Unna schafft klare Regeln gegen den Werbe- und Warenwildwuchs in der Innenstadt

dzFußgängerzone

Der Umbau der Massener Straße soll Unnas Fußgängerzone schöner machen. Passend dazu will die Stadt auch das Chaos ordnen, das durch Warenauslagen und Werbung entsteht. Der Ansatz klingt sinnvoll.

Unna

, 02.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Begriff „Kundenstopper“ sollten Händler nicht zu wörtlich nehmen. Wo die Klappständer nur die Aufmerksamkeit der Passanten einfangen, ist alles in Ordnung. Wo der Fluss der Flaneure stockt, weil sie sich fluchend den Weg zwischen viel zu dicht gepackten Aufstellern suchen müssen, liegt derzeit ein Ärgernis vor – und zukünftig wohl auch ein Regelverstoß.

Künftige Regeln für Kundenstopper: Nur noch einer pro Betrieb, maximal für Plakate im Format DIN A1. Aufsteller, die sich durch Motorenkraft oder den Wind bewegen, sind verboten.

Künftige Regeln für Kundenstopper: Nur noch einer pro Betrieb, maximal für Plakate im Format DIN A1. Aufsteller, die sich durch Motorenkraft oder den Wind bewegen, sind verboten. © Sebastian Smulka

Vor dem Neubau der Fußgängerzone, für den Unna derzeit auf Fördermittel hofft, befasst sich die Stadt jetzt auch mit den beweglichen Dingen, die dort heute wie morgen aufgestellt werden: Warenauslagen, Werbeträgern, Dekorationselementen und vor Gastronomiebetrieben auch den Tischen und Stühlen will die Stadt nun einen richtigen Platz zuweisen beziehungsweise den falschen Platz verwehren.

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Der Politik liegt nun nach langer Vorberatung mit Händlern der Entwurf einer neuen Richtlinie vor, die die Aufstellung des Freiluftmobiliars verbindlich ordnen soll. Sie könnte im Frühling beschlossen werden und dann nach einer Vorbereitungszeit für Gewerbetreibende Anfang 2021 in Kraft treten.

Handel und Stadtbild harmonisch in Einklang bringen

Der Entwurf aus dem Rathaus ist umfassend und vor allem konkret. Ziel ist, zwei Dinge miteinander in Einklang zu bringen, die beide die Attraktivität der Innenstadt ausmachen, aber doch miteinander im Widerstreit stehen: das gepflegte Ambiente einer historisch geprägten Fußgängerzone und ein lebhaftes Handelsgeschehen.

Hosenspezialist und Liebehenschel scheinen den Entwurf für die neue Richtlinie schon zu kennen: Sie machen auch im Sinne der künftigen Regeln alles richtig.

Hosenspezialist und Liebehenschel scheinen den Entwurf für die neue Richtlinie schon zu kennen: Sie machen auch im Sinne der künftigen Regeln alles richtig. © Sebastian Smulka

Noch liegt es in stärkerem Maße in der Verantwortung der Geschäftsleute, wie sie das Prinzip der „Sondernutzung“ auf den Flächen vor ihren Ladentüren anwenden. Viele gehen bereits recht dezent vor, einige verschönern die sonst eher „steinige“ Fußgängerzone sogar durch Pflanzen oder Dekorationsobjekte. Andere aber tragen etwas dick auf.

Zu den intensivsten Nutzern der Fläche vorm Laden gehört in Unna Woolworth. Am Beispiel des Niedrig-Preis-Warenhauses lässt sich gut illustrieren, was sich im Kernbereich der Innenstadt, also am Alten Markt, an Massener, Bahnhof- und Hertingerstraße, künftig ändern soll.

1,70 Meter breiter Laufweg muss frei bleiben

Das Wichtigste vorweg: Damit ein ausreichend breiter Laufweg freibleibt, dürfen Warenauslagen und Dekorationen nur noch einreihig aufgestellt werden – entweder direkt an der Fassade oder mit einem Mindestabstand von 1,70 Meter davon abgerückt.

Hier sollte noch jeder Fußgänger durchkommen. Trotzdem muss das Schuhhaus Hammerschmidt das Maßband anlegen: Der vordere Warentisch steht weit genug von der Fassade abgerückt, beim hinteren könnte es in dieser Momentaufnahme knapp werden.

Hier sollte noch jeder Fußgänger durchkommen. Trotzdem muss das Schuhhaus Hammerschmidt das Maßband anlegen: Der vordere Warentisch steht weit genug von der Fassade abgerückt, beim hinteren könnte es in dieser Momentaufnahme knapp werden. © Sebastian Smulka

Auch die Anzahl der Wühltische muss Woolworth verringern. Wie viele überhaupt statthaft sind, soll sich künftig nach der Frontbreite des Ladens richten. Bei Geschäften mit elf Metern Schaufenster sind nur noch zwei Körbe zulässig. Und selbst die größten Geschäfte der Innenstadt mit mehr als 21 Metern Front dürfen nur fünf Auslagen vor die Tür stellen. Der einzelne Aufsteller darf maximal 1,50 Meter lang, breit und hoch sein. Maximal zwei verschiedene Ausführungen sind erlaubt. Provisorische Aufsteller wie Europaletten schließt die geplante Richtlinie ausdrücklich aus.

Das Ende etlicher „Fahrradständer“

In vergleichbarer Systematik werden auch Kundenstopper, Gastronomiemöblierung, Witterungsschutz durch Schirme und Markisen und Gründekorationen reguliert. Für Markisen etwa gibt die Richtlinie sogar eine Auswahl von zehn zulässigen Farbcodes nach RAL-Tabelle frei.

Ein heute verbreitetes Werbemittel will die Stadt gänzlich aus der Fußgängerzone verbannen: Die mobilen, aber fürs Rad meist untauglichen Fahrradständer des Typs „Felgentod“ sollen von den öffentlichen Flächen in Unnas Innenstadt ganz verschwinden.

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