche Lücken gibt. Mit der Unterstützung unserer Partner wollen wir durch ,Code Maske 19‘ dazu beitragen, dies zu ändern“, sagt Grabitz.

Apotheken unterliegen der Schweigepflicht

Sie erklärt auch, warum ausgerechnet Apotheken als Partner fungieren: „Apotheken unterliegen der Schweigepflicht. Die Notrufhilfe in Apotheken kann also eine zusätzliche Schutzfunktion bieten. Das Codewort erleichtert Betroffenen, auch unabhängig vom Lockdown in Corona-Zeiten, sich in einem Vertrauensumfeld akut Hilfe zu holen, ohne selbst die Polizei anrufen oder sich lange erklären zu müssen.“

Weitere Apotheken, die das Projekt unterstützen möchten, können sich beim Zonta-Club Hamm/Unna melden. Kontaktinformationen gibt es auf der Internetseite zonta-hamm-unna.de.

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