Rentnerin stirbt nach Unfall: Kompliziertes Verfahren endet mit milder Strafe

dzGerichtsurteil

Es ist eine der traurigen Nachrichten dieses Jahres. Nach einem Verkehrsunfall am Käthe-Kollwitz-Ring verstirbt eine 86-Jährige. Die juristische Aufarbeitung gestaltete sich schwierig.

von Dirk Becker, Jana Peuckert

Unna

, 24.09.2019, 15:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Suche nach der Wahrheit ist vor Gericht oft schwierig. Wenn es dann auch noch um den Tod eines Menschen geht, ist das umso schlimmer. Das Amtsgericht Unna befasste sich am Dienstag mit einem solchen Fall.

Es war ein tragisches Unglück, das sich am 7. Mai 2019 auf dem Käthe-Kollwitz-Ring in Unna ereignete. Gegen 15 Uhr wollte ein 53-jähriger Mann an diesem sonnigen Dienstag in Höhe der Hausnummer 44 aus einer Einfahrt auf den Verkehrsring abbiegen. Der Handwerker wollte neues Material holen. Er hielt vor dem Gehweg an, schaute sich um und fuhr los.

Der Mann übersah dabei allerdings eine 86-jährige Frau aus Unna, die mit ihrem Rollator auf dem Gehweg unterwegs war. Es kam zu einem Zusammenstoß. Die Seniorin fiel zu Boden, ihr Rollator blieb auf dem Gehweg stehen. Ein Passant machte den Holzwickeder auf den Unfall aufmerksam. Das Opfer wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Dort verstarb die Seniorin noch am selben Tag gegen 18 Uhr.

Was die juristische Aufarbeitung angeht, wird der Fall genau an dieser Stelle kompliziert. Todesursache war nämlich ein Herzinfarkt. Ob dieser Infarkt im Zusammenhang mit dem Unfallgeschehen stand, ist für die Bewertung von Bedeutung. „Ohne den Unfall wäre sie nicht gestorben“, erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

„Ich hab die Frau wirklich einfach nicht gesehen“, erklärte der 53-Jährige. Das hatte der Passant, der den Unfall beobachtet hatte, untermauert. Er hatte bei der Polizei angegeben, der Angeklagte sei sehr langsam und vorsichtig angefahren, hätte den Rollator der Frau mit dem hinteren Teil seines Wagens erwischt. Die Rentnerin sei mit dem Kopf auf den Asphalt aufgeschlagen.

Der Angeklagte habe sich vorbildlich verhalten und zunächst vor dem Gehweg angehalten, erklärte auch der Richter in der Urteilsbegründung. Aber genau das habe die Frau offenbar dazu veranlasst, zu denken, der Mann habe sie gesehen und würde sie vorbeilassen. Das Gericht verhängte daher ein Urteil, das als milde wahrgenommen werden kann.

Unfallfahrer wird verwarnt

Der Unfallverursacher wurde wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen, aber lediglich verwarnt. Außerdem verhängte das Gericht eine Geldstrafe von 1800 Euro unter Vorbehalt. Laienhaft kann dies als „Geldstrafe auf Bewährung“ bezeichnet werden. Zahlt der Fahrer 1000 Euro an das Lebenszentrum in Königsborn, wird die Akte geschlossen.

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