Wieses Reitsportzentrum soll im Verkauf 20 Millionen Euro bringen

dzWirtschaft

Das Reitsportzentrum in der Massener Heide erweist sich als schwer vermittelbar. 19,8 Millionen Euro ruft Eigentümer Thomas Wiese nun als Kaufpreis auf. Und günstiger kann er es auch gar nicht machen.

Unna

, 30.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Juni vergangenen Jahres steht das Reitsportzentrum in der Massener Heide zum Verkauf. In Inseraten bietet ein Makler den Interessenten an, entweder nur die Anlage zu erwerben oder gleich die Reitsport GmbH der Familie Wiese, die Betreiberin und Eigentümerin des Zentrums ist. Die Suche nach Investoren allerdings scheint keine einfache zu sein.

Jetzt legt die Reitsport GmbH, eine Tochter der Wiese Familien GmbH, zumindest die Karten auf den Tisch, was den Kaufpreis angeht. 19,8 Millionen Euro sind aktuell aufgerufen. Bislang hieß es in den Inseraten, der Preis sei Verhandlungssache. Allein der Verweis auf Investitionen in Höhe von 39 Millionen Euro, die in das Zentrum geflossen seien, erlaubten eine Vorstellung davon, in welchen Größenordnungen hier gerechnet werden muss.

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19,8 Millionen Euro reichen gerade für die Tilgung der Schulden

Gemessen an den Investitionen erscheint die Anlage als günstig bewertet. In der jüngsten bereits veröffentlichten Bilanz allerdings weist die Gesellschaft für ihre Sachanlagen lediglich 16,7 Millionen Euro Wert aus. Die Zahl 19,8 Millionen findet sich an anderer Stelle: So hoch waren nach Abschluss des Geschäftsjahres 2017 die Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Gemessen an diesen Zahlen wäre dies der Preis, mit dem die Reitsport GmbH aus dem Projekt aussteigen könnte, ohne Schulden mitzunehmen. Aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor, die Reitsport GmbH ist mit ihren Veröffentlichungen etwas spät dran.

Auch 2017 rote Zahlen im laufenden Geschäftsbetrieb

Das Bild, das sich aus dem jüngsten verfügbaren Geschäftsbericht ergibt, zeigt Probleme auf, die ein Käufer in Betracht ziehen sollte. Neben den Investitionen kostet offenbar auch der laufende Betrieb der Gesellschaft mehr Geld, als er einbringt.

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Für 2017 haben die Gesellschafter - das meint Wieses Familiengesellschaft und für einen kleineren Anteil an der Gesellschaft auch Thomas Wiese als Einzelperson - einen Forderungsverzicht abgegeben, der den Jahresfehlbetrag bei rund 200.000 Euro hielt. Über die Jahre hinweg hat das 2006 gegründete Reitsportzentrum aber bislang rund 1,9 Millionen Euro an Verlusten im Betrieb eingefahren.

Der Jahresabschluss, den die Gesellschaft für 2017 erstellt hat, spricht von Defiziten in mehreren Sparten. Zum Reitsportzentrum gehören auch eine Hengststation, das Reitsportfachgeschäft an der Massener Straße, das Restaurant Il Cavallo und das Landhaus Massener Heide.

Das Reitsportzentrum in der Massener Heide ist eine Anlage mit gehobener Ausstattung und von beachtlichen Ausmaßen, doch die Auslastung ließ zuletzt noch zu wünschen übrig.

Das Reitsportzentrum in der Massener Heide ist eine Anlage mit gehobener Ausstattung und von beachtlichen Ausmaßen, doch die Auslastung ließ zuletzt noch zu wünschen übrig. © Hans Blossey

Vielleicht ist das Zentrum einfach eine Nummer zu groß

Immerhin hat sich gegenüber dem Bericht des Vorjahres eine leichte Verbesserung ergeben. Erkennbare Sparmaßnahmen beim Vergleich der Bilanzen 2016 und 2017: Der Personalbestand wurde reduziert. Im Durchschnitt seien über das Jahr 2017 hinweg nur noch 65 (Vorjahr 74) Menschen im Reitsportzentrum und den angeschlossenen Betrieben beschäftigt gewesen, davon 35 in Restaurant und Hotellerie.

Als maßgeblichen Grund für die Ertragsprobleme nennt der Geschäftsbericht eine „noch nicht zufriedenstellende Auslastung der Anlagen“.

Im Reitsportzentrum können 156 Pferde untergebracht werden. Ihnen und ihren Reitern stehen fünf Reit- und drei Longierhallen sowie mehrere Außenplätze für Dressur- und Springreiten zur Verfügung. Allein die Tribüne der „Eventhalle“ ist für 2000 Zuschauer ausgelegt.

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