Abschied von der Lindenbrauerei: Regina Ranft erklärt sich doch zur Rentnerin

dzKultur in Unna

30 Jahre lang hat Regina Ranft Leben in die Bude gebracht. Dass ausgerechnet sie das Büro der Lindenbrauerei in aller Stille verlässt, hätten die wenigsten erwartet. Sie selbst auch nicht.

Unna

, 25.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Regina Ranfts Wirken für das Kultur- und Kommunikationszentrum Lindenbrauerei ist älter als die Einrichtung selbst. Schon in den 80er-Jahren gehörte sie zur Szene der alternativen Kulturschaffenden, deren hartnäckiges Fordern ein bekanntes Stück Unna hervorbringen sollte.

Denn am Anfang war die Lindenbrauerei nichts als eine ungenutzte Industrieanlage, mit der die Stadt so recht nichts anzufangen wusste, als sie ihre Büros ins neue Rathaus legen konnte. Die Forderung nach einem Soziokulturellen Zentrum in Abgrenzung zur elitären Hochkultur war damals mindestens gewagt und im bürgerlichen Unna nicht jedermanns Sache.

Drei Jahrzehnte Geschäftsführung im Kulturzentrum

Rund 30 Jahre sind inzwischen vergangen: Drei Jahrzehnte, in der die Lindenbrauerei zu den bekanntesten und anerkanntesten Veranstaltungsstätten in der Region geworden ist. Drei Jahrzehnte, in denen Regina Ranft ihre Geschäftsführerin war. Bis zum Schluss war Ranft eine kantige und leidenschaftliche Kämpferin für die Ideen der Soziokultur. Jetzt erklärt sie sich offiziell zur Rentnerin.

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Ihren Abschied hätte sich Ranft vermutlich ganz anders vorgestellt, zumindest nicht so ruhig. Ein großes Fest hätte es geben sollen – nicht mit sich selbst im Mittelpunkt, sondern zum 30-jährigen Bestehen der Lindenbrauerei. Dass daraus nichts geworden ist, liegt natürlich an der Corona-Pandemie. Aber das ist nicht das einzige, womit die Viren den Wechsel in der Lindenbrauerei erschweren.

Vor Corona sollte schon im April Schluss sein

Offizieller Abschiedstermin für die 65-jährige Ranft wäre im April gewesen, und einen Plan für die Nachfolge gab es auch schon. Statt einer Person in Geschäftsführungsverantwortung hätte ein Spitzentrio aus Frank Herzog, Andreas Müller und Jan Pritzl die Leitung in der „Linde“ übernehmen sollen. Doch dafür muss die Satzung angepasst werden – eine Formsache zwar, die aber eine ordentliche Hauptversammlung erfordert, wie sie in Corona-Zeiten nicht machbar war.

Also machte Regina Ranft über den Rententermin hinaus weiter als ihre eigene kommissarische Nachfolgerin. Dann schlug Corona „von hinten“ zu: Als Ranft mit Husten zum Arzt ging, kam akuter Corona-Alarm auf, der sich zwar in zwei Tests nicht bestätigen sollte, aber dennoch einen Anlass hatte. Um sich einmal gründlich auskurieren zu können, zog sie nun doch den angekündigten Schlussstrich: In einem Brief an Vorstand, Mitarbeiter und Freunde der Lindenbrauerei erklärt sie ihren Abschied.

Stolz auf eine große Mannschaftsleistung

„Ich bin dann mal weg und befinde mich ab sofort im verdienten Ruhestand“, schreibt sie. „So möchte ich mich bei allen Mitstreiter*innen vom Vorstand und beim Team der Lindenbrauerei für die über 30 Jahre der erfolgreiche Zusammenarbeit bedanken. Wir haben gemeinsam aus einer umstrittenen Idee die größte Kultureinrichtung in freier Trägerschaft dieser Stadt gemacht. Das haben wir gemeinsam erreicht und darauf dürfen wir zu Recht stolz sein.“

Ranfts Nachfolge übt zurzeit Frank Herzog, der in der bisherigen Führungsstruktur als ihr Stellvertreter ausgewiesen war. Er tut es ausdrücklich mit dem Hinweis, dass er diese Solistenrolle nur übergangsweise spielt, bis die Formsachen für den Antritt des neuen Leitungstrios erledigt sind. Voraussichtlich am 18. August will die Lindenbrauerei die im April abgesagte Mitgliederversammlung nachholen – sofern sich Corona nicht noch etwas einfallen lässt.

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