Katja Vogt zeigt die Schalen von „Vytal“, die es ab sofort in ihrem Restaurant „Refugio“ gibt. Das Pfandsystem ermöglicht es, Essen zum Mitnehmen ohne Verpackungsmüll auszugeben. © Udo Hennes
Restaurants

„Refugio“ setzt ab sofort auf Pfandsystem für Gerichte zum Mitnehmen

Mal eben schnell etwas zu essen bestellen – das passiert in der Pandemie deutlich öfter als vorher. Die Folge: Immer mehr Verpackungsmüll. Das „Refugio“ will das jetzt ändern.

Die Pizza, das Hühnchen süß-sauer oder das Schnitzel mit Pommes – im Lockdown wird so viel Essen bestellt wie lange nicht mehr. Einerseits mag dies den gebeutelten Gastronomen zumindest ein wenig durch die Krise helfen, andererseits bringt das viele Essen zum Mitnehmen auch viel Verpackungsmüll mit sich: Unzählige Mengen an Alufolie, Plastiktüten und Schalen aus Plastik sind dadurch im Umlauf – oder eben nicht, denn wieder verwerten lassen sich die einmal benutzen Verpackungen nicht.

Das ist bei „Vytal“ ganz anders: Die Schalen aus recycelbarem Polyproplyen sind genau dafür gebaut, dass man sie immer wieder benutzt, um darin bestelltes Essen abzuholen oder geliefert zu bekommen. Mit dem „Refugio“ an der Flügelstraße nutzt nun das erste Restaurant in Unna dieses System. „Ich ärgere mich vor allem über den inflationären Gebrauch von Alufolie, den man bei ganz vielen Restaurants und Lieferdiensten beobachten kann“, sagt Inhaberin Katja Vogt. In Ihrem Lokal gibt es bereits seit einiger Zeit umweltfreundlichere Einwegverpackungen oder auch die Möglichkeit, sich das bestellte Essen in eigene Behälter füllen zu lassen.

Je mehr Restaurants mitmachen, umso effektiver wird das System

Doch mit „Vytal“ hat sie nun eine wie sie sagt noch bessere Lösung gefunden, die vor allem noch nachhaltiger wird, je mehr Restaurants mitmachen. „Ich habe das bei der Show ‚Die Höhle der Löwen‘ gesehen und war sofort überzeugt“, erzählt Vogt.

„Ich würde mir sehr wünschen, dass irgendwann alle Restaurants in Unna mitmachen.“

Katja Vogt, Inhaberin des Restaurants „Refugio“

Ab Dienstag sind die Vytal-Schalen im „Refugio“ im Einsatz – und Vogt hofft, dass das erst der Anfang ist. „Ich würde mir sehr wünschen, dass irgendwann alle Restaurants in Unna mitmachen. Dann ist das System nämlich richtig effektiv.“

QR-Codes „verbinden“ Kunde und Schale

Die Funktionsweise ist einfach: Wer beim „Refugio“ etwas zu Essen bestellt, wird künftig gefragt, wie er das Essen eingepackt haben möchte. Entscheidet der Kunde sich für die „Vytal“-Schalen, kann er sich mit der „Vytal“-App einen QR-Code generieren lassen. Auch die Schalen, die es in drei verschiedenen Größen gibt, haben jeweils einen eigenen QR-Code auf den Deckel gedruckt. „Wenn ein Kunde sein Essen abholt, scannen wir seinen QR-Code und den der Schalen, die er mitnimmt“, erklärt Katja Vogt. Digital ist damit hinterlegt, wo sich welche Schale gerade befindet.

Durch den QR-Code auf dem Deckel der Schale lässt sich für jede Schale stets genau nachhalten, bei welchem Kunden sie sich gerade befindet.
Durch den QR-Code auf dem Deckel lässt sich für jede Schale stets genau nachhalten, bei welchem Kunden sie sich gerade befindet. © Udo Hennes © Udo Hennes
Kostenlos für die Kunden

So funktioniert das „Vytal“-System

  • Die Nutzung der „Vytal“-Schalen ist für Kunden der Restaurants kostenlos; eine Pfandgebühr fällt nicht an. Nur, wer die Rückgabefrist von zwei Wochen um eine Woche verlängern möchte, zahlt dafür einen Euro. Wer die Schalen nach zwei Wochen nicht zurückgibt, zahlt zehn Euro.
  • Auch wenn das System über eine App läuft, können auch Kunden ohne Smartphone die „Vytal“-Schalen nutzen. Mit einer Kundenkarte, auf die ein QR-Code gedruckt ist, lassen sich die Schalen ebenfalls auf den jeweiligen Kunden „buchen“. Die Kundenkarte kostet einmalig zehn Euro und ist in teilnehmenden Restaurants erhältlich.

Innerhalb von 14 Tagen sollten die Schalen dann den Weg zurück ins Restaurant finden. „Man kann sich dafür auch eine Erinnerung in der App einstellen. Dann bekommt man eine Push-Nachricht gesendet“, sagt Katja Vogt. Wer die Schalen nach 14 Tagen nicht zurückgebracht hat, muss zehn Euro pro Schale zahlen – quasi eine Art Mahngebühr. „Man kann die Rückgabefrist aber auch für einen Euro um eine Woche verlängern“, erklärt Katja Vogt. Dies biete sich beispielsweise an, wenn man verreist sei und vorher vergessen habe, die Schalen zurück zu bringen. Erfahrungen der Restaurants, die „Vytal“ bereits nutzen, hätten aber gezeigt, dass die Schalen in aller Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen zurückgebracht würden.

Das „Refugio“ ist das erste Restaurant in Unna, das die „Vytal“-Schalen nutzt. Bisher sind es nahezu ausschließlich Großstädte, in denen sich das System bereits etabliert hat. Doch Katja Vogt hofft, dass auch in Unna weitere Restaurants nachziehen und die Kunden die müllfreie Bestellmöglichkeit annehmen. Sie ist überzeugt: „Eigentlich hätte das schon vor fünf Jahren passieren müssen.“

Über die Autorin
Redaktion Unna
Sauerländerin, Jahrgang 1986. Dorfkind. Liebt tolle Geschichten, spannende Menschen und Großbritannien. Am liebsten draußen unterwegs und nah am Geschehen.
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Anna Gemünd
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