Am Realschul-Neubau verdienen in Unna erst einmal die Gutachter

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Millionenkosten für den Bau einer Realschule will Unna durch die Entscheidung für eine Modulbauweise im Zaum halten. Allerdings entsteht ein rechtlicher Sonderfall, der zuvor nach einem Gutachten verlangt.

Unna

, 22.02.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Bauen in „modularer Bauweise“ hat Zukunft. Nachdem einige Grundschulen in Unna schon Zusatzräume für ihre Ganztagsgruppen als vorgefertigte Bausätze angeliefert bekommen haben, will Unna das Prinzip in größere Dimensionen führen.

Bei einem Neubau der Hellweg-Realschule in Massen könnte die schnelle und kostengünstigere Bauweise erhebliche Kostensenkungen bewirken. Allerdings tut sich nun ein Problem auf.

Bauen aus einer Hand im Vergaberecht ein Sonderfall

So schnell, wie sich Bautechnik und Bauwirtschaft entwickeln, kommt der Gesetzgeber in Deutschland nicht mit. Und so ergibt sich nun ein rechtlicher Sonderfall, der den Sparansatz für den Schulneubau erst einmal etwas teurer macht.

Bevor Unna das Konzept der Schule in Modulbauweise weiterverfolgen kann, muss erst einmal ein Gutachter bestellt werden, um rechtliche Fragen zu klären. Die Stadt rechnet mit fünfstelligen Beträgen für dessen Honorar.

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Modulbauten werden nicht Stein auf Stein oder Wand für Wand errichtet, sondern zumindest teilweise aus komplexeren Baugruppen zusammengesetzt, die vorgefertigt und dann angeliefert werden.

Allein die Planung eines Gebäudes wird dadurch vereinfacht. Die Stadt hofft, ihre Planungskosten für eine neue Realschule in Massen um 400.000 Euro senken zu können, wenn die neue Schule aus Modulen gebaut wird.

Das Bauen aus dem Bausatz geschieht überdies aus einer Hand. Der Hersteller der Baumodule tritt als Generalunternehmer auf und wäre für Unna der einzige Ansprechpartner. Das klingt nach einer Vereinfachung gegenüber der üblichen Praxis, die Gewerke eines Bauprojektes getrennt auszuschreiben und an unterschiedliche Firmen zu vergeben. Doch vergaberechtlich ist es ein Sonderfall.

Mit einem Generalunternehmer hat Unna noch keine Erfahrungen

Private Bauherren mag es überraschen: In der weithin anerkannt kompetenten Vergabestelle der Stadt Unna, die als Dienstleisterin auch für Fröndenberg und Bönen Aufträge an Firmen ausschreibt, hat niemand Erfahrungen mit dieser Situation.

„Es wäre tatsächlich das erste Bauvorhaben in Unna, das mit einem Generalunternehmer umgesetzt wird“, erklärt Rathaussprecher Oliver Böer.

Ziel des Vergaberechtes sei es, neben Gerechtigkeit und Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge an Firmen auch die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten.

Dabei ging der Gesetzgeber offenbar auch von der Annahme aus, dass ein komplexes Projekt wie der Bau einer Schule günstiger wird, wenn für alle Arbeiten ein günstiger Anbieter gefunden wird. Daher ist die Vergabe in „Losen“ vergaberechtlich der Normalfall – und die Generalunternehmervergabe eben der Sonderfall.

Mit Containern, wie sie an der Hellweg-Realschule in Massen übergangsweise zur Schaffung neuer Raumkapazitäten aufgestellt worden waren, hat die „richtige“ Modulbauweise wenig zu tun.

Mit Containern, wie sie an der Hellweg-Realschule in Massen übergangsweise zur Schaffung neuer Raumkapazitäten aufgestellt worden waren, hat die „richtige“ Modulbauweise wenig zu tun. © Udo Hennes

Technisch und auch wirtschaftlich mag es Gründe dafür geben, wenn ein Hersteller von Modulbauteilen den kompletten Bausatz einer Schule als Paket anbieten will. Doch auch wenn das Ergebnis ein durchaus günstiges ist, müsste die Stadt die Entscheidung für eine Generalunternehmervergabe gut begründen, um sich nicht dem Risiko von Klagen auszusetzen.

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Sofern diese rechtlichen Fragen zu klären sind, will die Stadt an der Modulbauweise festhalten. Im Januar hatten Mitglieder des Schulausschusses und des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehrsplanung die Gesamtschule in Menden besucht, die ebenfalls in Modulbauweise entstanden ist. Eine aktuelle Beschlussvorlage empfiehlt der Politik, die Verwaltung dieses Konzept weiter zu verfolgen und die rechtlichen Fragen prüfen zu lassen.

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