Taubenkot ist vielen Bürgern und Hausbesitzern ein Dorn im Auge. Der Tierschutzverein Unna möchte den Tieren ein gesundes Leben ermöglichen, von dem letztlich auch die Menschen profitieren.

Unna

, 25.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Tierschutzverein Unna geht in Sachen Taubenschutz in die Offensive. Er sucht Ehrenamtliche, die sich engagieren möchten, um den Tauben ein gesundes und sicheres Leben zu ermöglichen.

Für viele Menschen gehören Stadttauben zu Unna. Einige füttern die Tiere sogar, werfen ihnen Brotkrumen hin. Doch es gibt auch zahlreiche Menschen, die sich an den Vögeln stören – und vor allem an ihren Hinterlassenschaften.

Tauben setzen viel Kot ab. Ob dieser giftig ist, ist umstritten. Vor allem Hausbesitzer stören sich aber an dem aggressiven Kot, der Fassaden und Dächer beschädigen kann.

Verwaltung setzt auf aushungern

Vertreter der Stadtverwaltung, des Stadtmarketings und des City-Werberings hatten die Tauben Mitte Mai zum Thema gemacht. Das Ziel: Die Tauben sollten ausgehungert werden, damit sich ihre Zahl reduziert.

Bürger sollten mit Flyern darauf hinweisen, dass für das Füttern von Tauben auch Geldstrafen verhängt werden können. Harald Köhnemann, Vorsitzender des Rassetaubenzuchtvereins Rote Erde, hatte angezweifelt, dass die verwilderten Vögel in eigens aufgestellte Taubenhäuser zu locken seien.

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Der Tierschutzverein Unna hatte dem unmittelbar darauf widersprochen und erklärt, er sei bereit, ein Taubenhaus zu betreuen. Die Vorsitzende Ursula Horn betonte, wie wichtig es sei, „eine Lösung für die armen Tiere“ zu finden.

In der Folge signalisierte die Stadtverwaltung zumindest die Bereitschaft, mit dem Verein über das Thema zu sprechen. „Wir freuen uns darum um so mehr, dass die Verantwortlichen der Stadt Unna weitere Gespräche mit uns Tierschützerinnen führen möchten, um gemeinsam im Sinne der Stadttauben erfolgreich sein zu können“, erklärt der Tierschutzverein. Die Gespräche seien für die nächsten Wochen geplant.

Infos aus Oer-Erkenschwick

Die Ergebnisse abwarten will der Tierschutzverein aber nicht. Er geht in die Offensive und hat sich zuletzt in Oer-Erkenschwick informiert. „Seit mehr als zehn Jahren wird in der Stadt Oer-Erkenschwick und auch anderswo die Problematik der frei lebenden Stadttauben gesehen und tiergerecht behandelt“, erklären die Tierschützer.

Rettungsaktion für Unnas Tauben: Mitstreiter gesucht

Taube im Anflug: Unnas Alter Markt ist auch eine Heimstatt für die Vögel. © Marcel Drawe

Die Erfahrungen zeigten, dass ein Aushungern der Tiere nicht möglich sei, sondern ausschließlich das Leid vergrößere. Zusätzlich kostenintensiv eingebaute Vergrämungsbauten wie Spikes führten nur zu Verletzungen, so der Tierschutzverein.

Tauben würden kränker und hilfesuchender: „Untersuchungsergebnissen zur Folge führt Nahrungsmangel bei den bis zu ihrem Lebensende treu ihrem Partner ergebenen Vögeln zu vermehrter Eiablage und Brut sowie zu dem gerade in Straßen-Cafés unangenehmen Hungerkot – einem Durchfall“, erklären die Tierschützer. Doch gerade dieses Verhalten solle zukünftig nicht mehr vorkommen.

Tauben-Expertinnen haben den Besuchern aus Unna Tipps gegeben, wie die Taubenproblematik gelöst werden kann:

  • Kartierung der Nistplätze freilebender Tauben: Tauben sind Felsenbrüter und bevorzugen in der Innenstadt Mauervorsprünge an Parkdecks, Geschäftshäusern, unter Balkonen und Fensterbänke (notfalls auch Bäume).
  • Kontinuierlicher Austausch der Gelege an diesen bekannten Orten durch Plastik- oder Gipseier: Es fallen dabei Kosten von etwa 7 Euro für 20 Eier an.
  • Einrichtung und Betreuung eines Futterplatzes in Nähe der Nistplätze: Hier sollte mindestens einmal am Tag, immer zur selben Uhrzeit, gefüttert werden. Die Kosten betragen etwa 60 Euro pro Monat. Diese Maßnahme ermöglicht die Kontrolle der Tauben hinsichtlich möglicher Erkrankungen sowie die Beobachtung rückläufiger Zahlen.
  • Sollte es sogar möglich sein, einen betreuten Taubenturm oder ein Taubenhaus in der Innenstadt zu errichten, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, um die Tiere hierhin „einzuladen“. Die Tauben sind sehr standorttreu und es bedarf kleinerer Maßnahmen.

Der Tierschutzverein Unna will sich diesbezüglich noch mit seinen befreundeten Vereinen in Dortmund und Hamm austauschen.

Rettungsaktion für Unnas Tauben: Mitstreiter gesucht

Annette Zimmermann schaut sich die Tauben an, die in Oer-Erkenschwick auch Rückzugsräume finden. © Tierschutzverein Unna

Schon jetzt aber machen sich die Unnaer Tierschützer auf die Suche nach freiwilligen Helfern. Der Verein erklärt, er brauche „dringend weitere ehrenamtliche aktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bereit sind, regelmäßig (ein-, zwei- oder dreimal in der Woche) die Gelege zu kontrollieren und die Eier auszutauschen.“

Verein sucht Ehrenamtler

Außerdem ist die Betreuung der Futterstelle (einmal am Tag, immer zur selben Uhrzeit) eine Aufgabe, für die noch Hilfe benötigt wird. Der Tierschutzverein hofft, Menschen zu finden, die in der Innenstadt arbeiten und in ihrer Mittagspause oder nach Feierabend kurz bereit sind, Futter auszulegen. Wer etwa in der Innenstadt wohnt, könnte an den Wochenenden die interessanten Tiere beobachten und den Fütterungsdienst übernehmen.

Informationen für Interessierte

An dem Thema Interessierte sind eingeladen, am Montag, 5. August, um 18.30 Uhr zum Monatstreffen des Tierschutzvereins Unna in die Gaststätte „Am Kurpark“ zu kommen. Außerdem können sie sich unter Tel. (0 23 03) 6 27 65 informieren. Ein weiterer Weg ist die Kommunikation über das soziale Netzwerk „Facebook“.

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